Giro d'Italia 2013 - 7. Etappe

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Zielankunft in Pescara: ca. 17:13 Uhr

Hansen beschenkt sich vorzeitig
Erster Sieg eines frühen Ausreißers beim Giro d'Italia 2013: Auf der verregneten 7. Etappe in den Abruzzen gewann Adam Hansen (Lotto) als Solist. Einen Tag vor seinem 32. Geburtstag hängte der Australier seinen Begleiter Emanuele Sella (Androni) 20 Kilometer vor dem Ziel ab. Beide stammten aus einer 6-köpfigen Spitzengruppe, die sich nach 30 der insgesamt 177 Kilometer formierte. Unter den Klassementfahrern musste Bradley Wiggins (Sky) einen herben Rückschlag hinnehmen.

Wiggins geht im Regen unter
Die glitschigen Straßen stellten ein hohes Sturzrisiko dar, dazu das wellige Etappenprofil: Das Peloton zerfiel in der Schlussphase in seine Einzelteile. Bradley Wiggins bestätigte den wenig souveränen Eindruck der Vortage und verlor merklich Zeit. Abgehängt im Anstieg, verunsichert in der Abfahrt, wo er dann stürzte - da mussten auch seine beiden kolumbianischen Sky-Helfer ihre gute Ausgangsposition im Gesamtklassement aufgeben und auf den angeknockten Kapitän warten. Sie begrenzten Wiggins' Zeitverlust auf 1:24 Minuten gegenüber den Hauptgegnern um den Gesamtsieg.

Über eine Minute hinter Hansen sprintete eine rund 30-köpfige Gruppe um den 2. Platz. Die Zeitgutschriften holten sich mit Battaglin (Bardiani) und di Luca (Vini Fantini) 2 Fahrer, die vermutlich nicht um den Gesamtsieg mitfahren. Dies tun am ehesten Nibali (Astana), Evans (BMC), Hesjedal (Garmin), Scarponi (Lampre): die größten Namen waren alle in dieser Verfolgergruppe vertreten - außer Wiggins. Der muss sich die verlorene Zeit nun direkt einen Tag nach seinem Untergang im langen Einzelzeitfahren zurückholen. Dort wollte er eigentlich schon einen komfortablen Vorsprung für die großen Berge aufbauen, und nicht einem Rückstand aus dem Mittelgebirge hinterherfahren.

Ergebnis
1. Adam Hansen (AUS) - Lotto-Belisol 4h35:49
2. Enrico Battaglin (ITA) - Bardiani-CSF Inox +1:07
3. Danilo di Luca (ITA) - Vini Fantini
4. Mauro Santambrogio (ITA) - Vini Fantini
5. Damiano Caruso (ITA) - Cannondale
6. Cadel Evans (AUS) - BMC
7. Stefano Pirazzi (ITA) - Bardiani-CSF Inox
8. Arnold Jeannesson (FRA) - FDJ
9. Pieter Weening (NED) - Orica-Greenedge
10. Ryder Hesjedal (CAN) - Garmin-Sharp
11. Giampaolo Caruso (ITA) - Katusha
12. José Serpa (COL) - Lampre-Merida
13. Carlos Betancur (COL) - AG2R La Mondiale
14. Beñat Intxausti (ESP) - Movistar
15. Rafael Valls (ESP) - Vacansoleil-DCM
16. Wilco Kelderman (NED) - Blanco
17. Steven Kruijswijk (NED) - Blanco alle
18. Rafal Majka (POL) - Saxo-Tinkoff
19. Robert Gesink (NED) - Blanco
20. Samuel Sanchez (ESP) - Euskaltel-Euskadi
21. Premyslaw Niemiec (POL) - Lampre-Merida
22. Michele Scarponi (ITA) - Lampre-Merida gleiche
23. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana
24. Robert Kiserlovski (CRO) - RadioShack-Leopard
25. Ivan Santaromita (ITA) - BMC
26. Franco Pellizotti (ITA) - Androni Giocattoli
27. Egoi Martinez (ESP) - Euskaltel-Euskadi
28. Simone Stortoni (ITA) - Lampre-Merida Zeit
29. Tanel Kangert (EST) - Astana +1:27
30. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale +1:49
...
31. Tom Danielson (USA) - Garmin-Sharp +1:49
33. Juri Trofimow (RUS) - Katusha +1:52
34. Emanuele Sella (ITA) - Androni Giocattoli +1:52
37. Fabio Aru (ITA) - Astana +2:31
54. Luca Paolini (ITA) - Katusha +2:31
55. Bradley Wiggins (GBR) - Sky +2:31
57. Sergio Henao (COL) - Sky +2:40
58. Rigoberto Uran (COL) - Sky +2:43
61. Steve Morabito (SUI) - BMC +2:58
- 201 Fahrer klassiert.
DNF Mattia Cattaneo (ITA) - Lampre-Merida
DNS Klaas Lodewyck (BEL) - BMC
DNS Leigh Howard (AUS) - Orica-Greenedge

