ProTour-Vorschau

Die 9 wichtigsten Fragen vor dem Start der neuen Rennserie
ProTour-Übersicht

19.12.2005 - Im folgenden soll ein Überblick über die ProTour vor ihrer ersten Saison gegeben werden. Diese neue Rennserie wird 2005 das erste Mal ausgetragen. Es gibt noch viele offene Fragen. Aber einige können auch schon beantwortet werden.

9 Fragen zur UCI ProTour:

- ProTour - was ist das überhaupt?
- Welche Rennen gehören zur ProTour?
- Welche Teams sind dabei?
- Wie kam es zu den 19 Teams?
- Wie sieht das Punktesystem aus?
- Was passiert unterhalb der ProTour?
- Was sind die Vorteile der ProTour?
- Was sind die Nachteile der ProTour?
- Wo bekomme ich noch mehr Infos zur ProTour?

 

ProTour - was ist das überhaupt?

Der Straßen-Radsport steht mit Hinblick auf die Saison 2005 vor einer großen Reform. Die sogenannte «UCI ProTour» soll mit 27 Rennen und 20 Teams demnächst für größere Transparenz und bessere Teilnehmerfelder bei den großen Rennen sorgen. Weltcup und Weltrangliste werden dann abgeschafft.
Bei der ProTour handelt es sich mehr oder weniger um eine geschlossene Eliteliga, die die wichtigsten Rennen der Welt und die stärksten Teams und Fahrer miteinander vereint. Dabei werden drei Kernziele formuliert:
1. Sogenannte «Key Events» sollen dank einer stärkeren Besetzung ein höheres Niveau erreichen.
2. Der finanzielle Profit soll erhöht und sichergestellt werden.
3. Und besonders vielsagend: Es soll zur blühenden Entwicklung des Radsport in allen Kontinenten beigetragen werden, ohne dass er unter der ProTour leidet.
Auf der ProTour-Webseite wird zuallererst verkündet, dass von der ProTour abhänge, ob der Radsport eine der populärsten Sportarten der Welt bliebe...

 

Welche-Rennen gehören zur ProTour?

Der Internationale Radsportverband (UCI) setzte sich zum Ziel, ungefähr 30 der größten und prestigetächtigsten Rennen in die ProTour aufzunehmen. Außerdem sollten geographische Gesichtspunkte in die Auswahl mit einfließen, was letztendlich alles und nichts bedeuten kann.
In Zeiten des Widerstandes zahlreicher Rennveranstalter gegenüber den ProTour-Plänen setzte die UCI im April 2004 ein Signal. Sie veröffentlichte einen provisorischen ProTour-Kalender für 2005. Mit dabei waren die drei großen Rundfahrten (GT), die bisherigen 10 Weltcuprennen (u.a. Mailand-San Remo, HEW Cyclassics) und einige weitere wie Deutschland-Tour, die neue Benelux- Rundfahrt, die bisher wertlose Polen-Rundfahrt - letztgenannte vermutlich wegen der geographischen Gesichtspunkte... Nicht dabei waren hingegen z.B. Henninger Turm und Het Volk.
Die Monate vergingen, und nicht nur die Rennen, die in die ProTour fehlten, machten gegen die Radsport-Reform mobil. Die Veranstalter der drei GT waren nicht einverstanden mit der neuen Rennserie. Vor allem beklagten sie, dass sie künftig nicht mehr selbst auf die Teilnehmerfelder Einfluss nehmen könnten (um sich unerwünschte Teams und Fahrer vom Hals zu halten). Weitere Machtfragen - wie die um die TV-Rechte - ließen die Situation beinahe eskalieren.
Das doppelt Dumme für die UCI: Die Veranstalter von Giro d'Italia und Tour de France veranstalten auch so wichtige Klassiker wie Mailand-San Remo oder Paris-Roubaix. Ohne diese Top-Events wäre die ProTour zu einer Lachnummer verkommen, auch wenn UCI-Präsident Hein Verbruggen seine Pläne ohne wenn und aber durchdrücken wollte: «Die ProTour kommt - ob mit oder ohne Tour de France.»
Nach langem Hickhack lenkten die Veranstalter von Tour, Giro und Vuelta am 1. Dezember doch noch ein. Sie taten dies aber ausdrücklich nur, um den Teams endlich Planungssicherheit für die neue Saison zu geben. Der Ärger hat demnach noch lange kein Ende. In der Zwischenzeit war der ProTour-Kalender ohne die GT-Veranstaler von 26 auf 14 Rennen geschrumpft. Flugs hievte die UCI den zuletzt eher mäßig besetzten GP Ouest France in den Kalender - etwa als Ersatz für Paris-Roubaix?
Doch schließlich besteht die ProTour aus 27 Veranstaltungen (plus zwei WM-Rennen). Mit von der Partie ist auch ein Teamzeitfahren in Eindhoven. Die meisten Renntage haben Frankreich, Spanien und Italien aufgrund ihrer dreichwöchigen Landesrundfahrten.

