Doping-Skandal «Operacion Puerto» - Teil II

Operacion Puerto - Übersicht - Liste der betroffenen Fahrer

Erst der große Knall im Frühsommer 2006 - dann aber drohte der Doping-Skandal «Operacion Puerto» im Sande zu verlaufen: Teil I der Doping Saga war Ende 2006 beendet, als sämtliche sportrechtliche Verfahren gegen die mutmaßlichen Fuentes-Doper vorerst eingstellt wurden.

Der 10. März 2007 läutete Teil II der Doping-Saga um den spanischen Frauenarzt Fuentes (und ein ganzes Rudel Rennrad-Profis) ein: An diesem Tag wurde das strafrechtliche Verfahren in Spanien gegen Fuentes und Co. aus Mangel an Beweisen eingestellt. Oder mit anderen Worten: Das bisherige spanische Gesetz gab für eine Verurteilung noch zu wenig her. Mit dem Belastungsmaterial konnten nun aber sportrechtliche Schritte sehr wohl wieder eingeleitet werden, weil die Ermittlungsakten jetzt nicht mehr unter Verschluss gehalten werden mussten. Gegen die Sportler war im strafrechtlichen Verfahren sowieso nicht ermittelt worden.

Die weitere Aufklärung konnte also pünktlich zum Saisonauftakt beginnen und würde sich noch quälend durch den Rest der Saison ziehen, vermutlich mit den wichtigsten neuen Erkenntnissen kurz vor dem Tour-de-France-Start...

Die zwei ersten großen Schritte zur Aufklärung des Dopingskandals gingen einher mit den beiden «dicksten Fischen» des Fuentes-Rings: Jan Ullrich und Ivan Basso.

 

Ullrich - Peinlicher Rücktritt und positiver Abgleich

Am 26. März 2007 auf Radsport-Seite.de: Der bisher einzige deutsche Tour-de-France-Sieger steigt nicht mehr aufs Rad. Jan Ullrich gab bei einer Presseerklärung in Hamburg das Ende seiner aktiven Karriere bekannt. Künftig wird der 33-jährige Deutsche als Berater für eine Textil- und eine Reifenfirma sowie für das österreichische Team Volksbank tätig sein. In einem Rundumschlag rechnete Jan Ullrich unter anderem mit Rudolf Scharping («Abstieg vom Verteidungsminister zum Radsport-Präsidenten»), Molekular-Biologe Franke («zerstreuter Professor») und dem Weltverband UCI ab. Die UCI habe laut Ullrich die Verantwortung und die Drecksarbeit an die Landesverbände abgeschoben. Ullrich nannte die UCI sarkastisch einen «Superverein».
Eines hatte Jan Ullrichs Presseerklärung mit dem Vorgehen der UCI allerdings gemeinsam: Zum spanischen Dopingskandal «Operacion Puerto» gab's nicht Neues. An einer Aufklärung ist Ullrich wohl nicht interessiert. Insofern blieben jede Menge Fragen offen. Zum Beispiel, warum fast alle anderen Fahrer, die mit diesem Blutdopingskandal in Verbindung gebracht werden, freigesprochen wurden und wieder Rennen bestreiten dürfen, und Jan Ullrich nicht. Mittlwerweile scheint es fast egal zu sein, ob die Anschuldigungen gegen Jan Ullrich oder die anderen Fahrer stimmen oder nicht - Hauptsache, man hat ein Königsopfer gefunden und alles wurschtelt so weiter wie bisher. Prosit Ivan Basso!
Jan Ullrich - Toursieger, Olympiasieger, Weltmeister, und vieles mehr
Tour de France 1997 - Das war Ullrichs größter Triumph
Team Volksbank - Der 2007er-Kader des Zweitligateams aus Österreich

Am 3. April 2007 auf Radsport-Seite.de: Die Fuentes-Blutbeutel mit den Aufschriften «Jan», «Nummer 1» und «Hijo di Rudicio» stammen tatsächlich von Jan Ullrich! Dies ergab ein DNA-Abgleich, der nun im Rahmen von Ermitllungen der Bonner Staatsanwaltschaft durchgeführt wurde. Ullrich hatte den Kontakt zum Doping-Arzt Fuentes seit Sommer letzten Jahres bestritten, sich aber trotzdem bis zuletzt gegen einen DNA-Abgleich gewehrt. Ende Februar beendete Ullrich mit einer peinlichen Rücktritts-Inszenierung (u.a. in der TV-Sendung Beckmann) seine aktive Laufbahn. Der positive DNA-Abgleich deutet nun darauf hin, dass die spanischen Ermittler in der sogenannten Operacion Puerto die Namencodes auf den Blutbeuteln den richtigen Fahrern zugeordnet haben. Leute wie Ivan Basso (Discovery Channel) kamen bisher trotzdem ungeschoren davon.

