Giro d'Italia 2014 - 16. Etappe

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15. Etappe Di 27. Mai: 16. Etappe 17. Etappe

Zielankunft im Martelltal: ca. 17:13 Uhr

Quintana dreht Giro ab winterlicher Stilfser Abfahrt
Auf einer denkwürdigen Alpenetappe drehte Nairo Quintana (Movistar) den Giro 2014. Im Schneeregen der Abfahrt vom 2758 Meter hohen Stilfser Joch setzte sich der 24-jährige Kolumbianer mit Rolland (Europcar), Hesjedal (Garmin) und Helfern von den weiteren Klassementbesten ab, darunter Rigoberto Uran (Omega) im Rosa Trikot. In der flachen Anfahrt zum Schlussanstieg im Vinschgau hielten Quintana & Co. ihren Vorsprung. Hoch zur Ziellinie im Martelltal bauten sie dann sogar noch aus. Quintana holte den Etappensieg 8 Sekunden Ryder Hesjedal - und das Rosa Trikot.

Aus der Uran-Gruppe löste sich Kelderman (Belkin) erst innerhalb der letzten 5 Kilometer des Schlussanstiegs für den 4. Platz 3:32 Minuten hinter Quintana und knapp vor Pozzovivo (AG2R) und Aru (Astana). Über 4 Minuten zurück waren Majka (Tinkoff), Uran und überraschend Sebastian Henao (Sky). Aus den bisherigen Top-8 der Gesamtwertung büßte der Gesamtdritte Evans (BMC) am meisten ein. Er komplettierte die Top-Ten der Tageswertung mit 4:48 Rückstand, also über eine Minute hinter Kelderman, der an diesem Tag den Maßstab bildete - aber nur in dieser Gruppe der Geschlagenen.

Ergebnis
1. Nairo Quintana (COL) - Movistar 4h42:35
2. Ryder Hesjedal (CAN) - Garmin-Sharp +0:08
3. Pierre Rolland (FRA) - Europcar +1:13
4. Wilco Kelderman (NED) - Belkin +3:32
5. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale +3:37
6. Fabio Aru (ITA) - Astana +3:40
7. Rafal Majka (POL) - Tinkoff-Saxo +4:08
8. Sebastian Henao (COL) - Sky +4:11
9. Rigoberto Uran (COL) - Omega-Quick Step gl.Zeit
10. Cadel Evans (AUS) - BMC +4:48
11. Robert Kiserlovski (CRO) - Trek gl.Zeit
12. Jarlinso Pantano (COL) - Colombia +4:58
13. Alexis Vuillermoz (FRA) - AG2R La Mondiale +6:06
14. Alexandre Geniez (FRA) - FDJ.fr +7:02
15. Hubert Dupont (FRA) - AG2R La Mondiale +8:50
16. Winner Anacona (COL) - Lampre-Merida +9:58
17. Dario Cataldo (ITA) - Sky +10:53
18. Andre Cardoso (POR) - Garmin-Sharp +11:10
19. Michael Rogers (AUS) - Tinkoff-Saxo +11:15
20. Maxime Monfort (BEL) - Lotto-Belisol +11:28
...
21. Matteo Rabottini (ITA) - Neri Sottoli +12:19
24. Ivan Basso (ITA) - Cannondale +17:16
26. Franco Pellizotti (ITA) - Androni Giocattoli +19:58
41. Georg Preidler (AUT) - Giant-Shimano +31:35
59. Steve Morabito (SUI) - BMC +34:11
- 160 Fahrer klassiert.
DNF Michele Scarponi (ITA) - Astana
DNF Arnaud Courteille (FRA) - FDJ.fr
DNF Thomas Dekker (NED) - Garmin-Sharp
DNF Daniele Colli (ITA) - Neri Sottoli
DNF Mauro Finetto (ITA) - Neri Sottoli
DNF Alessandro Petacchi (ITA) - Omega-Quick Step
DNF Björn Thurau (GER) - Europcar
DNS Edvald Boasson Hagen (NOR) - Sky

Durch ihre gewagte Aktion fuhren die 3 Männer des Tages einen gesalzenen Vorsprung von 3 Minuten und mehr heraus. Quintana verbesserte sich in der Gesamwertung dadurch von 5 auf 1, Pierre Rolland von 8 auf 4 und Hesjedal von 11 auf 9. Quintana eroberte die Führung mit 1:41 vor Uran und 3:21 vor Evans.