Verteilung der Renntage und Rennen nach Ländern:
Anzahl der Rennen Anzahl der Renntage
1. FRA 6 1. FRA 40
2. BEL 4,5* 2. ESP 34
3. ITA 4 3. ITA 30
3. ESP 4 4. SUI 16
5. SUI 3 5. GER 10
6. NED 2,5* 6. BEL 8 (ca.)*
7. GER 2 7. POL 7
8. POL 1 8. NED 6 (ca.)*
*) Die achttägige Benelux-Tour wurde auf Holland und Belgien aufgeteilt.

 

Welche Teams sind dabei?

Ungefähr 20 Teams sollen zur ProTour gehören. In der ersten Saison sind es 19*. Diese 19* Teams müssen auf jeden Fall an allen ProTour-Rennen teilnehmen. Die Kader-Größe beträgt faktisch 25 plus drei NEO-Profis. In die ProTour kommen nur Rennställe, die gewissen sportlichen, gesetzlichen, finanziellen und ethischen Anforderungen entsprechen. Aha...
Die noch greifbarsten Unterpunkte sind somit folgende: Die Rennstall-Betreiber müssen Lizenzen für 4 Jahre lösen, verbunden mit finanziellen Garantien. Das ist die Gegenleistung dafür, dass die Rennställe die Teilnahme an allen wichtigen Rennen sicher in der Tasche haben. Zudem verpflichten sich die Teams, keinen Fahrer unter Vertrag zu nehmen, der innerhalb der vergangenen vier Jahre eine positive Dopingprobe abgegeben hat!!! Diese verschärfte Spielregel gilt für Dopingsünder, die ab 2005 erwischt werden.
Im ersten ProTour-Jahr sind folgende Mannschaften dabei:
Spanien: Liberty Seguros, Illes Balears, Saunier Duval, Euskaltel
Frankreich: Cofidis, Crédit Agricole, FDJeux.com, Bouygues Telecom (Ex: La Boulangère)
Italien: Fassa Bortolo, Liquigas (neu), Lampre-Caffita (Fusion), Domina Vacanze (neu, nicht die jetzige GS-2!)
Belgien: Quick Step, Davitamon-Lotto (neuer Stall bzw. Lotto-Nachfolger)
Deutschland: Gerolsteiner, Timo Beil
Dänemark: CSC
Niederlande: Rabobank
USA: Discovery Channel (Ex: US Postal)
Schweiz: Phonak siehe Nachtrag!

Bei der Zahl 19* bleibt den Rennveranstaltern noch ein kleiner Spielraum, um die ein- oder andere Wildcard an ein Nicht-ProTour-Team zu vergeben. Bei der Tour de France wären das maximal drei freie Plätze.
*) Nachtrag: Nach einer Entscheidung des internationalen Sportgerichtshof ist die Schweizer Equipe Phonak das 20. Team in der ProTour.

 

Wie kam es zu den 19 Teams?

