Doping-Skandal 2006 - «Operacion Puerto» - Teil I

Operacion Puerto - Übersicht - Liste der betroffenen Fahrer

Im Mai 2006 brachten spanische Ermittler mit der Festnahme des Liberty-Seguros-Teamboss Manolo Saiz den möglicherweise größten Doping-Skandal aller Zeiten ins Rollen. Saiz wurde dabei erwischt, wie er anscheinend Dopingmittel beim "Arzt" Eufemiano Fuentes kaufen wollte. In Fuentes' Praxis wurden zahlreiche Blutbeutel sichergestellt.

Kurz vor der Tour de France 2007 tauchte in mehreren spanischen Zeitungen eine Liste mit ca. 50 Fahrernamen auf, darunter die Tour-Favoriten Ullrich, Basso und Mancebo. Dies führte zum Tour-de-France-Ausschluss von zwei Teams und weiteren Fahrern anderer Teams. Die verdächtigten Personen reagierten wie gewohnt mit Sprüchen à la «Fuentes kenne ich nicht» oder «Habe niemals gedopt». Die in den Zeitungen veröffentlichte Liste sah zumeist folgendermaßen aus:

Vorläufige Liste der 50 betroffenen Fahrer (nach u.a. El Pais):

Astana-Würth (vormals Liberty Seguros):
Michele Scarponi (ITA),
Marcos Serrano (ESP),
David Etxebarria (ESP),
Joseba Beloki (ESP),
Angel Vicioso (ESP),
Isidro Nozal (ESP),
Unai Osa (ESP),
Jörg Jaksche (GER),
Giampaolo Caruso (ITA),
Dariusz Baranowski (POL),
Alberto Contador (ESP), war dann aber schnell rehabilitiert!
Allan Davis (AUS),
Sergio Paulinho (POR), war dann aber schnell rehabilitiert!
Luis Leon Sanchez (ESP), war dann aber schnell rehabilitiert!
Aitor Osa (ESP)
CSC:
Ivan Basso (ITA)
Caisse d'Epargne-Illes Baleares:
Constantino Zaballa (ESP)
Saunier Duval:
Carlos Zarate (ESP)
ag2r:
Francisco Mancebo (ESP)
T-Mobile:
Jan Ullrich (GER),
Oscar Sevilla (ESP)
Phonak:
José Enrique Gutierrez (ESP),
José Ignacio Gutierrez (ESP),
Santiago Botero (COL)
Communidad Valenciana:
Vicente Ballester (ESP), war dann aber schnell rehabilitiert!
David Bernabeu (ESP),
David Blanco (ESP),
José Adrian Bonilla (ESP),
Juan Gomis Lopez (ESP),
Eladio Jimenez Sanchez (ESP),
David Latasa (ESP),
Ruben Plaza (ESP),
José Luis Martinez (ESP),
Manuel Lloret (ESP),
Antonio Olmo (ESP),
David Muñoz (ESP),
Javier Cherro (ESP),
Javier Pascual Rodriguez (ESP)
Unibet.com:
Carlos Garcia Quesada (ESP)
Relax-GAM:
Jesus Hernandez (ESP)
PSK:
René Andrle (CZE)
LA-Pecol:
Nuno Ribeiro (POR)
3 Molinos Resort:
Jan Hruska (CZE)
Andalucia-Paul Versan:
Francisco Cabello (ESP)
Außerdem:
Roberto Heras (ESP/Dopingsperre),
Angel Casero (ESP/Karriereende),
Santiago Perez (ESP/Dopingsperre),
Tyler Hamilton (USA/Dopingsperre),
Igor Gonzalez Galdeano (ESP/Karriereende),
Javier Pascual Llorente (ESP/Karriereende)
ANMERKUNGEN: Die Liste stand unter großem Vorbehalt. In einem Radio-Interview sagte z.B. der «Arzt» Dr. Fuentes, der offenkundig die Hauptfigur des Skandals ist, dass diese Liste weder vollständig noch korrekt sei. Ferner äußerte Fuentes, dass auch Fußballer, Leichtathlethen und Tennisspieler zu seinen Klienten zählten. Vor diesem Hintergrund war es merkwürdig, dass in Fernsehübertragungen zur Fußball-WM und dem Tennis-Turnier in Wimbledon das Thema Doping anscheinend nicht existierte.
Da ursprünglich von 58 Fahrern die Rede war, ist die Liste vielleicht nicht vollständig oder auch fehlerhaft, und in jedem Fall inoffiziell. Die Liste umfasst die Fahrer, die in den Fuentes-Doping-Ring verwickelt sein sollen. Sämtliche Fahrer von der Liste wurden von der Tour-de-France-Startliste gestrichen; 9 Fahrer waren davon betroffen. Die Liste wird an anderer Stelle nach neuen Vorfällen aktualisiert.