 

Basso - Das Minimal-Geständnis

Wenig später zog sich auch die Schlinge um Ivan Basso immer enger. Ende April 2007, zufällig kurz vor der angepeilten Titelverteidigung beim Giro d'Italia, tauchten neue Indizien gegen den Italiener auf und das Nationale Olympische Komitee (NOK) Italiens eröffnete das Vefahren gegen Basso neu. Der Rennstall Discovery Channel, der für Bassos Verpflichtung scharf kritisiert wurde, strich Basso daraufhin aus dem Kader für die Ardennen-Klassiker. Wenige Tage später löste Basso - angeblich auf eigenen Wunsch hin - seinen Vertrag mit dem Team Discovery Channel auf.

Am 7. Mai war es dann so weit - fast ein Jahr hat es gedauert! Als erster Verdächtiger der «Operacion Puerto» räumte Ivan Basso ein, Kunde des Dopingnetzwerks von Eufemiano Fuentes gewesen zu sein. Weiterhin kündigte Basso eine maximale Kooperation mit dem Nationalen Olympischen Komitee Italiens an, um zur Aufklärung beizutragen. Basso wurde für diesen Fall Strafmilderung in Aussicht gestellt, wohlgemerkt im strafrechtlichen Verfahren, nicht bei der Dopingsperre. In Italien droht bei Sportbetrug im schlimmsten Fall eine Haftstrafe! Basso hatte bis zu diesem Zeitpunkt wie Ullrich und alle anderen Verdächtigen jegliches Doping abgestritten. Das Rennen mit dem Titel «Wer überwindet zuerst die Lüge?» hat Basso also gegen Ullrich gewonnen - dachte man! Denn schnell hörte man von Ivan Basso doch wieder das bekannte Gesülze:

Einen Tag später verkümmerte auf einer Pressekonferenz in Mailand Bassos Fuentes-Geständnis zum alten Lied. Der 29-jährige Italiener gab an, nie Dopingmittel benutzt zu haben und nie Blutdoping angewandt zu haben. Einzig für die Tour de France 2006, in deren Vorfeld Basso ausgeschlossen wurde, sei das Fuentes-Blutdoping bestimmt gewesen. Er habe sich also nur dem Versuch des Blutdopings schuldig gemacht. Ach ja? In den spanischen Ermittlungsakten soll Basso nach Zeitungsberichten schon seit 2004 Großkunde von Fuentes sein. Überwies Basso vor 2006 also aus Spaß große Geldbeträge an Fuentes? Auch unglaubwürdig: Basso gewann 2006 den Giro d'Italia mit dem größten Vorsprung seit 1965, fuhr so gut wie noch nie zuvor in seiner Karriere. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt soll ihm dann die Idee gekommen sein, für die Tour de France 2006 erstmals in seiner Karriere zu dopen? Es wird weiter gelogen, dass sich die Balken nur so biegen! Das ist also Bassos Auffassung von maximaler Kooperation...
Ivan Basso - Das sind die Siege des Italieners, allesamt sauber, sagt er selbst...

Unmittelbar nach Ivan Basso zog Michele Scarponi (Acqua & Sapone, davor Liberty Seguros) nach: Auch er räumte eine Verbindung zu Fuentes ein. Scarponi verbuchte 2007 schon mehrere vordere Resultate und sagte seine Giro-d'Italia-Teilnahme «aus Rücksicht auf das Team» ab. Rührend. Am 16. Juni 2007 wurde Ivan Basso schließlich für zwei Jahre gesperrt. Der Italiener erhielt damit die Maximal-Strafe und akzeptierte diese sogleich, weil «ich einen Fehler begangen habe». Die ohnehin zweifelhafte Geschichte, er habe Doping nur geplant und nicht durchgeführt, wirkte sich also nicht mildernd auf das Strafmaß aus, ebenso wenig sein Geständnis.

Als nächster versuchte sich Jörg Jaksche mit einem Geständnis (Teil III der Doping-Saga).

Über den detaillierrten Verlauf der Affäre informiere Dich bitte unter den www-tipps...

www-tipps:

Auf cycling4all.com gibt es einen chronologischen Ablauf der gesamten Doping-Affäre. Auf englisch.
Auf cyclingnews.com sind alle Meldungen zum Skandal auf einer Seite zusammengestellt. Ebenfalls englisch.
Operación Puerto auf cycling4fans Auflistung der wichtigsten Informationen auf deutsch.

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