Im Kampf um den 3. Platz liegen nun bis zum 9. Platz 7 Fahrer innerhalb von einer Minute! Dazu hielt Kiserlovski (Trek) seine Top-Tenplatzierung, indem er im Martelltal zeitgleich mit Evans ankam. Er liegt jedoch schon mehrere Minuten hinter Evans, Rolland, Majka, Aru, Pozzovivo, Keldermann und Hesjedal. Rolland und Hesjedal holten auf der 16. Etappe in etwa die Rückstände zurück, die sie sich «dank» ihrer Mannschaften im Teamzeitfahren zum Auftakt einhandelten.

Gesamtwertung
1. Nairo Quintana (COL) - Movistar 68h11:44
2. Rigoberto Uran (COL) - Omega-Quick Step +1:41
3. Cadel Evans (AUS) - BMC +3:21
4. Pierre Rolland (FRA) - Europcar +3:26
5. Rafal Majka (POL) - Tinkoff-Saxo +3:28
6. Fabio Aru (ITA) - Astana +3:34
7. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale +3:49
8. Wilco Kelderman (NED) - Belkin +4:06
9. Ryder Hesjedal (CAN) - Garmin-Sharp +4:16
10. Robert Kiserlovski (CRO) - Trek +8:02
11. Alexis Vuillermoz (FRA) - AG2R La Mondiale +14:20
12. Alexandre Geniez (FRA) - FDJ.fr +17:40
13. Ivan Basso (ITA) - Cannondale +22:28
14. Maxime Monfort (BEL) - Lotto-Belisol +22:35
15. Matteo Rabottini (ITA) - Neri Sottoli +24:14
16. Hubert Dupont (FRA) - AG2R La Mondiale +26:37
17. Franco Pellizotti (ITA) - Androni Giocattoli +28:30
18. Michael Rogers (AUS) - Tinkoff-Saxo +35:00
19. José Herrada (ESP) - Movistar +39:04
20. Andre Cardoso (POR) - Garmin-Sharp +39:04
21. Steve Morabito (SUI) - BMC +40:29
22. Sebastian Henao (COL) - Sky +44:55
23. Wout Poels (NED) - Omega-Quick Step +48:09

Etappe mit den beiden Alpenriesen trotz Sauwetter durchgezogen
Unter miserablen äußeren Bedingungen nahmen die Fahrer die 16. Etappe des Giro 2014 auf. Die Straßen an Gaviapass und Stilfser Joch konnten zwar rechtzeitig vom Schnee befreit werden. Jedoch setzten Schneefall, Regen, Hagel und Kälte den Fahrern bei ihrer Fahrt zu. In den oberen Abschnitten der beiden Alpenriesen bewegten sie sich zwischen übermanngroßen Schneemauern.

Am Gaviapass startete Robinson Chalapud (Colombia) ein Solo und überquerte die Passhöhe zuerst. Julian Arredondo (Trek) und Jarlinson Pantano (Colombia) überfuhren als Duo 49 Sekunden hinter Chalapud den Gaviapass. Das Hauptfeld der Klassementbesten war zu diesem Zeitpunkt schon sehr klein. Auf der Abfahrt wendete sich das Blatt: Pellizotti (Androni) übernahm die Spitze. Evans und Pozzovivo wurden mit Rückstand auf die Gruppe ums Rosa Trikot gemeldet, kehrten aber wieder zurück.

In der Verfolgung von Pellizotti befand sich zunächst ein Duo mit Swift (Sky) und Rosa (Androni). Zu Pellizotti schlossen dann aber Cataldo (Sky) und Vuillermoz (AG2R) auf. Am Fuße des Südanstieges zum Stilfser Joch hatte die Spitze knapp 3 Minuten Vorsprung vor der Gruppe ums Rosa Trikot und wenige Sekunden vor 6 Verfolgern, die bald den Anschluss herstellten: Dupont (AG2R), Rosa (Androni), Chalapud, Pantano, Niemiec (Lampre) und Kiserlovski. Durch eine Attacke aus dem Hauptfeld fuhr Geniez (FDJ.fr) die Lücke zur Spitzengruppe auf.

