Giro d'Italia 2016 - 14. Etappe

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13. Etappe Sa 21. Mai: 14. Etappe 15. Etappe

Zielankunft in Corvara: ca. 17:16 Uhr

Chaves und Kruijswijk schlagen Nibali in Dolomiten

Die Königsetappe des Giro d'Italia 2016 stand im Zeichen der Klassementfahrer Esteban Chaves (Orica) und Steven Kruijswijk (LottoNL) und der frühen Ausreißer Darwin Atapuma (BMC) und Georg Preidler (Giant). Am Ende trug Chaves den Tagessieg im Sprint vor Kruijswijk und Preidler davon.

Die großen Rundfahrt-Favoriten Vincenzo Nibali (Astana) und Alejandro Valverde (Movistar) ließen auf der 6-Pässe-Fahrt durch die Dolomiten überraschend Federn. Nibali begrenzte seinen Rückstand im Zielort Corvara gegen Kruijswijk und Chaves auf 37 Sekunden. Für Valverde hingegen geriet der Gesamtsieg mit über 3 Minuten Rückstand außer Reichweite, ebenso für dessen Teamkollegen Amador, der das Rosa Trikot des Gesamtführenden an Kruijswijk weiterreichen musste.

Atapuma und Preidler die tragischen Helden

Eine geniale 14. Etappe verwöhnte die Zuschauer mit landschaftlich traumhaften Bildern und einem sportlich aufregenden Geschehen. Die tragischen Helden des Tages waren Darwin Atapuma und Georg Preidler. Beide stammten aus der riesigen frühen Fluchtgruppe. Der Kolumbianer Atapuma wurde nach einem 23 Kilometer langen Solo erst 2 Kilometer vor dem Ziel gestellt von Kruijswijk und Chaves, an die sich Georg Preidler angehängt hatte. Der Österreicher holte auf dem Schlusskilometer zu einem persönlich riesigen Triumph aus, wurde aber auf den letzten Metern von Chaves und Kruijswijk übersprintet.

Im letzten der 6 Anstiege hoch zu Valparolapass hatte Nibali innerhalb der letzten 30 Kilometer attackiert und damit Valverde eliminiert. Nibali erhielt jedoch wenig später Antwort durch eine Attacke von Kruijswijk, zu dem nur Chaves die Lücke schließen konnte. Das Duo jagte auf der Abfahrt mit Preidler und Siwtsow (Dimension Data) im Schlepptau dem Spitzenreiter Atapuma hinterher, während Nibali mit einer halben Minute Rückstand allein unterwegs war. Noch vor der Gruppe um Valverde erreichten Sakarin (Katusha), Majka (Tinkoff) und Uran (Cannondale) das Ziel.

Ergebnis
1. Esteban Chaves (COL) - Orica-Greenedge 6:09:16
2. Steven Kruijswijk (NED) - LottoNL-Jumbo gl.Zeit
3. Georg Preidler (AUT) - Giant-Alpecin gl.Zeit
4. Darwin Atapuma (COL) - BMC +0:06
5. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana +0:37
6. Konstantin Siwtsow (BLR) - Dimension Data gl.Zeit
7. Ilnur Sakarin (RUS) - Katusha +2:29
8. Rafal Majka (POL) - Tinkoff gl.Zeit
9. Rigoberto Uran (COL) - Cannondale +2:50
10. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale +3:00
11. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar alle
12. Jakob Fuglsang (DEN) - Astana gleiche
13. Michele Scarponi (ITA) - Astana Zeit
14. Andrey Amador (CRC) - Movistar +3:52
15. Sebastian Henao (COL) - Sky alle
16. Mikel Nieve (ESP) - Sky gleiche
17. Hubert Dupont (FRA) - AG2R La Mondiale Zeit
18. Maxime Monfort (BEL) - Lotto-Soudal +5:12
19. Stefano Pirazzi (ITA) - Bardiani-CSF +6:21
20. Giulio Ciccone (ITA) - Bardiani-CSF alle
21. Bob Jungels (LUX) - Etixx-Quick Step gleiche
22. André Cardoso (POR) - Cannondale Zeit
...
28. Damiano Cunego (ITA) - Nippo-Vini Fantini +11:52
30. Giovanni Visconti (ITA) - Movistar +11:52
34. Matteo Montaguti (ITA) - AG2R La Mondiale +12:56
36. Stefan Denifl (AUT) - IAM +12:56
38. Ruben Plaza (ESP) - Orica-Greenedge +12:56
59. Davide Formolo (ITA) - Cannondale +27:38
63. Diego Ulissi (ITA) - Lampre-Merida +31:20
67. Gianluca Brambilla (ITA) - Etixx-Quick Step +31:20
- 167 Fahrer klassiert.
DNF Arnaud Démare (FRA) - FDJ
DNF Matthias Brändle (AUT) - IAM
DNF Przemyslaw Niemiec (POL) - Lampre-Merida
DNF Giacomo Berlato (ITA) - Nippo-Vini Fantini
DNF Bert de Backer (BEL) - Giant-Alpecin
DNF Ryder Hesjedal (CAN) - Trek-Segafredo
DNF Liam Bertazzo (ITA) - Wilier-Southeast

