Giro d'Italia 2013 - 8. Etappe

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7. Etappe Sa 11. Mai: 8. Etappe 9. Etappe

Zielankunft letzter Fahrer (rosa Trikot): ca. 17:15 Uhr

Sieg für Dowsett, Rosa für Nibali
Das lange Einzelzeitfahren des Giro d'Italia 2013 gewann ein Spezialist ohne Ambitionen in der Gesamtwertung: Alex Dowsett (Movistar) absolvierte die 54,8 abwechslungsreichen Kilometer 10 Sekunden schneller als sein britischer Landsmann Bradley Wiggins (Sky). Der wollte eigentlich mit einem Vorsprung vor den Gegnern um den Gesamtsieg aus dem Einzelzeitfahren der 8. Etappe gehen - stattdessen holte er nur 11 Sekunden auf seinen größten Konkurrenten Vincenzo Nibali (Astana) auf. So übernahm Vincenzo Nibali das Rosa Trikot des Gesamtführenden, da Wiggins in der ersten Woche schon überraschend Zeit liegen ließ.

Den 3. Platz auf der 8. Etappe belegte Nibalis estnischer Helfer Tanel Kangert, der den starken Eindruck aus dem bisherigen Giro bestätigte. Unter den weiteren Klassementfahrern schlug sich Evans (BMC) auf dem 7. Platz erwartet ordentlich, Scarponi (Lampre) auf dem 10. Platz besser als erwartet, beide mit unter einer Minute Rückstand gegenüber Dowsett. Gut aus der Affäre zogen sich auch die Sky-Helfer Henao und Uran sowie das Blanco-Duo Gesink/Keldermann.

Vorjahres-Girosieger Ryder Hesjedal (Garmin) verlor hingegen über 2 Minuten. Etwas mehr büßten Pozzovivo (AG2R) und Santambrogio (Vini Fantini) ein, beide allerdings eher schwache Zeitfahrer und deswegen wohl trotzdem zufrieden. Samuel Sanchez (Euskaltel) verlor über 3 Minuten, Danielson (Garmin) kassierte über 4 und Betancur (AG2R) sowie Kiserlovski (RadioShack) über satte 5 Minuten, gerieten damit weit ins Hintertreffen. Bester Deutscher auf der Zeitfahrstrecke zwischen Gabicce Mare und Saltara war Patrick Gretsch (Argos) auf dem 13. Platz. Er ist wie Alex Dowsett eher ein Zeitfahrspezialist.

Ergebnis
1. Alex Dowsett (GBR) - Movistar 1h16:27
2. Bradley Wiggins (GBR) - Sky +0:10
3. Tanel Kangert (EST) - Astana +0:15
4. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana +0:21
5. Stef Clement (NED) - Blanco +0:32
6. Luke Durbridge (AUS) - Orica-Greenedge +0:35
7. Cadel Evans (AUS) - BMC +0:39
8. Manuele Boaro (ITA) - Saxo-Tinkoff +0:45
9. Sergio Henao (GBR) - Sky +0:53
10. Michele Scarponi (ITA) - Lampre-Merida +0:53
11. Robert Gesink (NED) - Blanco +1:22
12. Rigoberto Uran (COL) - Sky +1:48
13. Patrick Gretsch (GER) - Argos-Shimano +1:48
14. Wilco Kelderman (NED) - Blanco +1:57
15. Jesse Sergent (NZL) - RadioShack-Leopard +2:00
...
16. Przemyslaw Niemiec (POL) - Lampre-Merida +2:13
18. Ryder Hesjedal (CAN) - Garmin-Sharp +2:23
20. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale +2:34
23. Fabio Aru (ITA) - Astana +2:44
24. Pieter Weening (NED) - Orica-Greenedge +2:47
25. Mauro Santambrogio (ITA) - Vini Fantini +2:56
29. Samuel Sanchez (ESP) - Euskaltel-Euskadi +3:17
31. Rafal Majka (POL) - Saxo-Tinkoff +3:27
40. José Serpa (COL) - Lampre-Merida +4:01
41. Beñat Intxausti (ESP) - Movistar +4:02
43. Tom Danielson (USA) - Garmin-Sharp +4:05
46. Franco Pellizotti (ITA) - Androni Giocattoli +4:18
48. Rafael Valls (ESP) - Vacansoleil-DCM +4:24
53. Steven Kruijswijk (NED) - Blanco +4:42
55. Ivan Santaromita (ITA) - BMC +4:48
67. Carlos Betancur (COL) - AG2R La Mondiale +5:19
69. Robert Kiserlovski (CRO) - RadioShack-Leopard +5:21
- 200 Fahrer klassiert.
DNS Julien Berard (FRA) - AG2R La Mondiale