Das Tempo im Hauptfeld kontrollierte bis dahin schon fast den gesamten Tag Quintanas Team Movistar. Später am Stilfser Joch übernahm Tinkoff für Majka. Der Rückstand zur Spitzengruppe reduzierte sich an dem langen Anstieg dadurch drastisch, ebenso wie erneut die Größe des Hauptfeldes. Als das Favoritenfeld fast wieder an der Spitzengruppe dran war, attackierte aus dieser Dario Cataldo. Aus dem Favoritenfeld griff Rabottini an und holte einige der veblienenen Ausreißer ein. Über die eingeschneite Passhöhe ging Cataldo mit rund 25 Sekunden vor Rabottini und etwa 2 Minuten aufs Feld. Ein paar Fahrer aus der ehemaligen Spitzengruppe befanden sich noch dazwischen.

Keine Neutralisation, stattdessen Quintana, Rolland und Hesjedal entwischt
In der Auffahrt zum Stilfer Joch kam das Gerücht auf über eine Neutralisation der kehrenreichen Ostabfahrt vom Stilfer Joch. Dieses komische Gerücht (wie hätte das funktionieren sollen?) erwies sich jedoch ebenso als falsch wie das über anhaltendes Fieber bei Nairo Quintana. In der kühlnassen Abfahrt riss er bei diffuser Sicht gemeinsam mit seinem Teamkollegen Gorka Izagirre sowie Hesjedal, Rolland und dessen Teamkollegen Romain Sicard ein Lücke zu den vorsichtigen Konkurrenten. Uran sollte dadurch den Girosieg verspielen, und die anderen Fahrer brachten Hesjedal und Rolland wieder ins Geschäft um die Podestplätze.

Das Flachstück zwischen der Stilfser-Joch-Abfahrt und dem Fuße des Schlussanstiegs wurde vor der 16. Etappe als neuralgischer Punkt für Angriffe schon vor dem Finale ausgemacht. Izagirre und Sicard konnten durch ihre Tempoarbeit das Hauptfeld auf Distanz halten, obwohl sich dort neben Omega auch Tinkoff, Belkin und Astana für ihre abgehängten Kapitäne einspannten. Der Quintana-Gruppe gehörte seit der Abfahrt außerdem Rabottini an. Das Sextett fuhr auf ein Verfolgertrio von Cataldo auf, in dem Vuillermoz, Dupont und Pantano unterwegs waren.

20 Kilometer vor dem Ziel betrug der Vorsprung des führenden Solisten Cataldo 85 Sekunden vor der Quintana-Gruppe und 3:05 Minuten vor dem Verfolgerfeld mit Uran, das also mit 100 Sekunden Rückstand auf Quintana in den Schlussanstieg ging. Dort forcierte Quintana bereits 19 Kilometer vor dem Ziel. Izagirre war verbraucht, Sicard schon längst. Nur Rolland stieg Quintana direkt hinterher. Bereits gut 2 Kilometer später kassierten die beiden Cataldo, während sich Hesjedal nach vorne zurückkämpfte.

Rückstand von Uran & Co. wuchs das Martelltal hinauf weiter an
Im Verfolgerfeld kümmerten sich die Helfer ums Tempo, während vorne Quintana die Schlagzahl vorgab. Rogers für Majka und die beiden zurückgefallenen AG2R-Helfer für Pozzovivo waren zwangsläufig langsamer unterwegs als Girofavorit Quintana, so dass sich der Vorsprung des neuen Spitzentrios mit Quintana, Rolland und Hesjedal ständig vergrößerte. 7,5 Kilometer vor dem Ziel wollte Quintana seine beiden letzten Begleiter distanzieren. Beide fanden aber noch einmal Anschluss. Derweil waren die Kapitäne im geschlagenen Verfolgerfeld auf sich gestellt.

Innerhalb der letzten 6 Kilometer beschleunigte Quintana noch 2 weitere Male. Rolland platzte jetzt weg und verlor bis ins Ziel 73 Sekunden. Hesjedal biss sich jedoch an Quintanas Fersen bis kurz vor dem steilen Schlusskilometer. Dort konnte der Girosieger von 2012 nicht mehr ganz mit dem Bergfloh mithalten.

