Giro d'Italia 2014 - 6. Etappe

Übersicht - Etappenplan - Berge - Teams - Endklassement - Giro-Siegerliste

5. Etappe Do 15. Mai: 6. Etappe 7. Etappe

Zielankunft am Montecassino: ca. 17:11 Uhr

Matthews und Evans triumphieren im Sturzchaos
Michael Matthews (Orica) gewann im Rosa Trikot die 6. Etappe des Giro d'Italia 2014. Durch einen Massensturz kurz vor dem Schlussanstieg stahl sich eine exklusive Gruppe mit nur 8 Fahrern vom Hauptfeld davon. Darin gehörte außer Matthews ein weiterer Australier zu den Nutznießern des Tages. Cadel Evans (BMC) war der einzige hoch gewettete Klassementfahrer in der Frontgruppe, in der Steve Morabito für seinen Kapitän am Montecassino mächtig aufs Gas drückte.

Evans' Konkurrenten um den Gesamtsieg verloren mindestens 49 Sekunden, darunter Quintana (Movistar) und Uran (Omega). Deutlich mehr Zeit ließ Joaquim Rodriguez (Katusha) liegen, ebenso wie Roche (Tinkoff) und Arredondo (Trek).

Den Schlusssprint gewann mit Matthews der auf dem Papier deutlich endschnellste Fahrer der Spitzengruppe problemlos. Als Morabito verbraucht war, schraubte Evans ab der Kilometermarke des Tempo weiter an. Matthews ging erst 50 Meter vor dem Ziel vorbei. Tim Wellens (Lotto) belegte den 2. Platz vor Evans, dahinter Rabottini (Neri Sottoli) den 4. Platz. Santaromita (Orica) konnte das Tempo von Evans nicht mehr mitgehen, kam aber wie Morabito noch vor dem Hauptfeld an. Zuvor mussten Durbridge (Orica) und Oss (BMC) bereits aufgrund des Tempos von Morabito abreißen lassen. 

Ergebnis
1. Michael Matthews (AUS) - Orica-Greenedge 6h37:01
2. Tim Wellens (BEL) - Lott-Belisol alle
3. Cadel Evans (AUS) - BMC gleiche
4. Matteo Rabottini (ITA) - Neri Sottoli Zeit
5. Ivan Santaromita (ITA) - Orica-Greenedge +0:13
6. Steve Morabito (SUI) - BMC +0:23
7. Wilco Kelderman (NED) - Belkin +0:49
8. Mauro Finetto (ITA) - Neri Sottoli
9. Diego Ulissi (ITA) - Lampre-Merida
10. Fabio Duarte (COL) - Colombia
11. Ryder Hesjedal(CAN) - Garmin Sharp
12. Diego Rosa (ITA) - Androni Giocattoli alle
13. Aru Fabio (ITA) - Astana
14. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale
15. Rigoberto Uran (COL) - Omega-Quick Step
16. Daniel Moreno (ESP) - Katusha
17. Michael Rogers (AUS) - Tinkoff-Saxo
18. Pierre Rolland (FRA) - Europcar
19. Nairo Quintana (COL) - Movistar
20. Francesco Bongiorno (ITA) - Bardiani-CSF gleiche
21. Samuel Sanchez (ESP) - BMC
22. Jarlinson Pantano (COL) - Colombia
23. Robert Kiserlovski (CRO) - Trek
24. Alexandre Geniez (FRA) - FDJ.fr
25. Rafal Majka (POL) - Tinkoff-Saxo
26. Wout Poels (NED) - Omega-Quick Step
27. Maxime Bouet (FRA) - AG2R La Mondiale
28. Ivan Basso (ITA) - Cannondale Zeit
29. Davide Malacarne (ITA) - Europcar +1:01
30. Maxime Monfort (BEL) - Lotto-Belisol gl.Zeit
...
35. Damiano Cunego (ITA) - Lampre-Merida +1:29
39. Michele Scarponi (ITA) - Astana +1:37
43. Dario Cataldo (ITA) - Sky +1:37
45. Georg Preidler (AUT) - Giant-Shimano +1:54
46. Przemyslaw Niemiec (POL) - Lampre-Merida +1:57
57. Franco Pellizotti (ITA) - Androni Giocattoli +3:30
89. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha +7:43
- 190 Fahrer klassiert.
DNF Davide Villella (ITA) - Cannondale
DNF Janes Brajkovic (SLO) - Astana
DNF Caruso Giampaolo (ITA) - Katusha
DNF Angel Vicioso (ESP) - Katusha
DNS Giorgio Cecchinel (ITA) - Neri Sottoli

