Jörg Jaksche - «Bella Jorg»

Der Ansbacher Jörg Jaksche wurde 1997 Profi beim italienischen Rennstall Polti. Davor fuhr er für das Vorgängerteam Gerolsteiners, dem von Hans Holczer gemanagten Team aus Öschelbronn. Bereits im zweiten Profijahr durfte Jörg Jaksche an der Tour de France teilnehmen. Kurz nach seinem 22. Geburtstag beendete Jaksche die Tour auf dem 18. Gesamtrang. Dieses sehr gute Resultat zum Debüt wurde allerdings durch zahlreiche Fahrer-Ausstiege während dieser Skandal-Tour 1998 begünstigt. Das Team Telekom, damals unangefochten Deutschlands Rennstall Nummer 1, glaubte trotzdem, in Jaksche großes Potenzial entdeckt zu haben und verpflichtete den Ansbacher für zwei Jahre. Doch bei Telekom trat Jaksche auf der Stelle: Im zweiten Jahr beim Magenta-Rennstall wurde er nicht einmal mehr für den Tour-de-France-Kader berücksichtigt.

Drei Jahre für O.N.C.E.-Eroski und Beloki
Jaksche fand für 2001 einen neuen Arbeitgeber in Spanien: Beim O.N.C.E.-Rennstall des berüchtigten Managers Manolo Saiz sollte Jaksche drei Jahre lang bleiben. Bei seinen drei Tour-de-France-Teilnahmen fungierte er vor allem als Edelhelfer für Joseba Beloki. Der Spanier wurde 2001 Gesamtdritter hinter Armstrong und Ullrich, 2002 Gesamtzweiter hinter Armstrong und vor Rumsas. 2003 stürzte Beloki in den Alpen schwer. Jaksche stand seinem leidenden Kapitän am Straßenrand zur Seite, obwohl dieser offenkundig das Rennen nicht mehr fortsetzen konnte. Jaksche war in diesem Moment ein Vollblut-Helfer. Er verschwendete keinen Gedanken daran, dass er gerade möglicherweise eine eigene gute Klassementplatzierung verschenkte. Das Kollektiv zählt im Radsport sehr, und bei spanischen Teams angeblich umso mehr. Seine vier ersten Profierfolge verbuchte Jaksche allesamt bei Siegen im Teamzeitfahren seiner starken Mannschaft O.N.C.E.-Eroksi.

Vielversprechender Start bei CSC
Für 2004 probierte Jörg Jaksche etwas Neues: Er ging zum CSC-Rennstall nach Dänemark. Dessen Teamchef Bjarne Riis war dafür bekannt, aus seinen Fahrern noch einmal ein paar Extra-Prozente herauszukitzeln. Jörg Jaksche begann die Saison sogleich als Siegfahrer. Ihm gelangen zwei Rundfahrt-Siege in Frankreich - zunächst bei der Mittelmeer-Rundfahrt, und dann beim ersten Saison-Highlight Paris-Nizza, wo er das Podium im Jahr zuvor noch knapp verpasst hatte. Kurz vor der Tour de France brach sich Jaksche im bislang besten Jahr seiner Karriere den Ellbogen und musste zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 zuschauen. Nach nur einem Jahr bei CSC kehrte Jaksche zu Manolo Saiz nach Spanien zurück, dessen Rennstall nun Liberty Seguros hieß. Riis musste Jaksche ziehen lassen, weil das Team CSC sich bei der Suche nach Co-Sponsoren schwer tat.

Das Kapitel Liberty Seguros
Jaksches Resultate sahen 2005 ähnlich aus wie 2003: Ihm gelangen Top-5-Ergebnisse im Endklassement bei Paris-Nizza und der Deutschland-Tour - nicht mehr und nicht weniger! Bei der Tour de France war er auf Rang 16 der Bestplatzierte seiner Mannschaft. Sein neuer Kapitän Roberto Heras blieb weit hinter den Erwartungen zurück, und Joseba Beloki erreichte nach seinen Sturzverletzungen aus 2003 nie mehr seine alte Leistungsstärke. Im Jahr darauf hatte Jaksche mit Podesträngen bei Tirreno-Adriatico und der Tour de Suisse ein sportlich erfolgreiches erstes Halbjahr. Doch schon bei seinem dritten Platz in der Schweiz war ein gewisser Doping-Skandal ins Rollen gekommen, der unter der Bezeichnung Operacion Puerto in die Geschichtsbücher einging. Teamboss Manolo Saiz war von der spanischen Polizei beim Kauf von Blutbeuteln erwischt worden. Der Hauptsponsor hatte sich sofort zurückgezogen, schon bei der Tour de Suisse war Jaksche im Trikot mit der Aufschrift des Co-Sponsors Würth unterwegs. Nach der Tour de Suisse hieß das Team dann Astana, es wurde von den führenden Wirtschaftsunternehmen Kasachstans unterstützt.