Die immer weiter zurückfallende Verfolgergruppe zerfleischte sich gegenseitig mit Attacken und deren Neutralisation. Zuerst probierte es Majka. Kelderman und Pozzovivo folgten, Uran, Aru und Kiserlovski mit Verzögerung. Bei Evans gingen langsam die Lichter aus. Dann lösten sich kurzeitig Uran und Majka. Kelderman und Kiserlovski waren auf dem Posten. Als nächster probierte es Kelderman mit Majka - Uran und Pozzovivo gingen hinterher. Erst die anschließende Attacke von Kelderman sorgte für klare Verhältnisse: Er löste sich knapp von Pozzovivo und Aru, die nun ebenfalls als Solisten unterwegs waren. Mit etwas mehr Abstand fuhr Majka knapp vor Henao und Uran. Evans hatte sogar Probleme, an Pantano dranzubleiben.

Bergwertung
1. Julian Arredondo (COL) - Trek 95 p.
2. Robinson Chalapud (COL) - Colombia 69
3. Dario Cataldo (ITA) - Sky 62
4. Tim Wellens (BEL) - Lotto 57
5. Nairo Quintana (COL) - Movistar 56
6. Jarlinson Pantano (COL) - Colombia 43
7. Diego Ulissi (ITA) - Lampre-Merida 39
8. Yonathan Monsalve (COL) - Neri Sottoli 39
9. Fabio Aru (ITA) - Astana 37
10. Pierre Rolland (FRA) - Europcar 36


Einschätzung vor der Etappe: Gaviapass, Stiflser Joch und anschließend noch die Bergankunft im Martelltal: Was im Vorjahr dem Schneefall zum Opfer fiel, wird beim Giro 2014 auf der 16. Etappe nachgeholt. Dem letzten Ruhetag folgt sogleich der Kaltstart von Ponte di Legno auf den Gaviapass: von 1298 auf 2618 Meter in 16,8 Kilometern bei durchschnittlich 8 und maximal 16 Prozent Steigung. Nach langer Abfahrt geht es direkt anschließend hinauf zum Stilfser Joch, mit 2758 Metern dem Dach des Giro 2014 (und deswegen Cima Coppi). Von Bormio (1205 Meter) aus werden auf 21,7 Kilometern 1553 Meter gewonnen bei im Schnitt 7,2 und maximal 12 Prozent. Vielleicht noch spektakulärer ist die Abfahrt ins Vinschgau mit ihren 48 Kehren. Nach 2 der höchsten und bekanntesten Alpenpässe ist die Bergankunft im Martelltal zur Enzianhütte beinahe etwas mickrig (von 661 Metern in Goldrain auf 2051 Meter in 22,3 Kilometern, durchschnittlich 6,4 Prozent, maximal 14). Zudem könnte für Angreifer an Gaviapass und Stilfser Joch das Flachstück hinter der Abfahrt vom Stilfser Joch zum Problem werden. Für eine Königsetappe ist indes die Etappenlänge von nur 139 Kilometern wenig majestätisch: Sie schwächt die Härte der Etappe ab, erschwert auf der anderen Seite für die schwächeren Bergfahrer das Erreichen der Karenzzeit. Es wird in jedem Fall riesige Abstände geben, aber auch zwischen den besten Klassementfahrern?
Landkarte, Profile & Zeittabelle auf www.gazzetta.it
Profil des Anstiegs zum Gaviapass aus Ponte di Legno auf www.salite.ch
Profil des Anstiegs zum Stilfser Joch aus Bormio auf www.salite.ch
Profil der Abfahrt vom Stilfser Joch nach Prad auf www.salite.ch
Profil des Anstiegs zum Martelltalschluss auf www.salite.ch

15. Etappe Di 27. Mai: 16. Etappe 17. Etappe

Giro d'Italia 2014

Giro d'Italia 2014
16. Etappe (139km)
von Ponte di Legno
ins Martelltal

-km116 13:34 Gaviapass
-km69 15:12 Stilfser Joch
-km35 15:57 Laas
-km0 17:13 Martelltal

Etappensieger:
Nairo Quintana (COL)

Rosa Trikot:
Nairo Quintana (COL)

Rotes Trikot:
Nacer Bouhanni (FRA)

Blaues Bergtrikot:
Julian Arredondo (COL)

Jungprofi-Wertung:
Nairo Quintana (COL)
- vertreten durch: Majka

Teamwertung:
AG2R La Mondiale

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