Durch das Sturzdrama erarbeiteten sich der Gesamtführende Matthews sowie Evans ein kleines Polster auf den Rest. In der Gesamtwertung folgt Uran mit 1:18 Minuten Rückstand gegenüber Matthews auf dem 3. Platz. Morabito, Rabottini und Santaromita machten verlorenen Boden gut und stiegen in die Top-Ten auf.

Aus der Traum für Rodriguez, Majka, Roche, Arredondo
Aus dem Rennen um den Gesamtsieg verabschiedete sich Joaquim Rodriguez mit über 7 Minuten Zeitverlust. Nicolas Roche verlor gar über eine Viertelstunde, Julian Arredondo über 18 Minuten. Auch Roches Teamkollege Majka wurde zunächst mit entsprechedem Rückstand gemeldet. Majka erreichte jedoch auf dem Rad eines anderen Teamkollegen zeitgleich mit Uran und Quintana das Ziel. Im verganenen Jahr belegten Rodriguez und Majka den 3. und 7. Platz beim Giro, Roche dem 5. Platz bei der Spanien-Rundfahrt, und Arredondo gehörte als Neo-Profi zu den potenziellen Überraschungsmännern für den Giro 2014.

Gesamtwertung
1. Michael Matthews (AUS) - Orica-Greenedge 24h18:14
2. Cadel Evans (AUS) - BMC +0:21
3. Rigoberto Uran (COL) - Omega-Quick Step +1:18
4. Rafal Majka (POL) - Tinkoff-Saxo +1:25
5. Steve Morabito (SUI) - BMC +1:25
6. Matteo Rabottini (ITA) - Neri Sottoli +1:25
7. Ivan Santaromita (ITA) - Orica-Greenedge +1:47
8. Fabio Aru (ITA) - Astana +1:51
9. Tim Wellens (BEL) - Lotto-Belisol +1:52
10. Ivan Basso (ITA) - Cannondale +2:06
11. Nairo Quintana (COL) - Movistar +2:08
12. Wilco Kelderman (NED) - Belkin +2:11
13. Maxime Bouet (FRA) - AG2R La Mondiale +2:11
14. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale +2:11
15. Diego Ulissi (ITA) - Lampre-Merida +2:22
16. Robert Kiserlovski (CRO) - Trek +2:24
17. Michele Scarponi (ITA) - Astana +2:28
18. Samuel Sanchez (ESP) - BMC +2:34
19. Dario Cataldo (ITA) - Sky +2:36
20. Gianluca Brambilla (ITA) - Omega-Quick Step +2:46
21. Tobias Ludvigsson (SWE) - Giant-Shimano +2:47
22. Maxime Monfort (BEL) - Lotto-Belisol +2:48
23. Michael Rogers (AUS) - Tinkoff-Saxo +2:50
24. Pierre Rolland (FRA) - Europcar +3:01
25. Wout Poels (NED) - Omega-Quick Step +3:10
26. Cunego Damiano (ITA) - Lampre-Merida +3:13
27. Georg Preidler (AUT) - Giant-Shimano +3:14
28. Fabio Duarte (COL) - Colombia +3:23
29. Mauro Finetto (ITA) - Neri Sottoli +3:28
30. Alexis Vuillermoz (FRA) - AG2R La Mondiale +3:28
...
32. Przemyslaw Niemiec (POL) - Lampre-Merida +3:41
39. Ryder Hesjedal (CAN) - Garmin-Sharp +4:39
43. Franco Pellizotti (ITA) - Androni Giocattoli +5:08
48. Daniel Moreno (ESP) - Katusha +5:46
60. Joaquim Rodriguez (ESP) - Katusha +9:40
80. Nicolas Roche (IRL) - Tinkoff-Saxo +15:55