Am Anfang gab die UCI folgende Marschroute vor.
An den Rennen der ProTour, die ab 2005 ausgefahren wird, dürfen bzw. müssen Teams aus folgenden Staaten teilnehmen:
- Italien (4 Teams)
- Frankreich (3 Teams)
- Spanien (3 Teams)
- Belgien (2 Teams)
- Deutschland (2 Teams)
- Dänemark (ein Team)
- Niederlande (ein Team)
- Schweiz (ein Team)
- USA (ein Team)
Wie die UCI auf diese Verteilung der 18 Plätze kam, wird wohl ein Rätsel bleiben. Vielmehr hat sie sich mit dieser Verteilung ein Eigentor geschossen, weil schnell vier spanische Teams nominiert waren und deswegen vier italienische gar nicht mehr möglich waren.
Am 31. Mai 2004 war schließlich Meldeschluss für die neue Rennserie. 24 Teams haben sich um die zunächst 18 Plätze beworben. Durch den dubiosen Verteilungsschlüssel nach Nationen stand im Prinzip schon einiges fest, so zum Beispiel die ProTour-Teilnahme der beiden deutschen Teams Gerolsteiner und T-Mobile. Die Frist verstreichen ließen hingegen die Spitzenteams Saeco und Fassa Bortolo, bei denen u.a. Giro-Sieger Damiano Cunego bzw. Supersprinter Alessandro Petacchi Verträge haben. Die beiden italienischen Mannschaften waren nicht einverstanden mit den Regeln der ProTour. Welche Teams würden also dabei sein? Eine dreiköpfigen Kommission überprüfte die Rennställe auf Herz und Nieren.
Am 30. Juni dann gab die UCI die ersten elf Rennställe bekannt, die ab 2005 Vierjahres-Lizenzen für die neue ProTour erhalten werden. Die deutschen Mannschaften Gerolsteiner und T-Mobile gehörten in der Tat dazu. Dagegen erhielt bis dahin kein einziges italienisches Team eine Zusage von der UCI! Die Teams Nummer 12 und 13 wurden im August veröffentlicht: Saunier Duval und CSC - italienische Teams wieder Fehlanzeige. Im September gab es dann endlich die ersten provisorischen Lizenzen für Mannschaften aus Italien, und zwar für Fassa Bortolo und das neue Team von Liquigas. Interessant: beide Teams hatten beim letzten Abgabetermin Ende Mai noch keine Bewerbung eingereicht, waren aber wie sieben andere Bewerber im August anscheinend durch eine Hintertür geschlüpft. Außerdem «provisorisch» im ProTour-Dampfer saßen nun Euskaltel und Omega Pharma/Davitamon (der Lotto-Nachfolger).
Und als dann nur noch ein Platz in der ProTour frei war, entschloss man sich Anfang Oktober kurzerhand doch, sofort mit 20 Teams anzufangen. Wahrscheinlich bekam man kalte Füße beim Gedanken, dass entweder Saeco (inzwischen mit Lampre fusioniert) oder der Boulangère-Nachfolger Bouygues Telecom draußen bleiben muss. Genau diese beiden Teams erhielten neben Domina Vacanze (neues Team aus Italien) auch schließlich den Zuschlag für die letzten drei Plätze.
Von den 20 Teams, die im Laufe des Jahres eine provisorische Lizenz erhielten, bekamen am 13. November 15 tatsächlich eine Lizenz mit einer Laufzeit von vier Jahren. Die Lizenz von Lampre hingegen gilt nur drei, die für T-Mobile und Illes Balears nur für zwei und die von Fassa Bortolo sogar nur für ein Jahr. Und das Aus des Schweizer Rennstalls Phonak deutete sich schon leise an. Deren provisorische Lizenz wurde zurückgenommen. Welche Gründe die klugen Köpfe der UCI-Kommission im einzelnen für diese Entscheidungen hatten, wurde nicht verraten. Der UCI war augenscheinlich die Vorgehensweise der Phonak-Teameitung gegen die Dopingsünder Hamilton und Santi Perez zu lasch. Die beiden Fahrer waren die ersten, die 2004 mit einer neuen Testmethode des Blutdopings überführt wurden. Phonak und die Fahrer zweifelten diese Methode an, glaubten an ihre Unschuld.
Am 30. November schließlich wurden die Lizenzen für die bisherigen 19 Teams bestätigt. Phonak wurde hingegen endgültig ersatztlos gestrichen (klagte sich aber schließlich doch noch ein, siehe oben). Da brachte es (zunächst) auch nichts mehr, dass die beiden «schwarzen Schafe» suspendiert wurden. MrBookmaker (Belgien) und ag2r (Frankreich) hielt die UCI für sportlich zu schwach, um als Nachrücker in Betracht gezogen zu werden.