Die befürchtete Vorentscheidung im Gesamtklassement durch die Länge des Zeitfahrens blieb zum Glück aus. Dazu trug auch die vielfältige Streckenführung bei: mit einem technischen Anfangsteil, kurvig, bergauf, bergab, ein kurzer Pflaster-Abschnitt in der Stadt, dann eine flache lange Geradeaus-Strecke, abgerundet mit einer kurzen Schlusssteigung. Dementsprechend unterschiedlich fielen die Teilzeiten aus.

Wiggins holt wohl zu wenig auf
Im technischen ersten Streckenabschnitt steuerte Bradley Wiggins ängstlich die Kurven an, musste das Rad wechseln, wurde bei der ersten Zwischenzeit sogar hinter seinen kolumbianischen Berghelfern Uran und Henao gemessen - und 52 Sekunden hinter dem da noch Führenden Dowsett, den Nibali an dieser Stelle sogar knapp unterbot. Auch Evans und Scarponi lagen dort deutlich vor Wiggins, sogar Hesjedal war hier etwas schneller. Der Alptraum-Giro drohte sich für Wiggins fortzusetzen. Im Flachstück spielte Wiggins jedoch seine Stärke aus, holte gegen Dowsett auf, der wiederum im Zielraum ein ums andere Mal aufatmen konnte: Am Mittag gestartet, konnte er beobachten, wie sich jeder Fahrer die Zähne an seiner frühen Richtzeit ausbiss. Nibali und Co. bauten im Mittelteil ab.

Der im Rosa Trikot gestartete Beñat Intxausti (Movistar) war zur Halbzeit noch auf Schlagdistanz, verlor die ohnehin knappe Gesamtführung letztlich aber sehr deutlich an Nibali. Der Hai aus Messina ging im Gesamtklassement mit 29 Sekunden Vorsprung vor Cadel Evans aus der Zeitfahrprüfung hervir. Eng zusammen und über eine Minute hinter dem Rosa Trikot: Gesink, Wiggins und Scarponi. Gut für Gesink und Scarponi - letztlich enttäuschend für Wiggins. Vermutlich hatte Wiggins überhaupt nur wegen des sehr langen Einzelzeitfahrens dem Giro den Vorzug gegenüber der Tour de France gegeben, bei der er 2012 den Gesamtsieg auf Grundlage der Zeitfahrkilometer holte.

Die Wahrscheinlichkeiten für den Giro-Gesamtsieg 2013 verschoben sich klar zugunsten Nibalis. Die größte Gefahr in den Bergen geht nun voraussichtlich von Evans und Scarponi aus. Angriffslust mit Substanz ist aus den aktuellen Top-Ten von Hesjedal und Santambrogio zu erwarten. Und was macht nun Wiggins?

Gesamtklassement
1. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana 29h46:57
2. Cadel Evans (AUS) - BMC +0:29
3. Robert Gesink (NED) - Blanco +1:15
4. Bradley Wiggins (GBR) - Sky +1:16
5. Michele Scarponi (ITA) - Lampre-Merida +1:24
6. Ryder Hesjedal (CAN) - Garmin-Sharp +2:05
7. Sergio Henao (COL) - Sky +2:11
8. Mauro Santambrogio (ITA) - Vini Fantini +2:43
9. Przemyslaw Niemiec (POL) - Lampre-Merida +2:44
10. Rigoberto Uran (COL) - Sky +2:49
11. Pieter Weening (NED) - Orica-Greenedge +2:50
12. Tanel Kangert (EST) - Astana +3:02
13. Wilco Kelderman (NED) - Blanco +3:26
14. Beñat Intxausti (ESP) - Movistar +3:36
15. Samuel Sanchez (ESP) - Euskaltel-Euskadi +3:43
16. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale +4:05
17. Rafal Majka (POL) - Saxo-Tinkoff +4:09
18. Fabio Aru (ITA) - Astana +4:31
19. Tom Danielson (USA) - Garmin-Sharp +4:37
20. Ivan Santaromita (ITA) - BMC +4:50
...
21. Rafael Valls (ESP) - Vacansoleil-DCM +4:57
22. Franco Pellizotti (ITA) - Androni Giocattoli +5:03
23. Steven Kruijswijk (NED) - Blanco +5:09
25. Robert Kiserlovski (CRO) - RadioShack-Leopard +5:29
26. José Serpa (COL) - Lampre-Merida +5:41
28. Carlos Betancur (COL) - AG2R La Mondiale +6:08
30. Giampaolo Caruso (ITA) - Katusha +6:36