Intxausti schlüpft ins Rosa Trikot
Beñat Intxausti (Movistar), 27 Jahre aus Spanien, übernahm das Rosa Trikot des Gesamtführenden von Luca Paolini (Katusha), der im Etappenfinale nicht mehr mithalten konnte. Nibali und Hesjedal fehlen nur 5 und 8 Sekunden auf Intxausti. Ohnehin wird das Gesamtklassement nach dem Einzelzeitfahren erneut umgekrempelt.

Aus den bisherigen Top-Ten verabschiedeten sich nach der 7. Etappe Paolini und die 3 Sky-Fahrer, aus den Top-20 ließen Danielson (Garmin), Trofimow (Katusha) und vor allem Aru (Astana) Federn. Auch Pozzovivo (AG2R) verlor weitere Sekunden. Aru gab das weiße Trikot des besten Jungprofis an Majka (Saxo) weiter.

Gesamtklassement
1. Beñat Intxausti (ESP) - Movistar 28h30:04
2. Vincenzo Nibali (ITA) - Astana +0:05
3. Ryder Hesjedal (CAN) - Garmin-Sharp +0:08
4. Giampaolo Caruso (ITA) - Katusha +0:10
5. Mauro Santambrogio (ITA) - Vini Fantini +0:13
6. Cadel Evans (AUS) - BMC +0:16
7. Robert Gesink (NED) - Blanco +0:19
8. Ivan Santaromita (ITA) - BMC +0:28
9. Pieter Weening (NED) - Orica-Greenedge +0:29
10. Robert Kiserlovski (CRO) - RadioShack-Leopard +0:34
11. Samuel Sanchez (ESP) - Euskaltel-Euskadi +0:52
12. Steven Kruijswijk (NED) - Blanco +0:53
13. Michele Scarponi (ITA) - Lampre-Merida +0:57
14. Przemyslaw Niemiec (POL) - Lampre-Merida +0:57
15. Luca Paolini (ITA) - Katusha +0:58
16. Tom Danielson (USA) - Garmin-Sharp +0:58
17. Rafael Valls (ESP) - Vacansoleil-DCM +0:59
18. Juri Trofimow (RUS) - Katusha +1:02
19. Rafal Majka (POL) - Saxo-Tinkoff +1:08
20. Franco Pellizotti (ITA) - Androni Giocattoli +1:11
21. Carlos Betancur (COL) - AG2R La Mondiale +1:15
22. Rigoberto Uran (COL) - Sky +1:27
23. Bradley Wiggins (GBR) - Sky +1:32
24. Danilo di Luca (ITA) - Vini Fantini +1:41
25. Sergio Henao (COL) - Sky +1:44
26. Wilco Kelderman (NED) - Blanco +1:55
27. Michal Golas (POL) - Omega-Quick Step +1:55
28. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale +1:57

Neben Hansen und Sella fuhren in der 6-köpfigen Spitzengruppe: Tjallingii (Blanco), Tamouridis (Euskaltel), Rollin (FDJ) und Lightart (Vacansoleil). Der Bestplatzierte im Gesamtklassement war Sella mit 6:52 Minuten Rückstand aufs Rosa Trikot. Vini Fantini war mit der Situation unzufrieden und löste bald Katusha als Anführer des Hauptfelds ab. Ligthart kehrte nach einem Sturz wieder in die Spitzengruppe zurück.

Etwa ab der 40-Kilometer-Marke schrumpfte das Hauptfeld immer mehr in den steilen Anstiegen der Abruzzen. Taborre (Vini Fantini) löste sich, zunächst ohne weit wegzukommen. Vorne gewann Sella die ersten beiden Bergwertungen ohne Gegenwehr. 35 Kilometer vor dem Ziel schraubte Hansen das Tempo hoch an einem Anstieg ohne Bergpreis, und nur Sella folgte. 5 Kilometer später stürzte Sella auf einer Abfahrt. Weil dies ausgerechnet vor einem der wenigen Flachstücke des Tages geschah, wartete Hansen auf seinen Begleiter.

Di Luca will Etappe, löst aber etwas anderes aus
Während Hansen am vorletzten Anstieg Sella distanzierte, eröffnete dort di Luca aus der Hauptgruppe mit einer Attacke das dramatische Finale. Für den Etappensieg - wohl di Lucas vordergründiges Ziel - war es bereits eigentlich zu spät, für einen Großangriff auf Wiggins genau richtig: Eine Handvoll Fahrer, darunter Nibali und Scarponi, sprang sofort aufmerksam an di Lucas Hinterrad. Der wiederum fuhr zu Taborre auf, dem Schrittmacher für die nächsten Meter. Im ersten Teil der Abfahrt rollten jedoch etliche Fahrer wieder von hinten heran, und auch Wiggins gelang noch einmal der Anschluss.

