Lüttich-Bastogne-Lüttich 2016

(BEL/1.UWT) - Siegerliste Lüttich-Bastogne-Lüttich

Poels triumphiert bei scheußlichem Wetter

Wout Poels (Sky) gewann überraschend ein nasskaltes Lüttich-Bastogne-Lüttich 2016. Der 28-jährige Niederländer setzte sich in Ans im Sprint einer 4-köpfigen Gruppe durch vor Michael Albasini (Orica), Rui Costa (Lampre) und Samuel Sanchez (BMC). Das Quartett hatte sich an einem neuen Kopfsteinpflasteranstieg knapp 3 Kilometer vor dem Ziel auf Initiative von Albasini abgesetzt.

Vor dem Rennen versprach der Wetterbericht mit maximal 6 Grad und Schneeregen eine denkwürdige 102. Ausgabe des wallonischen Monuments. In den teilweise verschneiten Ardennen waren die Fahrer in dicke Kleidung eingemummt. Der Wintereinbruch Ende April machte zwischen Kilometer 45 und 75 eine Streckenänderung nötig. Danach wurden aber alle geplanten und bezeichneten Anstiege gefahren, weil die nassen Schneeflocken nicht auf der Straße liegenblieben.

Fokus auf Finale und Rue Naniot

Trotzdem konzentrierten sich die spannenden Momente des Rennens auf die letzten 3 Kilometer. Denn bei Lüttich-Bastogne-Lüttich war 2016 ein kurzer gepflasterter Anstieg in Zielnähe neu im Profil: Zwischen Côte de Saint-Nicolas und der Steigung zur Ziellinie in Ans wurde eine kurzer Schlenker über die Rue de la Naniot gefahren. Der kurze neue Anstieg lud nur 2,5 Kilometer vor dem Ziel zu Attacken ein.

Einerseits wurde das Finale dadurch selektiver, andererseits das Warten der Favoriten auf die letzten Kilometer noch mehr hinaufbeschworen als es die Jahre zuvor schon der Fall war. Die Côte de la Roche-aux-Faucons taugte auch 2016 nur zum Vorgeplänkel, und die einst legendäre Côte de la Redoute sowieso. Die ansonsten noch früher im Streckenplan stehende Côte de Stockeu mit dem Eddy-Merckx-Denkmal wurde 2016 gleich ganz umfahren.

Selbst Schneeregen vertrieb nicht die Langeweile

In der Anfangsphase von Lüttich-Bastogne-Lüttich 2016 wurde eine frühe Spitzengruppe mit Tiralongo (Astana), de Marchi (BMC), Brutt (Tinkoff), Edet (Cofidis), Roy (FDJ), de Gendt (Lotto), Benedetti (Bora) und dann auch Laengen (IAM) fahren gelassen. Das Oktett bekam maximal 9 Minuten Vorsprung zugestanden. Ansonsten blieb es lange ruhig. Erst ab ca. 50 Kilometer vor dem Ziel begann es mit den Attacken, und da auch vornehmlich in der Spitzengruppe. Das extreme Wetter entpuppte sich als kein Garant für einen großartigen Rennverlauf, und das verschneite Rennen von 1980 mit nur 21 Fahrern im Ziel stand nicht Pate für 2016. Damals endete der Klassiker noch in Lüttich und nicht im Vorort Ans.

50 Kilometer standen also noch auf dem Tacho, und knapp 2 Minuten betrug der Vorsprung, als Alessandro de Marchi das Spitzenoktett durch eine Attacke sprengte. Nicolas Edet und Thomas de Gendt zogen mit, dazu Laengen erneut im zweiten Anlauf. Aus dem Hauptfeld heraus blieben die Vorstöße von Voeckler (Direct Energie) und einem Trio mit Thurau (Wanty), Vliegen (BMC) und van der Sande (Lotto) nur kurze Episoden.

Null Attacken an Redoute und Falkenfelsen

An der Côte de la Redoute war Edet 37 Kilometer vor dem Ziel zuerst oben und de Marchi bei ihm. De Gendt kam dahinter noch einmal zurück, während Laengen endültig ausgeschaltet war. Im Hauptfeld riegelte das Team des Top-Favoriten Alejandro Valverde (Movistar) wie schon den gesamten Tag ab, und es gab genau null Attacken. Hinter der Redoute attackierte Andrej Griwko aus dem Hauptfeld und schloss zum aus der Spitze wieder zurückgefallenen de Gendt auf. Beide wurden alsbald geschnappt, ebenso wie schließlich Edet und de Marchi 23 Kilometer vor dem Ziel an.

Das Team von Julian Alaphilippe und Daniel Martin (Etixx), den beiden hoch eingeschätzten Herausforderern von Valverde, hatte nun die Tempoarbeit im geschrumpften Hauptfeld übernommen. An der Côte de la Roche-aux-Faucons bröckelte es hinten erheblich, während sich nach vorne bis zum Bergpreis niemand in die Offensive wagte. Noch vor der Abfahrt setzte immerhin Carlos Betancur (Movistar) eine Attacke 18 Kilometer vor dem Ziel in einem steigenden Stück hinter dem Bergpreis. Betancur wurde jedoch schon 2 Kilometer später von Etixx gestellt. Am Ende waren die besten Platzierungen der beiden Teams, die das Rennen mit ihrer Tempoarbeit langweilig zusammenhielten, ein 16. Platz für Valverde und ein 23. Platz für Alaphilippe. Bravo.