In der Jungprofi-Wertung deutet sich ein spannender Vierkampf zwischen Kelderman, Majka (Saxo), Aru (Astana) und Betancur an. Kelderman und Aru sind allerdings als Helfer für Gesink und Nibali beschäftigt. Der vielleicht etwas schwächere Majka ist dafür Kapitän, der ins Hintertreffen geratene Betancur Co-Kapitän neben Pozzovivo. Nach dem Einzelzeitfahren übernahm Wilco Kelderman das weiße Trikot des besten Jungprofis.

Evans verkürzte nebenbei seinen Rückstand in der Punktewertung auf Cavendish (Omega). Bereits 2010 konnte Evans die Punktewertung des Giro d'Italia gewinnen. Auch 2013 zeichnet sich ab, dass die Klassementfahrer angesichts des weiteren Giro-Verlaufs größere Chancen auf das Rote Trikot haben als die Sprinter.

Punktewertung
1. Mark Cavendish (GBR) - Omega-Quick Step 58 p.
2. Elia Viviani (ITA) - Cannondale 52
3. Cadel Evans (AUS) - BMC 49
4. Enrico Battaglin (ITA) - Bardiani-CSF Inox 45
5. Adam Hansen (AUS) - Lotto-Belisol 39
6. Luca Paolini (ITA) - Katusha 35
7. Nacer Bouhanni (FRA) - FDJ 31
8. John Degenkolb (GER) - Argos-Shimano 30
9. Ryder Hesjedal (CAN) - Garmin-Sharp 30
10. Mauro Santambrogio (ITA) - Vini Fantini 29


Einschätzung vor der Etappe: Vemutlich die Schlüsseletappe des Giro 2013: Im einzigen relativ flachen Einzelzeitfahren sollten die Top-Zeitfahrer, wie Bradley Wiggins, sich ein Polster für die Berge aufbauen (steht zu befürchten) - und umgekehrt die schwachen Zeitfahrer ihren Rückstand in Grenzen halten, so dass sie in den Alpen noch konkurrenzfähig sind (wird leider schwierig). Die Zeitfahrstrecke führt über lange 54,8 Kilometer in den Marken von Gabicce Mare nach Saltara. Wirklich flach ist dieses Zeitfahren - wie die anderen Giro-Etappen auch - natürlich nicht! Nach dem Start an der Adria geht es in den Naturpark Monte San Bartolo oberhalb der Küste bis auf maximal 171 Meter. Die erste Zwischenzeit nach 26 Kilometern wird in Pesaro nach einer kehrenreichen Abfahrt genommen, dann wieder fast auf Meeresniveau. Danach steigt die Strecke - ins Landesinnere hinein - noch einmal auf 181 und sinkt auf 18 Meter. Die 2. Zeitmessung erfolgt bereits nach 51,5 Kilometern in Calcinelli auf 64 Metern, ehe der Schlussanstieg auf 234 Meter ansteht. Die Ziellinie liegt am Museum Villa di Balì noch deutlich oberhalb von Saltara.
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Giro 2013

Giro d'Italia 2013
8. Etappe (54,8km/EZF)
von Gabicce Mare
nach Saltara

Etappensieger:
Alex Dowsett (GBR)

Rosa Trikot:
Vincenzo Nibali (ITA)

Rotes Trikot:
Mark Cavendish (GBR)

Blaues Bergtrikot:
Giovanni Visconti (ITA)

Weißes Jungprofi-Trikot:
Wilco Kelderman (NED)

Teamwertung:
Astana

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