Hinein in die Senke vor dem letzten Anstieg attackierte Nibali, kam auch weg, stürzte dann jedoch. Wiggins eierte die Abfahrt hinunter und war dann auch bergauf in Nöten, verlor erneut den Anschluss. Vor allem Blanco für Gesink und Lampre für Scarponi drückten nun aufs Tempo in der Gruppe, die sich um Nibali, Hesjedal und Evans bildete. In der Verfolgung von Hansen stürzte Sella weitere Male. Für Sella wäre ohnehin nur noch der 2. Platz in der Tageswertung drin gewesen. In der Bergwertung schrammte er um einen Punkt am führenden Visconti (Movistar) vorbei, da Sella die letzten beiden Bergpreise hinter Hansen passierte.

Bergwertung
1. Giovanni Visconti (ITA) - Movistar 14 p.
2. Emanuele Sella (ITA) - Androni Giocattoli 13
3. Stefano Pirazzi (ITA) - Bardiani-CSF Inox 12
4. Adam Hansen (AUS) - Lotto-Belisol 12
5. Robinson Chalapud (COL) - Colombia 9
6. Willem Wauters (BEL) - Vacansoleil-DCM 9
7. Danilo di Luca (ITA) - Vini Fantini 5
8. Manuele Boaro (ITA) - Saxo-Tinkoff 5

In der letzten Abfahrt «krönte» Wiggins seinen Auftritt im negativen Sinne mit einem Sturz. Danach ging er noch vorsichtiger in die nassen Kurven und ließ weitere Sekunden liegen. Der Giro ist angesichts von nur 1:32 Minuten Rückstand auf Rosa für Wiggins noch längst nicht verloren - bereits im Zeitfahren winkt trotz allem noch die Gesamtführung. Doch der dramatische Etappenverlauf war auch ein Schlag gegen die Moral seiner kolumbianischen Edelhelfer Uran und Henao, die Sky wahrscheinlich nach 2013 verlassen.

In der Punktewertung verbesserte sich Enrico Battaglin, Sieger der 4. Etappe, auf den 3. Platz. Der 2-fache Etappensieger Mark Cavendish (Omega) behielt das Rote Trikot. Cavendish verbrachte das Ende der 7. Etappe standesgemäß im großen Gruppetto, das knapp 19 Minuten hinter dem Tagessieger im Zielort Pescara ankam.

Punktewertung
1. Mark Cavendish (GBR) - Omega-Quick Step 58 p.
2. Elia Viviani (ITA) - Cannondale 52
3. Enrico Battaglin (ITA) - Bardiani-CSF Inox 45
4. Cadel Evans (AUS) - BMC 40
5. Adam Hansen (AUS) - Lotto-Belisol 39
6. Luca Paolini (ITA) - Katusha 35
7. Nacer Bouhanni (FRA) - FDJ 31
8. John Degenkolb (GER) - Argos-Shimano 30
9. Ryder Hesjedal (CAN) - Garmin-Sharp 30
10. Mauro Santambrogio (ITA) - Vini Fantini 29


Einschätzung vor der Etappe: Wie das Blatt einer Säge erscheint das Profil der 7. Etappe des Giro d'Italia 2013 in den Abruzzen. Da kann sich eine frühe Fluchtgruppe durchaus etwas ausrechnen: Einen Massensprint wird es in Pescara nicht geben. Und am letzten Anstieg, gut 7 Kilometer vor dem Ziel, dürften die Klassementfahrer eher schon an das Zeitfahren am nächsten Tag denken, als hoch nach San Silvestro irgendwelche riskanten Solo-Manöver zu unternehmen.
Landkarte & Profil auf gazzetta.it

6. Etappe Fr 10. Mai: 7. Etappe 8. Etappe

Giro d'Italia 2013

Giro d'Italia 2013
7. Etappe (177km)
von Marina di San Salvo
nach Pescara

-km53 15:53 Villamagna
-km39 16:16 Chieti-Pietragrossa
-km35 16:21 Chieti-Tricalle
-km27 16:32 Chieti Scalo
-km20 16:45 S. M. de Criptis
-km8 17:03 San Silvestro

Etappensieger:
Adam Hansen (AUS)

Rosa Trikot:
Beñat Intxausti (ESP)

Rotes Trikot:
Mark Cavendish (GBR)

Blaues Bergtrikot:
Giovanni Visconti (ITA)

Weißes Jungprofi-Trikot:
Rafal Majka (POL)

Teamwertung:
Katusha

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