 

Wie sieht das Punktesystem aus?

Die meisten Punkte gibt es für einen Gesamtsieg bei der Tour de France. Damit wird das wichtigste Radrennen der Welt punktemäßig wieder über Giro d'Italia und Spanien-Rundfahrt gestellt, die zuletzt in der Weltrangliste gleichwertig waren. Bei den Eintagesrennen wird unterschieden zwischen den Monumenten und sonstigen Klassikern. Die fünf Monumente sind Mailand-San Remo, Flandern-Rundfahrt, Paris-Roubaix, Lüttich-Bastogne-Lüttich und Lombardei-Rundfahrt. Für diese traditionsreichen Rennen gibt es entsprechend mehr Punkte als für die übrigen Eintagesklassiker.
Etappensiege werden gravierend abgewertet. Bei Tour, Giro & Vuelta gibt es bei jeder Etappe für das Spitzentrio 3, 2, 1 Punkte. Bei allen anderen Etappenrennen erhält der Tagessieger nur noch einen Punkt. Das heißt im Klartext, dass man 14 Etappensiege bei der Tour de France braucht, um einen Sieg bei z.B. Gent-Wevelgem oder GP Ouest France zu übertrumphen. In der Weltrangliste hatten dazu bisher drei Etappensiege bei der Tour gereicht - eine weitaus realistischere Bewertung! Sprinter und fleißige Etappensiegsammler werden also in der ProTour-Wertung kaum eine Rolle spielen können. Klassiker-Jäger und Klassementfahrer hingegen werden mit schon wenigen Top-Resultaten ganz oben in der ProTour-Rangliste aufkreuzen.

Wie die «virtuelle» ProTour 2004 ausgegangen wäre, ist auf cycling4all nachzulesen:
http://www.cycling4all.com/index.php?content=r_04rapt.php

Und hier das ProTour-Punkteschema:
T G A B TE AE WM
1. 100 85 50 40 3 1 50
2. 75 65 40 30 2 - 40
3. 60 50 35 25 1 - 35
4. 55 45 30 20 - - -
5. 50 40 25 15 - - -
6. 45 35 20 11 - - -
7. 40 30 15 7 - - -
8. 35 26 10 5 - - -
9. 30 22 5 3 - - -
10. 25 19 1 1 - - -
11. 20 16 - - - - -
12. 15 13 - - - - -
13. 12 11 - - - - -
14. 9 9 - - - - -
15. 7 7 - - - - -
16. 5 5 - - - - -
17. 4 4 - - - - -
18. 3 3 - - - - -
19. 2 2 - - - - -
20. 1 1 - - - - -
T : Tour de France, Endklassement
G : Giro d'Italia & Vuelta España, Endklassement
A : alle anderen Etappenfahrten sowie fünf Monumente
B : alle anderen Eintagesrennen
TE: für die drei Etappenersten bei Tour, Giro & Vuelta
AE: für Etappensieger bei anderen Etappenfahrten
WM: für Straßen-Weltmeisterschaften

Weißes Trikot

Die Punkte werden zu Beginn einer neuen Saison gestrichen und alle fangen bei Null an.
Der in der ProTour-Wertung Führende muss ein Weißes Trikot tragen. Sollte der Weltmeister das Weiße Trikot erobern, so muss er sein Regenbogentrikot ablegen, solange er im Leader-Jersey der ProTour unterwegs ist. Wertungstrikots bei Etappenrennen, wie das Gelbe oder Grüne bei der Tour de France, gehen hingegen in der Kleiderordnung vor.
Nach der Lombardei-Rundfahrt 2005 wird im Oktober der erste ProTour-Sieger geehrt.

 

Was passiert unterhalb der ProTour?