Radsport-Seite.de kommentierte den Beginn des Fuentes-Skandals folgendermaßen:

Kommentar von Radsport-Seite.de am 30. Juni 2006:
Alles redet und schreibt von einem «schwarzen Tag» für den Radsport. In der Tat dürfte der Stachel bei so gut wie allen Radsportfans tief sitzen. Aber mal ehrlich - ist es nicht eher ein Feiertag, wenn Betrüger entlarvt und aus dem Verkehr gezogen werden? Die Tour wird hoffentlich trotz des Skandals starten; und es wäre schade, wenn in Deutschland die Begeisterung für den Radsport aufhört, nur weil ein Lügner vom Start abgehalten wird. Auch wenn es vielleicht schwer fällt und man die Hand für keinen ins Feuer legen kann: Die Daumen drücken für Zabel, Klöden, Wegmann, Sinkewitz, Fothen, Voigt und Co. kann man immer noch! Die Anti-Doping-Kämpfer haben zweifelsfrei immer noch einen Rückstand auf die Doping-Lobby; aber sie holen auf, und das hoffentlich immer mehr. (Kommentar Ende)

So weit, so gut. Wenige Monate später drohte die Affäre jedoch im Sand zu verlaufen:

Kommentar von Radsport-Seite.de am 13. Oktober 2006:
Zwischenstand der Doping-Affäre rund vier Monate nach dem Bekanntwerden
Ivan Basso und Jan Ullrich waren die zwei dicksten Fische, die den Doping-Fahndern bei der Operacion Puerto ins Netz gingen. Die Doping-Affäre um den spanischen Arzt Fuentes stinkt zwar immer noch bis zum Himmel, doch die meisten Beteiligten drohen nun ungeschoren davonzukommen. Knapp vier Monate nach der Veröffentlichung des Skandals stellte das italienische Olympische Komitee das Verfahren gegen Ivan Basso ein - aus Mangel an Beweisen. Auch dem kolumbianischen Verband reichen die Anschuldigungen gegen Santiago Botero nicht aus. Im Verfahren des Schweizer Verbands gegen Jan Ullrich herrscht praktisch Stillstand. Und der zuständige Richter in Spanien gab bekannt, dass er bis voraussichtlich Mitte 2007 keine Unterlagen mehr herausrücken wolle. Rechtsstaatlich wird in Spanien sowieso nur gegen die Hintermänner vorgegangen. Leider könnte das bedeuten, dass die Schuldigen sportrechtlich keine Konsequenzen befürchten müssen.
Es bleibt die Frage, warum die betroffenen Fahrer überhaupt suspendiert und von der Tour de France ausgeschlossen wurden? Anscheinend hatten die Teamchefs, der Weltverband UCI und die Tour-de-France-Verantwortlichen andere Dokumente vorliegen als die nationalen Verbände, die für die Eröffnung der Dopingverfahren zuständig sind? Was T-Mobile zum Rausschmiss von Ullrich und Sevilla reichte, was die ProTour-Bosse zum Tour-de-France-Auschluss für Basso und Co. bewog, soll jetzt nicht einmal mehr für eine Anklage vor einem Sportgericht genügen? Das jetzige System scheint der Problematik nicht gewachsen zu sein.
