Giro d'Italia 2013 - 10. Etappe

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9. Etappe Di 14. Mai: 10. Etappe 11. Etappe

Zielankunft an den Montasch-Almen: ca. 17:14 Uhr

Bittersüßer Sieg für Sky durch Uran
Rigoberto Uran (Sky) gewann in den Julischen Alpen die 10. Etappe des Giro d'Italia 2013. Sein Kapitän Bradley Wiggins hingegen ließ weitere Federn. Carlos Betancur (AG2R) fuhr 20 Sekunden hinter Uran über die Ziellinie an den Montasch-Almen und belegte ein weiteres Mal den 2. Platz. 9 Sekunden später führte Vincenzo Nibali (Astana) eine 5-köpfige Verfolgergruppe an und baute seine Gesamtführung durch Zeitgutschriften leicht aus.

Auf der ersten schweren Bergetappe des Giro 2013 sah es zunächst so aus, als sei Sky frisch aus dem Ruhetag gekommen, nachdem die erste Rennwoche für das Wiggins-Team daneben gegangen war. Eigentlich lief dann auch alles perfekt für Sky auf der 10. Etappe - Uran attackierte im Schlussanstieg 8 Kilometer vor dem Ziel - doch ausgerechnet der vorgesehene Kapitän Bradley Wiggins musste 3,5 Kilometer vor dem Ziel mal wieder abreißen lassen. Da hatte vor allem Pozzovivo (AG2R) zur Attacke geblasen.

Pozzovivo und Betancur in der Attacke
Nibali setzte nach, und es gingen zunächst nur Betancur, Kiserlovski (RadioShack) und Majka (Saxo) mit sowie schließlich Evans (BMC) und Santambrogio (Vini Fantini). Allerdings befand sich Wiggins in bester Gesellschaft - auch Gesink (Blanco) und Scarponi (Lampre) konnten dem Tempo von Nibali und dem AG2R-Duo nicht mehr folgen. Als Pozzovivo 1,5 Kilometer vor dem Ziel von Nibali gestellt worden war, riss Betancur aus, der Uran nicht mehr erreichen konnte. Eine prompte Antwort Nibalis wurde kurzzeitig durch ein technisches Problem unterbrochen. Auch Santambrogio geriet aus dem Tritt - aber ausgerechnet Nibali und Santambrogio landeten im Schlusssprint dann vor Evans, Majka und Pozzovivo.

Kiserlovski büßte noch leicht ein. Wiggins begrenzte den Rückstand gegenüber Nibali auf real 37 Sekunden. Hinzu kamen 12 Sekunden Zeitgutschrift zugunsten von Nibali. Knapp hinter Wiggins beendeten Scarponi mit seinem Helfer Niemiec sowie Gesink die 10. Etappe. Ryder Hesjedal (Garmin), Gesamtsieger des Giro d'Italia 2012, fiel bereits am ersten der beiden Berge im Friaul hoffnungslos zurück.

Ergebnis
1. Rigoberto Uran (COL) - Sky 4h37:42
2. Carlos Betancur (COL) - AG2R La Mondiale +0:20
3. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana +0:31
4. Mauro Santambrogio (ITA) - Vini Fantini
5. Cadel Evans (AUS) - BMC alle
6. Rafal Majka (POL) - Saxo-Tinkoff gleiche
7. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale Zeit
8. Robert Kiserlovski (CRO) - RadioShack-Leopard +0:47
9. Beñat Intxausti (ESP) - Movistar +1:06
10. Bradley Wiggins (GBR) - Sky +1:08
11. Przemyslaw Niemiec (POL) - Lampre-Merida +1:10
12. Michele Scarponi (ITA) - Lampre-Merida gl.Zeit
13. Juri Trofimow (RUS) - Katusha gl.Zeit
14. Robert Gesink (NED) - Blanco +1:16
15. Franco Pellizotti (ITA) - Androni Giocattoli +2:11
16. Damiano Caruso (ITA) - Cannondale gl.Zeit
17. Dario Cataldo (ITA) - Sky gl.Zeit
18. Tanel Kangert (EST) - Astana +2:25
19. Sergio Henao (COL) - Sky +3:14
20. Francis Mourey (FRA) - FDJ +3:16
...
21. Steven Kruijswijk (NED) - Blanco +3:16
24. Rafael Valls (ESP) - Vacansoleil-DCM +3:53
26. Samuel Sanchez (ESP) - Euskaltel-Euskadi +4:22
31. Wilco Kelderman (NED) - Blanco +5:48
36. Giampaolo Caruso (ITA) - Katusha +7:02
44. Ivan Santaromita (ITA) - BMC +12:14
71. Ryder Hesjedal (CAN) - Garmin-Sharp +20:53
84. Tom Danielson (USA) - Garmin-Sharp +20:53
96. Pieter Weening (NED) - Orica-Greenedge +20:53
- 193 Fahrer klassiert.
DNF Carlos Quintero (COL) - Colombia
DNF Fabio Taborre (ITA) - Vini Fantini
DNS Angel Vicioso (ESP) - Katusha
DNS John Degenkolb (GER) - Argos-Shimano

Nibali durch Bonussekunden jetzt 41 vor Evans
Nibalis neuer Vorsprung vor seinem härtesten (und unauffälligen) Gegner Cadel Evans betrug nach der 10. Etappe 41 Sekunden. Evans versuchte im Finale, sich in der Verfolgung der 2 agilen AG2R-Fahrer mit gleichmäßigem Tempo vor die Nibali-Gruppe zu spannen. Noch sind Pozzovivo und Betancur relativ ungefährlich für Nibali und Evans, da sie vor allem im langen Einzelzeitfahren einige Zeit verloren.