Operacion Puerto - und nun...?
Kurz vor der Tour de France 2006 tauchte Jaksches Name auf einer Liste mit mutmaßlichen Kunden des Arztes Eufemiano Fuentes auf. Fuentes hatte die Blutbeutel an Saiz verkauft. In Fuentes' Kühlschränken lagerten Blutbeutel mit den Aufschriften «Bella Jorg» und «JJ». Zudem war Jaksche mit einer Kamera beobachtet worden, als er Fuentes' Praxis in Madrid betrat.
In der Folgezeit ließ sich nur schwer eine Handhabe gegen die in die Puerto-Affäre involvierten Fahrer finden. Die Betroffenen spielten die Unschuld vom Lande. Und die Objektive richteten sich ohnehin fast nur auf die zwei größten Namen, Ullrich und Basso. Jaksche fand im Laufe der Saison 2007 Unterschlupf im neuen italienisch-russischen Tinkoff-Rennstall, einem Team der zweiten Kategorie. Bei fast jedem Rennen gab es einen Hickhack, ob die Puerto-Fahrer nun starten dürften oder nicht. Bei der Lothringen-Rundfahrt holte Jaksche den Gesamtsieg, bei der Bicilceta Vasca einen Podestplatz. Beim Giro d'Italia platzte jedoch ein Start Jaksches, da die Veranstalter keine Operacion-Puerto-Fahrer duldeten. Teampatron Oleg Tinkoff ließ den Vertrag mit Jaksche inzwischen nur noch widerwillig weiterlaufen. Es näherte sich der Termin des Tour-de-France-Starts, und schließlich zahlte das Nachrichtenmagazin Spiegel Jörg Jaksche angeblich eine sechsstellige Summe, damit dieser endlich doch noch über die Operacion Puerto auspackt - und bei dieser Gelegenheit auch gleich weitere Dopinggeschichten erzählt.

Kalter Kaffee oder Erdbeben?
Eine Woche vor der Tour de France 2007 blickte die Radsport-Welt gespannt auf die Beichte von «Bella Jorg» - gibt's kalten Kaffee wie bei Basso oder ein Erdbeben ungeanhten Ausmaßes? Antwort: Die Tendenz geht eher in Richtung Erdbeben. Auszupacken gab es Einiges, denn Jaksche kam während seiner Profizeit herum: Bei Polti fuhr er unter Teamchef Gianluigi Stanga, heute Milram. CSC-Teamchef war damals wie heute Bjarne Riis. Über seine Zeit bei Telekom könnte Jaksche weitere Geschichten in Sachen organisiertes Teamdoping erzählen. Mit Tour-Favorit Alexander Winokurow fuhr Jaksche 2000 und 2006 im gleichen Team. Und genau um diese Baustellen ging es dann auch:
Operacion Puerto Teil III - Jaksches Beichte

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Die wichtigsten Profisiege und Jaksches Teams:

1997 - Team Polti

1998 - Team Polti

1999 - Team Telekom

2000 - Team Telekom

2001 - O.N.C.E.-Eroski

2002 - O.N.C.E.-Eroski

2003 - O.N.C.E.-Eroski

2004 - Team CSC
Mittelmeer-Rundfahrt, Gesamtsieg
1. Etappe Paris-Nizza (EZF)
Paris-Nizza, Gesamtsieg

2005 - Liberty Seguros

2006 - Liberty Seguros / Würth / Astana

2007 - Tinkoff
5. Etappe Circuit de Lorraine
Circuit de Lorraine, Gesamtsieg

Jaksche bei der Tour de France
1998 18. für Polti
1999 80. für Team Telekom
2001 29. für O.N.C.E.-Eroski
Träger Weißes Trikot
2002 31. für O.N.C.E.-Eroski
2003 17. für O.N.C.E.-Eroski
2005 16. für Liberty Seguros

Jaksche-Seiten im www:
www.joergjaksche.com
de.geocities.com/ogkempf/joergarsch.htm

Deutschland

Jörg Jaksche
* 23.07.1976 Fürth

Teams & Siege
Jaksche bei der Tour de France

Stand: 30.06.2007

Foto: Liberty Seguros
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