Unterhalb der ProTour werden fünf Kontinental-Serien angesetzt. In der «UCI Europe Tour» finden die europäischen Rennen Unterschlupf, die nicht den Sprung in die ProTour schafften (und trotzdem noch genug Sponsoren zusammenkratzen können). Dazu gehören Veranstaltungen wie zum Beispiel Het Volk, Critérium International oder Rheinland-Pfalz-Rundfahrt. Im wesentlichen werden Rennen, die bisher der 1. Kategorie angehörten demnächst zu HC-Rennen und Rennen die bisher der 2. oder 3. Kategorie angehörten, zu Rennen der 1. Kategorie. Prominente Verstärkung hätte die «UCI Europe Tour» dann erhalten, wenn die GT-Veranstalter bei ihrer Ablehung gegenüber der ProTour geblieben wären.
In der «UCI Europe Tour» fahren ProTour-Teams per Wildcard um die Ehre, während es für die «Professional Continental Teams» (aus Deutschland: Wiesenhof) hier um Punkte geht. Bei einem Rennen der «UCI Europe Tour» müssen mindestens die Hälfte der Mannschaften von «Professional Continental Teams» gestellt werden, d.h. dass maximal die Hälfte durch ProTour-Teams besetzt werden kann.
Für Rennen in anderen Kontinenten als Europa gibt es separate Punktewertungen. Zu der «UCI Africa Tour», der «UCI Asia Tour», der «UCI America Tour» und der «UCI Oceania Tour» gehören dann Veranstaltungen wie Tour Down Under, Katar-Rundfahrt oder Tour de Langkawi. Diese Rennen hatten für die ambitionierten Teams bislang sowieso nur Vorbereitungscharakter. Sie werden von den ProTour-Teams vermutlich weiterhin genutzt, um sich vor der Saison einzurollen.

 

Was sind die Vorteile der ProTour?

Die Vorteile für die teilnehmden ProTour-Teams liegen auf der Hand: Für vier Jahre haben sie die Teilnahme an allen wichtigen Rennen - inklusive der Tour de France - sicher in der Tasche. Das bedeutet Planungssicherheit und verhindert zahlungsunfähige Rennställe.
Wenn die internationalen ProTour-Teams bei allen Top-Rennen dabei sein müssen, gibt es auch eine Hoffnung für den Fan. Die Herrschaft der Italiener beim Giro d'Italia und der Spanier bei der Vuelta España könnte vielleicht ein Ende haben. Zuletzt hatten viele Spitzenmannschaften auf Giro oder Vuelta verzichtet. Die übrigen Wildcards hatten (fast) nur einheimische Teams erhalten. Die Vuelta verkam zuletzt zur spanischen Rundfahrt-Meisterschaft auf der einen und einem WM-Einroll-Rennen auf der anderen Seite.
Auch mit der schwachen Besetzung einiger einst ruhmreicher Rennen soll Schluss sein. Die UCI verspricht sich von der ProTour, dass die Spitzenfahrer sich demnächst wieder auf mehr als nur ein Event konzentrieren. Der Effekt wäre bessere Teilnehmerfelder bei fast allen ProTour-Rennen. Wie schön wäre es, wenn die Tour-de-France-Sieganwärter sich auch bei anderen Veranstaltungen ernsthaft duellieren würden? Die ProTour mit ihrer Vermischung zwischen Etappenrennen und Klassikern könnte dafür sorgen.
In der somit entstehenden ProTour-Gesamtwertung wird möglicherweise für den Zuschauer mehr Transparenz erzielt. Das bisherige Weltranglistensystem hat außer Fahrer-Agenten und eingefleischten Radsport-Freaks sowieso kaum jemanden interessiert. Mit der einfach gestrickten ProTour-Gesamtwertung kann man sicherlich größere Massen begeistern als mit der komplizierten Weltrangliste.
Außerdem will die UCI mit der ProTour dem Doping jetzt erst recht den Kampf ansagen. Mit der Verplichtung, keinen Doping-Sünder innerhalb der nächsten vier Jahre unter Vertrag zu nehmen, treten die UCI und die Teams mit einem bombastischen Drohung den «schwarzen Schafen» gegenüber. Leute, die einmal gedopt haben, werden damit langfristig aus dem Verkehr gezogen.
Aus deutscher Sicht ist noch die sportliche Aufwertung der Deutschland-Tour erwähnenswert.

 

Was sind die Nachteile der ProTour?