Rigoberto Uran hingegen ließ die meiste Zeit gegenüber Nibali liegen, als er in vergangenen Etappen auf seinen schwächelnden Kapitän Wiggins warten musste. Im Gesamtklassement kletterte Uran auf den 3. Platz. Für Henao, den 2. Sky-Helfer aus Kolumbien, ging es hingegen abwärts.

Gesamtklassement
1. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana 38h57:32
2. Cadel Evans (AUS) - BMC +0:41
3. Rigoberto Uran (COL) - Sky +2:04
4. Bradley Wiggins (GBR) - Sky +2:05
5. Robert Gesink (NED) - Blanco +2:12
6. Michele Scarponi (ITA) - Lampre-Merida +2:13
7. Mauro Santambrogio (ITA) - Vini Fantini +2:55
8. Przemyslaw Niemiec (POL) - Lampre-Merida +3:35
9. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale +4:17
10. Rafal Majka (POL) - Saxo-Tinkoff +4:21
11. Beñat Intxausti (ESP) - Movistar +4:23
12. Sergio Henao (COL) - Sky +5:06
13. Tanel Kangert (EST) - Astana +5:08
14. Carlos Betancur (COL) - AG2R La Mondiale +5:26
15. Robert Kiserlovski (CRO) - RadioShack-Leopard +5:57
16. Juri Trofimow (RUS) - Katusha +6:08
17. Franco Pellizotti (ITA) - Androni Giocattoli +6:55
18. Samuel Sanchez (ESP) - Euskaltel-Euskadi +7:46
19. Steven Kruijswijk (NED) - Blanco +8:06
20. Rafael Valls (ESP) - Vacansoleil-DCM +8:31
...
22. Wilco Kelderman (NED) - Blanco +8:55
33. Ryder Hesjedal (CAN) - Garmin-Sharp +23:45

In der Anfangsphase der 10. Etappe formierten sich 13 Mann an der Spitze: Rodriguez (Androni), Tjallingii (Blanco), Viviani (Cannondale), Dekker, Millar (beide Garmin), Brutt (Katusha), Dehaes (Lotto), Pauwels (Omega), Machado, Popowitsch (beide RadioShack), Bennati (Saxo), Ligthart (Vacansoleil) und Gatto (Vini Fantini). Sie hatten mit dem Ausgang des Rennens letztlich nichts zu tun.

Sky versuchte Druck auf Astana zu machen
Im Passo Cason di Lanza, dem ersten der 2 Berge des Tages, übernahm im Hauptfeld bald Sky das Zepter von Astana, die zuvor pflichtgemäß als Team des Rosa Trikots das Tempo bestimmten. In der Spitzengruppe und im Hauptfeld setzten sich Androni-Fahrer ab: vorne Jackson Rodriguez, hinten Pellizotti erst mit und dann ohne Diego Rosa. Vorjahressieger Hesjedal verlor erneut den Anschluss, wird in dieser Form beim Giro 2013 keine Rolle mehr spielen. Von den Sky-Helfern verabschiedete sich überraschend Henao, als für Wiggins noch Uran, Siwtsow und Cataldo übrig waren. Aus den Top-Ten der Gesamtwertung waren ansonsten über die Passhöhe hinweg alle Fahrer in der Gruppe des Rosa Trikots vertreten.

Jackson Rodriguez überquerte den Passo Cason di Lanza mit 3:30 Minuten Vorsprung vor der Nibali-Gruppe. In der Folgezeit hatte Rodriguez technische Probleme, weswegen Pauwels noch einmal zum Venezolaner aufschließen konnte. Nachdem Rodriguez wiederholt sein Rennrad gewechselt hatte, war Serge Pauwels für kurze Zeit neuer Solo-Spitzenreiter. Die schmale, aber weitgehend trockene Abfahrt brachte keine Umwälzungen unter den Klassementfahrern. Einige abgehängte Fahrer konnten vor dem Schlussanstieg in die wieder größer werdende Gruppe ums Rosa Trikot zurückkehren, nicht aber Hesjedal.

Im Schlussanstieg wurden Pauwels und Rodriguez 10 Kilometer vor dem Ziel geschluckt. Pellizottis Verfolgungsjagd war schon weitaus früher vorbei. Unter dem Eindruck des Sky-Tempos fielen die ersten Fahrer aus dem Hauptfeld zurück, darunter Kelderman (Blanco) im weißen Jungprofi-Trikot und Nibalis Helfer Kangert, immerhin vor der 10. Etappe auf dem 10. Platz der Gesamtwertung. Sky hingegen konnte noch fast aus dem Vollen schöpfen und schickte 8 Kilometer vor dem Ziel Uran voraus.