Das freut die Betroffenen, die eine Verzögerungstaktik fahren, bis Gras über die Sache gewachsen ist: Basso und Ullrich verkündeten gleich nach Bekanntwerden der Affäre, dass sie alles täten, um ihre Unschuld zu beweisen. Alles? Eine DNA-Probe, die mit den Blutbeuteln aus Madrid verglichen werden könnte, lehnen sowohl Basso als auch Ullrich vehement ab. Glaubwürdigkeit sieht anders aus. Francisco Mancebo hatte wenigstens den Anstand, sofort nach der Veröffentlichung des Skandals seine Karriere zu beenden. (Nachtrag: Im Jahr 2007 fuhr Mancebo dann doch wieder Rennen. Was tut man nicht alles für ein festes Gehalt...)
Rein theoretisch hätte Ivan Basso beim letzten Saisonrennen, der Lombardei-Rundfahrt, für sein Team CSC antreten können. Doch CSC-Manager Bjarne Riis verzichtete sicherheitshalber auf eine Nominierung Bassos. Offiziell führte Riis sportliche Gründe an. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass Riis Zeit gewinnen wollte. Zeit, die der Weltverband UCI und der ProTour-Rat der 20 ProTour-Rennställe nicht weiter vertrödeln sollten. Erst sind die Indizien stichhaltig genug, dann wieder nicht etc. - dieses Wirrwarr ist irgendwann nicht mehr vermittelbar, und kann die Doping-Mafia am Ende sogar noch stärken! (Kommentar Ende)

Ende des ersten Teils der Fuentes-Affäre

Der Weltverband UCI empfahl Ende November 2006 den nationalen Verbänden, die Verfahren gegen die betroffenen Fahrer einzustellen. Das hatten die meisten Verbände sowieso schon vorher getan. Die UCI reagierte damit auf eine Ansage des zuständigen spanischen Richters. Dieser wollte bis zum Prozess gegen Eufemiano Fuentes und die weiteren Hintermännner kein Beweismaterial mehr rausrücken. Das bedeutete: Die betroffenen Fahrer konnten wieder Rennen fahren, sofern sie denn ein Team fanden (was bei fast allen der Fall war) und einflussreiche Rennorganisatoren sie nicht ausluden (was bisher nur von einigen angedroht wurde). Teil I dieser Doping-Saga war damit abgeschlossen.

Am 10. März 2007 wurde das strafrechtliche Verfahren in Spanien gegen Fuentes und Co. aus Mangel an Beweisen eingestellt. Oder mit anderen Worten: Das bisherige spanische Gesetz gab für eine Verurteilung noch zu wenig her. Mit dem Belastungsmaterial konnten nun aber sportrechtliche Schritte sehr wohl wieder eingeleitet werden, weil die Ermittlungsakten jetzt nicht mehr unter Verschluss gehalten werden mussten. Gegen die Sportler war im strafrechtlichen Verfahren sowieso nicht ermittelt worden. Teil II der Doping-Saga konnte beginnen...

Über den detaillierten Verlauf der Affäre informiere Dich bitte unter den www-tipps...

www-tipps:

Auf cycling4all.com gibt es einen chronologischen Ablauf der gesamten Doping-Affäre. Auf englisch.
Auf cyclingnews.com sind alle Meldungen zum Skandal auf einer Seite zusammengestellt. Ebenfalls englisch.
Operación Puerto auf cycling4fans Auflistung der wichtigsten Informationen auf deutsch.

nach oben

Radsport-Seite.de, Homepage / Doping-Übersicht / Doping-Skandal - Operacion Puerto / Operacion Puerto - Teil I