Wie alles hat auch die ProTour eine Kehrseite der Medaille. Ein großes Problem ist, dass die Mehrheit der Betroffenen - ob nun Fahrer, Rennveranstaler oder Fans - mit einem unguten Gefühl in die ProTour-Zukunft schauen. Die Ungewissheit ist dabei genauso ausschlaggebend wie einige fragliche Neuerungen, die den Radsport garantiert nicht nur verbessern werden.
Vielfach bemängelt wird, dass es keinen sportlichen Auf- und Abstieg bei den Teams gibt. Denn diese stehen erst einmal vier Jahre fest und werden für aufstrebende Teams die wichtigen Rennen für einen langen Zeitraum blockieren. Kritiker befürchten, dass Teams unterhalb der ProTour, aber auch Rennveranstalter, die den Sprung in die ProTour verpasst haben, drastisch an Stellenwert verlieren könnten, folglich keine Sponsoren mehr bekämen und der Radsport unterhalb der ProTour zusammenfallen könnte. Der Alpenklassiker, das Flughafenrennen Köln/Bonn und der einst so ruhmreiche GP des Nations sind schon vor die Hunde gegangen.
Doch selbst innerhalb der ProTour könnte eine auseinander gehende Schere für Unmut sorgen. Das spartanische ProTour-Punktesystem honoriert nur die Allerbesten. Dahinter wird es keine Abstufungen mehr geben, weil nur die vordersten Plätze mit Punkten ausgezeichnet werden. Die Weltrangliste war ein viel breiter gefächertes Instrument. Sie vereinigte alle Rennfahrer unter einem Dach und warf auch für respektable 30. Plätze oder einen Tag im Bergtrikot noch das ein- oder andere Pünktchen ab. In der ProTour wird nun aber schwarz/weiß gemalt.
Die Möglichkeiten, dass Fahrer aus kleinen GS-III-Teams sich auch mal mit den Fahrern aus den großen Teams messen können, werden demnächst spärlicher, sofern sie denn nicht ganz entfallen. Ob die ProTour eine Chance für den Nachwuchs ist, wie es die UCI proklamiert, darf an dieser Stelle angezweifelt werden. Und es ist noch lange nicht gesagt, dass durch mehr ausländische Teams die ProTour-Rennen besser besetzt sein werden. Wenn diese Teams nämlich ihre Reserve-Mannschaft dort hinschicken, ist genau das Gegenteil eingetreten.
Dann noch unbefriedigend: Die Punktevergabe bei ProTour-Rennen ist unverhältnismäßig. Die Eichhörnchenmethode mit vielen guten Etappenplatzierungen zahlt sich künftig überhaupt nicht mehr aus. Damit wird die UCI nicht erreichen können, dass wieder mehr Fahrer die gesamte Saison aktiv sind.
Der erst 1989 aus der Taufe gehobene Weltcup, ein mittlerweile etablierter Wettkampf unter den Klassiker-Jägern, verschwindet aus der Radsport-Welt. Eine Vermischung mit den Rundfahrtspezialisten dämmt diesen Wettbewerb ein. Da mag noch als schwacher Trost gelten, dass Siege bei Klassikern in der ProTour hoch gewichtet sind. So wie der schon weiter oben angesprochene, im Vergleich zu einer Tour-de-France-Etappe fast 14-mal so punkteträchtige GP Ouest France. Da stäuben sich einem die Haare.
Zum Schluss noch ein Satz zum Thema Dopingbekämpfung: Wenn die UCI im Ernst glaubt, nur durch ein (in Härtefällen über-) hartes Strafmaß dieses Problem aus der Welt zu schaffen, dann ist der Radsport in dem Punkt kaum einen Schritt weiter.

 

Wo bekomme ich noch mehr Infos zur ProTour?

Die offizielle ProTour-Webseite der UCI lautet www.uciprotour.com. Hier wird man mit den Sonnenseiten der Radsport-Reform konfrontiert. Die Veröffentlichung von genauen Regularien wird aber vorsichtshalber auf 2005 verschoben. Wenn man den Unterpunkt «News» anklickt, kann man noch einmal alle Pressemitteilungen über die Entstehung der ProTour durchsehen.
Besser bedient wird man in dieser Angelegenheit aber zweifelsfrei bei cycling4all auf der Seite www.cycling4all.com/index.php?content=r04ucin2.php. Hier kann man den gesamten Leidensweg bis zum ProTour-Start Revue passieren lassen. Das Ganze ist teilweise mit bissigen Kommentaren angereichert. - Wie die UCI-Seite in englischer Sprache.

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