Mammutetappe kurzfristig von 247 auf 257 verlängert
Mit einer Länge von 257 Rennkilometern war die 6. Etappe des Giro 2014 noch einmal 10 Kilometer länger als ohnehin vorgesehen. Als Grund für die kurzfristige Streckenänderung wurde ein Erdrutsch genannt.

Die 4-köpfige Spitzengruppe des Tages setzte sich zusammen aus Fahrern der 4 Wildcard-Teams, namentlich Bandiera (Androni), Zardini (Bardiani-CSF), Torres (Colombia) und Fedi (Neri Sottoli). Die frühe Bergwertung der 4. Kategorie gewann Torres vor Zardini und Bandiera. Der bisher einzige Fahrer aus dem Quartett mit Punkten war zuvor ausgerechnet Fedi, der nun also leer ausging. Entscheidend fürs Bergtrikot war sowieso der Schlussanstieg als erster Kategorie-2-Berg des Giro 2014, so dass Matthews eine weitere Trophäe absahnte.

Bergwertung
1. Michael Matthews (AUS) - Orica-Greenedge 14 p.
2. Maarten Tjallingii (NED) - Belkin 12
3. Miguel Angel Rubiano (COL) - Colombia 9
4. Tim Wellens (BEL) - Lotto-Belisol 9
5. Cadel Evans (AUS) - BMC 8
6. Matteo Rabottini (ITA) - Neri Sottoli 4
7. Jonathan Monsalve (VEN) - Neri Sottoli 4

Sturz leitet Finale mit einem Knall ein
Der allgegenwärtige Regen setzte gegen Ende der Etappe wieder stärker ein. Pünktlich kurz vor dem 8,65 Kilometer langen Schlussanstieg wurden die 4 frühen Ausreißer gestellt. Nur Momente später ereignete sich ein Massensturz, als das Feld auf die nassen Straßen des Finales in einen Kreisverkehr einbog. Giampaolo Caruso (Katusha) war augenscheinlich am schlimmsten betroffen und blieb schmerzverzerrt liegen, bis er vom Krankenwagen abtransportiert wurde. Auch Brajkovic (Astana) gab das Rennen noch am Sturzort auf.

Evans, Morabito, Oss (alle BMC), Wellens (Lotto), Santaromita, Durbridge, Matthews (alle Orica), und Rabottini (Neri Sottoli) schlugen Kapital aus der chaotischen Situation und fuhren plötzlich fast eine Minute vor dem nächsten Feld in den Schlussanstieg hinein. Die Top-4 des Tages konnten diesen Vorsprung bis ins Ziel ungefähr halten.

Verfolgerfeld unterliegt Morabito und Evans
Im unteren Teil des Anstiegs führte zunächst Movistar das Verfolgerfeld für Quintana an. Dahinter spielten sich Dramen bei den noch weiter zurückgefallenen Klassementfahrern ab. Vorne konnten Durbridge und Oss dem Tempo von Morabito nicht lange folgen. Im Hauptfeld schalteten sich später auch Belkin, Omega und AG2R in die Nachführarbeit ein für Kelderman, Uran und Pozzovivo. Kiserlovski (Trek) attackierte das Verfolgerfeld innerhalb der letzten 2 Kilometer, ohne wegzukommen. Der Abstand zwische Spitze und Verfolgerfeld sank zwischenzeitlich leicht auf eine halbe Minute, wuchs dann aber wieder mit Evans' Antritt vorm Kilometerbogen. Am Ende standen 49 Sekunden auf der Uhr für diejenigen, für die der Schaden noch am eträglichsten blieb.