Kruijswijk als Mann der Stunde

Steven Kruijswijk übernahm das Rosa Trikot des Gesamtführenden mit 41 Sekunden Vorsprung vor Nibali. Auf den 3. Platz verbesserte sich Chaves mit 92 Sekunden Rückstand aufs Rosa Trikot. Kruijswijk hatte beim Giro 2015 im Endklassement den 7. Platz belegt, obwohl er damals in der ersten Woche schon viel Zeit verloren hatte. Im Dreikampf um den Gesamtsieg sprechen für Nibali eigentlich nur dessen größere Erfahrung und das klar bessere Team. Individuell haben jedoch Kruijswijk und Chaves das Moment auf ihrer Seite.

Valverde und Amador fielen auf den 4. und 5. Platz zurück, konnten sich mit ihren gut 3 Minuten Rückstand aufs Rosa Trikot knapp vor Majka und Sakarin halten. Konstantin Siwtsow machte einen Sprung vom 16. auf den 9. Platz. Bob Jungels (Etixx), vor der 14. Etappe noch auf dem 2. Platz, verabschiedete sich aus den Top-Ten, behielt aber immerhin das weiße Trikot des besten Jungprofis mit über 11 Minuten vor Sebastian Henao (Sky).

Gesamtwertung
1. Steven Kruijswijk (NED) - LottoNL-Jumbo 60:12:43
2. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana +0:41
3. Esteban Chaves (COL) - Orica-Greenedge +1:32
4. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar +3:06
5. Andrey Amador (CRC) - Movistar +3:15
6. Rafal Majka (POL) - Tinkoff +3:29
7. Ilnur Sakarin (RUS) - Katusha +3:53
8. Rigoberto Uran (COL) - Cannondale +5:01
9. Konstantin Siwtsow (BLR) - Dimension Data +5:38
10. Jakob Fuglsang (DEN) - Astana +5:38
11. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale +6:00
12. Bob Jungels (LUX) - Etixx-Quick Step +6:10
13. Stefano Pirazzi (ITA) - Bardiani-CSF +13:30
14. Darwin Atapuma (COL) - BMC +14:03
15. Maxime Monfort (BEL) - Lotto-Soudal +14:29
16. Giovanni Visconti (ITA) - Movistar +15:10
17. Hubert Dupont (FRA) - AG2R La Mondiale +16:33
18. Sebastian Henao (COL) - Sky +17:12
19. Matteo Montaguti (ITA) - AG2R La Mondiale +22:00
20. André Cardoso (POR) - Cannondale +23:44
21. Georg Preidler (AUT) - Giant-Alpecin +28:07
22. Michele Scarponi (ITA) - Astana +28:18

Bevor auf der Dolomiten-Etappe die 6 Pässe unter die Räder genommen wurden, bildete sich eine 37-köpfige (!) Spitzengruppe. Ihr gehörten an: Domont, Houle (beide AG2R), Seiz (Astana), Boem, Bongiorno, Colbrelli (alle Bardiani), Atapuma (BMC), Moser, Brown (beide Cannondale), Siwtsow (Dimension Data), de la Cruz, Trentin (beide Etixx), Firsanow (Gazprom), Denifl (IAM), Ulissi, Conti, Modolo, Mori (alle Lampre), Wellens, Ligthart, Monfort (alle Lotto), Betancur, Herrada (beide Movistar), Cunego, Berlato (beide Nippo), Plaza (Orica), Preidler (Giant), Kotschetkow, Silin, Taaramäe (alle Katusha), Castelijns, Roglic (beide LottoNL), Lopez, Roche (beide Sky), Didier (Trek), Busato, Martinez (beide Wilier).