Weitere Attacken von Griwko und dann Kwiatkowski (Sky), Griwko und Betancur passierten wohl eher aus Versehen und waren schnell vereitelt. Hoch zur Côte de Saint-Nicolas, dem 2016 drittletzten Anstieg, attackierte Bardet (AG2R), ohne einen Meter wegzukommen. Eine Lücke schafften stattdessen Diego Rosa (Astana) und Ilnur Sakarin (Katusha). In der nassen, gepflasterten Abfahrt rutschte Sakarin jedoch weg ohne zu stürzen, so dass zunächst er und dann Rosa 5 Kilometer vor dem Ziel eingeholt wurde.

Albasini führte Vorentscheidung herbei

In der Rue Naniot, auf die alle gewartet hatten, setzte sich Michael Albasini an die Front und führte mit seiner Beschleunigung die Vorentscheidung herbei. Rui Costa markierte sein Hinterrad, und bis oben kamen Samuel Sanchez und Wout Poels hinzu. Danach investierte Albasini weiterhin am meisten, attackierte dann an der Kilometermarke. Costa führte Poels und Sanchez heran. In der Verfolgergruppe war Valverdes letzter Helfer verschlissen und eine Einholung des Spitzenquartetts kaum noch möglich. Ilnur Sakarin attackierte die Verfolger schließlich für den 5. Platz.

Etwa 500 Meter vor dem Ziel parierte Albasini eine Attacke von Poels. In die abschließende Linkskurve führte Albasini das Quartett auf die letzten 200 Meter. Poels trat aus der Kurve heraus an und öffnete dadurch ein kleines Loch, das Albasini bis zur Ziellinie schließen, aber nicht mehr übertrumpfen konnte. Costa fuhr im Windschatten auf den 3. Platz, während Sanchez nichts mehr entgegensetzen konnte. Außer Sakarin löste sich noch Warren Barguil (Giant) aus der Verfolgergruppe und belegte damit den 6. Platz.

So 24. April 2016, Lüttich - Ans
Ergebnis der 102. Auflage Liège-Bastogne-Liège (253km)
1. Wout Poels (NED) - Sky 6:24:29
2. Michael Albasini (SUI) - Orica-Greenedge gl.Zeit
3. Rui Costa (POR) - Lampre-Merida gl.Zeit
4. Samuel Sanchez (ESP) - BMC +0:04
5. Ilnur Sakarin (RUS) - Katusha +0:09
6. Warren Barguil (FRA) - Giant-Alpecin +0:11
7. Roman Kreuziger (CZE) - Tinkoff +0:12
8. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha
9. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo
10. Diego Rosa (ITA) - Astana
11. Tanel Kangert (EST) - Astana
12. Enrico Gasparotto (ITA) - Wanty-Groupe Gobert
13. Romain Bardet (FRA) - AG2R La Mondiale
14. Michael Valgren (DEN) - Tinkoff
15. Patrick Konrad (AUT) - Bora-Argon 18 alle
16. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar
17. Dylan Teuns (BEL) - BMC
18. Arnold Jeannesson (FRA) - Cofidis
19. Stephen Cummings (GBR) - Dimension Data gleiche
20. Lars Petter Nordhaug (NOR) - Sky
21. Alex Howes (USA) - Cannondale
22. Jelle Vanendert (BEL) - Lotto-Soudal
23. Julian Alaphilippe (FRA) - Etixx-Quick Step Zeit
24. Manuele Mori (ITA) - Lampre-Merida +0:40
25. Giovanni Visconti (ITA) - Movistar gl.Zeit
...
33. Simon Gerrans (AUS) - Orica-Greenedge +1:29
36. Michal Kwiatkowski (POL) - Sky +1:29
47. Daniel Martin (IRL) - Etixx-Quick Step +1:56
51. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana +2:21
- 200 Teilnehmer, davon 154 klassiert.

Wildcards für Lüttich-Bastogne-Lüttich 2016 erhielten Bora, Cofidis, Direct Energie, Fortuneo, Roompot, Topsport Vlaanderen und Wanty. Die 18 WorldTour-Teams sind automatisch dabei.

Anstiege Lüttich-Bastogne 2016

km-

Zeit

Länge

1.

Côte de La Roche-en-Ardenne

175

12:28

2,8 km

6,2 %

2.

Côte de Saint-Roch

128

13:37

1,0 km

11,2 %

3.

Côte de Wanne

85

14:43

2,8 km

7,4 %

4.

Côte de la Haute-Lévée

74

14:58

3,6 km

5,6 %

5.

Col du Rosier

61

15:18

4,4 km

5,9 %

6.

Col du Maquisard

49

15:37

2,0 km

5,0 %

7.

Côte de La Redoute

37

15:54

2,0 km

8,9 %

8.

Côte de La Roche-aux-Faucons

21

16:19

1,3 km

11,0 %

9.

Côte de Saint-Nicolas

7

16:39

1,2 km

8,6 %

10.

Côte de la Rue Naniot

3

16:45

0,6 km

10,5%

Zielankunft in Ans bei Kilometer 253: ca. 16:49 Uhr

www-tipps

Poels triumphiert vor Albasini und Costa
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