Nach der Etappe lagen Diskussionen nahe, ob es denn die feine englische Art von Evans war, durch einen Sturz Zeit auf die Konkurrenten herauszuholen. Man muss Evans immerhin zugute halten, dass er mit seinem Team in vorderster Position in den fatalen Kreisverkehr einbog. Seine Teamkollegen Oss, Morabito und dann er selbst führten lediglich das hohe Tempo fort. Währenddessen bekamen es die belämmerten Verfolger nicht geregelt, die entstandene Lücke entscheidend zu verkleinern, obwohl sie zahlenmäßig stärker waren.

Im Zwischensprint während der ersten Etappenhälfte scheiterte Bouhanni (FDJ.fr) gegen Ruffoni (Bardiani) bei dem Versuch, hinter den 4 Ausreißern den verbleibenden Punkt zu ergattern. Das Rote Trikot des Führenden in der Punktewertung wäre so oder so auf den Schulter von Viviani (Cannondale) geblieben.

Punktewertung
1. Elia Viviani (ITA) - Cannondale 119 p.
2. Nacer Bouhanni (FRA) - FDJ.fr 115
3. Giacomo Nizzolo (ITA) - Trek 106
4. Roberto Ferrari (ITA) - Lampre-Merida 96
5. Ben Swift (GBR) - Sky 86
6. Michael Matthews (AUS) - Orica-Greenedge 62
7. Davide Appollonio (ITA) - AG2R La Mondiale 44
8. Cadel Evans (AUS) - BMC 37

Update am Tag danach: Ein Drittel des Katusha-Teams auf einen Schlag raus
Joaquim Rodriguez tritt wegen einer gebrochenen Rippe und einem gebrochenem Daumen nicht mehr zur 7. Etappe an. Damit schieden durch die Sturzorgie im Finale der 6. Etappe gleich 3 Katusha-Fahrer aus. Anders als Kapitän Rodriguez waren Caruso und Vicioso nicht mehr in der Lage weiterzufahren. Vicioso brach sich den Oberschenkel. Caruso hatte sich bereits auf Irland das Kahnbein gebrochen, kam nun jedoch ohne weitere Knochenbrüche davon, obwohl die Fernsehbilder zunächst übel aussahen. Janez Brajkovic brach sich den Ellbogen. Brett Lancaster (Orica) fuhr die Etappe wie Rodriguez zu Ende, reiste aber wegen einer gebrochenen Hand ab.


Einschätzung vor der Etappe: Nach einer Klassiker-Distanz von 247 Kilometern wird der Sieger der 6. Giro-Etappe 2014 im südlichen Latium ermittelt, nachdem die Strecke zuvor fast den gesamten Tag relativ flach durch Kampanien führte. Die letzten 8,6 Kilometer steigen dann allerdings um 443 Meter von Cassino zum Montecassino. Das Ende der Etappe könnte somit zur Blaupause des Vortages werden. Vor fast genau 70 Jahren endete im 2. Weltkrieg am Montecassino eine verlustreiche Schlacht, in deren Zentrum die Abtei Montecassino stand.
Landkarte & Profil auf www.gazzetta.it
Profil des Anstiegs am Montecassino auf www.salite.ch

5. Etappe Do 15. Mai: 6. Etappe 7. Etappe

Giro d'Italia 2014

Giro d'Italia 2014
6. Etappe (247km) (257km)
von Sassano
nach Montecassino

-km145 13:34 Cava de Tirreni
-km95 14:56 Maddaloni
-km0 17:11 Montecassino

Etappensieger:
Michael Matthews (AUS)

Rosa Trikot:
Michael Matthews (AUS)

Rotes Trikot:
Elia Viviani (ITA)

Blaues Bergtrikot:
Michael Matthews (AUS)
- vertreten durch: Tjallingii

Jungprofi-Wertung:
Michael Matthews (AUS)
- vertreten durch: Majka

Teamwertung:
BMC

Radsport-Seite.de, Homepage / Giro d'Italia / Giro d'Italia 2014 / Giro d'Italia 2014, 6. Etappe (Sassano - Montecassino)