Als es hinauf zum Pordoipass steiler wurde, zerfiel die Spitzengruppe in ihre Einzelteile. Mit 35 Punkten am Gipfel stockte Damiano Cunego sein Konto in der Bergwertung auf. Der Führende in dieser Sonderwertung wehrte 2 Attacken von Stefan Denifl ab. Auch wenn Cunego an den folgenden 5 Bergpreisen nur noch vereinzelt Punkte abgreifen konnte, baute er seine ohnehin schon deutliche Führung in der Bergwertung spürbar aus.

Bergwertung
1. Damiano Cunego (ITA) - Nippo-Vini Fantini 134 p.
2. Stefan Denifl (AUT) - IAM 72
3. Darwin Atapuma (COL) - BMC 69
4. Giovanni Visconti (ITA) - Movistar 61
5. Mikel Nieve (ESP) - Sky 50
6. David Lopez (ESP) - Sky 39
7. Konsantin Siwtsow (BLR) - Dimension Data 36
8. Giulio Ciccone (ITA) - Bardiani-CSF 27

Am nächsten Anstieg der Sellarunde, dem Sellajoch, setzte sich David Lopez ab und überquerte das Joch 25 Sekunden vor Roche und Atapuma. In der Abfahrt rollten einige der Ausreißer wieder zusammen. Dann aber begann hoch zum Grödner Joch Ruben Plaza ein Solo. Hinter ihm etablierte sich ein Verfolgertrio mit David de la Cruz, David Lopez und Darwin Atapuma.

Am Grödner Joch hatte Plaza 15 Sekunden Vorsprung vor dem Trio. am Campolongopass, dem letzten der 4 Pässe der Sellarunde, waren es schon 50. Der Rückstand des Hauptfeldes, das die Helfer von Amador und Valverde anführten, war inzwischen auf über 9 Minuten angewachsen. Auf dem Weg zum vorletzten Anstieg, dem Passo Giau, wurde das Verfolgertrio von Seiz, Moser, Siwtsow, de la Cruz, Denifl, Monfort, Preidler, Kotschetkow, Silin, Roche und Busato eingeholt. Und auch Cunego gelang noch einmal der Anschluss.

Hoch zum Passo Giau schrumpfte die Verfolgergruppe wieder sukzessive, bis nur noch Atapuma und Siwtsow übrig waren. An der Spitze gingen Plaza die Kräfte aus, so dass ihn Atapuma und Siwtsow 45 Kilometer vor dem Ziel einholten und abhängten. Der alleinige Verfolger des neuen Spitzenduos wurde Preidler.

Im Hauptfeld hatte derweil Nibalis Team die Führungsarbeit übernommen und die Schlagzahl erhöht. Zu den vielen zurückfallenden Fahrern gehörte Jungels, aber auch Nibalis vermeintlich stärkster Teamkollege Fuglsang. So musste Nibali an diesem Tag auf den Haudegen Scarponi sowie den aus der Spitzengruppe stammenden Seiz bauen.

Auf der Passhöhe lagen Atapuma und Siwtsow knapp vor Preidler, der in der Abfahrt den Anschluss herstellte. Der Rückstand der Top-Gruppe betrug 4 Minuten. Am Passo Giau noch dabei waren Nibali, Scarponi, Valverde, Kruijswijk, Chaves, Majka, Uran, Sakarin, Pozzovivo (AG2R), Dombrowski (Cannondale) und Nieve (Sky). Erst eine Minute später trug Amador das Rosa Trikot über den Gipfel, kehrte in der Abfahrt aber noch einmal wie ein Raubvogel im Sturzflug zurück zur Top-Gruppe.

