Doping-Skandal «Operacion Puerto» - Teil III

Operacion Puerto - Übersicht - Liste der betroffenen Fahrer

Nach dem Rücktritt Jan Ullrichs und dem halbgaren Geständis von Ivan Basso waren die zwei «dicken Fische» erledigt. Für spanische Fahrer, die in die Puerto-Affäre verwickelt waren, war es hingegen immer noch einigermaßen problemlos, genügend Renneinsätze zu finden. Beim Deutschen Jörg Jaksche stellte sich die Situation im Laufe der Saison 2007 schwieriger dar. Beim Tinkoff-Team kam er nur sporadisch zum Einsatz. Schließlich entschied sich Jaksche just eine Woche vor der Tour de France 2007, sein Wissen über verschiedenste Doping-Machenschaften medienwirksam im Spiegel auszubreiten. Das Nachrichtenmagazin bezahlte Jaksche ein sattes Honorar. Jaksche gab dafür anders als andere Geständige vor ihm nicht nur eigene (verjährte) Verfehlungen zu, sondern nannte auch Namen.

Im Gegensatz zum spanischen Ex-Profi Manzano erreichen Jaksches Aussagen eine neue Qualität. Durch Manzanos Kooperation mit der spanischen Polizei kam die Operacion Puerto seinerzeit ins Rollen. Aber Manzano fuhr in seiner ganzen Karriere im gleichen Team, nämlich bei Kelme, und war im Peloton eher ein kleines Licht. Im Gegensatz dazu war Jörg Jaksche trotz seiner wenigen Siege ein sehr ambitionierter Fahrer und kam weit herum: Er fuhr erst für Polti, dessen Teamboss Gianluigi Stanga mittlerweile bei Milram die Fäden in der Hand hält. Danach war er beim Team Telekom, das erst kürzlich von einem alten EPO-Skandal heimgesucht wurde. Mit darin verwickelt war Bjarne Riis, inzwischen Teamchef von CSC. Auch beim Team CSC stand Jaksche für ein Jahr unter Vertrag. Die längste Zeit trat er indes für Manolo Saiz bei O.N.C.E. und Liberty Seguros in die Pedale. Saiz wurde im Mai 2006 dabei erwischt, wie er den «Arzt» Eufemiano Fuentes u.a. für Blutbeutel bezahlte. Jaksche stand wenig später auf der Fuentes-Liste der angeblich betroffenen Fahrer.
Jörg Jaksche - Die Karrierestationen des Ansbachers

Die Beichte von «Bella Jorg»

Im Spiegel gab Jörg Jaksche natürlich auch das zu, was eigentlich schon längst bekannt war. Ja, er habe ab 2005 zusammen mit Fuentes Blutdoping betrieben, die ihm zugeordneten Codenamen und -nummern («Bella Jorg», 20) träfen zu. Dann wurde es interessanter: Jaksche beschrieb ein flächendeckendes Doping-System von Beginn seiner Karriere an. Sämtlichen vier Teamchefs kreidete der Ansbacher zumindest Mitwisserschaft an. Sein erster Teamchef Gianluigi Stanga (zu Jaksches Zeit bei Polti, später Milram) habe ihm zum Doping gebracht. Stanga habe herausfinden wollen, was bei Jaksche wirke. Auch Walter Godefroot bei T-Mobile habe alles gewusst. Godefroot sei es nicht darum gegangen, auszuschließen, dass jemand dopt, sondern dass er ungeschickt dopt. Während seiner Zeit bei CSC habe sich Jaksche mit Teamchef Riis über Dopingprodukte ausgetauscht. Und bei seinem langjährigen Teamchef Manolo Saiz erhielten die Fahrer in Sachen Doping nach Jaksches Angaben ein «Rundum-Sorglos-Paket». Er habe dort einfach nur noch seinen Arm hinhalten müssen. «Gut möglich, dass sie mir drei Jahre lang das volle Programm verabreicht haben.»

1999 habe Jaksche in seinem ersten Telekom-Jahr bei der Tour de France aus Angst vor schärferen Kontrollen nicht gedopt, mit dem Ergebis: «Zum Schluss hatte ich Angst, sogar auf einer Eisenbahnbrücke abgehängt zu werden.» Zudem berichtet Jaksche über Deals bei Trainingskontrollen zwischen Teams und dem Weltverbands UCI. Weiterhin fallen nach Jaksches Aussagen Schatten auf den aktuellen Tour-de-France-Favoriten Alexander Winokurow, dessem Manager Tony Rominger und auf Jens Voigt. Jaksches Beichte scheint tatsächlich ein Erdbeben zu sein, und kein kalter Kaffee, wie ihn Basso & Co. bislang servierten. Eines änderte sich aber nicht: Die von Jaksche genannten Personen dementierten umgehend.

www-tipps zum Jaksche-Geständnis:
Das komplette Interview im Spiegel
Video mit Auszügen des Interviews (Spiegel-TV)
Jaksches Dopingbekenntnis auf spiegel.de
«Jaksche belastet Godefroot und Stanga» auf Radsport Aktiv
Jaksche über das fest installierte System auf tour.ard.de
Auszüge des Doping-Geständnisses auf sport.ard.de
«Sicherheit für den Kronzeugen» auf sueddeutsche.de

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