Nibali hatte noch Agnoli im Köcher, ließ seinen letzten Helfer bis kurz vor dem Zwischensprint arbeiten. Beim Zwischensprint - 4,5 Kilometer vor dem Ziel - holte Nibali hinter Uran 4 Bonussekunden. Im Ziel folgten hinter Uran und Betancur 8 weitere Sekunden, die von Nibalis Gesamtzeit abgezogen wurden. Betancur arbeitete sich in der Gesamtwertung weiter vor, ebenso in der Jungprofi-Wertung, wo ihm jetzt nur noch der starke Rafal Majka vor der Nase sitzt. Majka übernahm das Jungprofitrikot von Wilco Kelderman.

Das Rote Trikot des Führenden der Punktewertung verteidigte Cadel Evans. Bei einem Zwischensprint noch vor der ersten Bergwertung konnte der etatmäßige Sprinter Viviani durch seine Anwesenheit in der Spitzengruppe 8 Punkte organisieren. Evans sattelte durch seinen 5. Platz im Ziel weitere 12 Punkte drauf.

Punktewertung
1. Cadel Evans (AUS) - BMC 73 p.
2. Elia Viviani (ITA) - Cannondale 60
3. Mark Cavendish (GBR) - Omega-Quick Step 58
4. Rigoberto Uran (COL) - Sky 53
5. Mauro Santambrogio (ITA) - Vini Fantini 52
6. Enrico Battaglin (ITA) - Bardiani-CSF Inox 45
7. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana 45
8. Carlos Betancur (COL) - AG2R La Mondiale 43

Auch in der Bergwertung bewegte sich wenig: Jackson Rodriguez und Rigoberto Uran gewannen die beiden Bergpreise der 1. Kategorie, im Blauen Trikot verblieb ohne weiteren Punktgewinn Stefano Pirazzi (Bardiani).

Bergwertung
1. Stefano Pirazzi (ITA) - Bardiani-CSF Inox 38 p.
2. Robinson Chalapud (COL) - Colombia 23
3. Jackson Rodriguez (VEN) - Androni Giocattoli 17
4. Giovanni Visconti (ITA) - Movistar 16
5. Rigoberto Uran (COL) - Sky 15
6. Maxim Belkow (RUS) - Katusha 13
7. Emanuele Sella (ITA) - Androni Giocattoli 13
8. Adam Hansen (AUS) - Lotto-Belisol 12
9. Jarlinson Pantano (COL) - Colombia 12


Einschätzung vor der Etappe: Nach dem ersten Ruhetag wird deutlich, dass die bisherigen Berge des Giro d'Italia 2013 nur ein Vorgeplänkel waren. Auf der 10. Etappe steht die erste richtige Bergankunft auf dem Programm: Altopiano del Montasio in den Julischen Alpen, südlich der Montaschgruppe. Auf den letzten 10,4 Kilometern sind 841 Höhenmeter zu überwinden bei durchschnittlich 8,1 Prozent Steigung. Auf dem noch etwas breiter ausgebauten Stück hoch zum Neveasattel werden zwischendurch 14 Prozent erreicht. Kurz unterhalb des Sattels biegen die Fahrer an einer Kehre auf ein Sträßchen zu den Montasch-Almen ein, das auf den letzten 4 Kilometern maximal 20 Prozent steigt. Spätestens hier wird sich wohl zeigen, wer auf den verbleibenden Alpenetappen noch ein Wort um den Gesamtsieg mitreden kann. Bevor die Frage kommt: Die letzten Kilometer zur Ziellinie auf einen Parkplatz unterhalb der Montasch-Südwand sind asphaltiert. Vor dem Schlussanstieg steht im Verlauf der Etappe bereits zum Aufwärmen der Passo Cason di Lanza im Profil.
Landkarten & Profile auf gazzetta.it
Erweitertes Profil des Schlussanstiegs auf salite.ch
Im unteren Teil der Schlussrampe auf Google Streetview
Panorama in Zielnähe auf Google Streetview

9. Etappe Di 14. Mai: 10. Etappe 11. Etappe

Giro d'Italia 2013

Giro d'Italia 2013
10. Etappe (167km)
von Cordenons
nach Altopiano del Montasio

-km65 15:11 Paularo
-km50 15:47 Passo Cason di Lanza
-km5 17:01 Sella Nieva
-km0 17:14 Altopiano del Montasio

Etappensieger:
Rigoberto Uran (COL)

Rosa Trikot:
Vincenzo Nibali (ITA)

Rotes Trikot:
Cadel Evans (AUS)

Blaues Bergtrikot:
Stefano Pirazzi (ITA)

Weißes Jungprofi-Trikot:
Rafal Majka (POL)

Teamwertung:
Sky

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