Nibalis Attacke versenkt «nur» Valverde und Amador

Der Showdown erfolgte im Anstieg zum Falzaregopass, von dem es noch weiter hinauf zum Valparolapass ging. Hier versuchte Nibali die Vorarbeit seines Teams mit einer Attacke zu vollenden, was jedoch wie schon bei einigen Etappen zuvor nicht in letzter Konsequenz funktionierte. Denn Kruijswijk war sofort am Rad, dazu Chaves. Außerdem kamen Majka, Uran und Sakarin als Nächste hin. Wohl aber waren Valverde und Amador durch diese Attacke endgültig abgehängt. Im Spitzentrio ließ derweil Atapuma seine beiden Weggefährten stehen.

Es folgte eine Attacke von Chaves, die Sakarin in Probleme brachte. Der entscheidende Treffer gelang danach Kruijswijk, der gemeinsam mit Chaves bis zum Valparolapass eine halbe Minute auf Nibali herausfuhr. Valverde war in einer Gruppe unterwegs, in der ihn nur Amador und Pozzovivo sporadisch ablösten. Dazwischen unterwegs waren Majka, Sakarin und Uran. Atapuma hatte oben einen Vorteil von 36 Sekunden auf Siwtsow und Preidler sowie Kruijswijk und Chaves, die exakt an der Passhöhe zusammenschlossen.

In der Abfahrt blieben die Abstände in etwa konstant. Vor Corvara war noch ein gemeiner kurzer Anstieg eingebaut, an dem Siwtsow aus der Verfolgergruppe zurückfiel und im weiteren Verlauf von Nibali eingesammelt wurde. Amador platzte an diesem Anstieg aus der Valverde-Gruppe ab und verlor am Ende noch eine Minute mehr als sein Kapitän.

Erst 2 Kilometer vor dem Ziel nahm Atapumas Solo ein tragisches Ende. Jetzt witterte Georg Preidler die einmalige Chance, die Köngisetappe des Giro 2016 zu gewinnen. Denn der Österreicher hatte sich seit der Einholung am Valparolapass im Windschatten von Kruijswijk und Chaves aufgehalten. Auf dem Schlusskilometer setzte sich Preidler (zu) früh in Szene und erwirkte auch eine kleine Lücke. Nach 210 schwierigen Kilometern krochen alle auf dem Zahnfleisch, und nach der letzten Kurve wurden die Meter immer länger. Preidler musste die beiden Männer der Stunde noch passieren lassen und schlug die Hand aus Enttäuschung auf den Lenker.


Vorschau auf diese Etappe: Endlich mal wieder eine klassische Dolomitenetappe! Die 14. Etappe des Giro d'Italia 2016 führt über Pordoipass, Sellajoch, Grödner Joch und Campolongopass - also die Sella-Runde - sowie schließlich über Passo Giau und Valparolapass. Der Ziellinie liegt in Corvara nach 210 Rennkilometern im Tal. Dennoch kann man diese 14. Etappe als Königsetappe bezeichnen, auch wenn vom Valparolapass (oberhalb des Falzaregopasses gelegen) noch 19,4 Kilometer bis nach Corvara zurückzulegen sind. Die vielen Anstiege bei gleichzeitig fehlender Bergankunft machen diesen Tag unberechenbar. Vieles hängt von der Stärke der Teamhelfer ab, und was für Gruppenkonstellationen sich an den Passhöhen ergeben. Neben der individuellen Stärke bergauf spielen also auch Taktik, Abfahrtsfähigkeiten und Glück eine gehörige Rolle. Bei Schwäche droht ein heftiger Schaden in Bezug auf die Gesamtwertung.

13. Etappe Sa 21. Mai: 14. Etappe 15. Etappe

Giro d'Italia 2016

Giro d'Italia 2016
14. Etappe (210,0km)
von Alpago
nach Corvara

-km125 13:21 Arabba
-km116 13:45 Passo Pordoi
-km104 14:11 Sellajoch
-km93 14:33 Grödner Joch
-km84 14:45 Corvara
-km78 15:00 Passo Campolongo
-km42 16:07 Passo Giau
-km20 16:50 Passo Valparola

Etappensieg:
Esteban Chaves (COL)

Rosa Trikot:
Steven Kruijswijk (NED)

Punktewertung (rot):
Giacomo Nizzolo (ITA)

Bergwertung (blau):
Damiano Cunego (ITA)

Jungprofiwertung (weiß):
Bob Jungels (LUX)

Teamwertung:
Astana

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