Giro d'Italia 2012 - 20. Etappe

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19. Etappe Sa 26. Mai: 20. Etappe 21. Etappe

Zielankunft am Stilfser Joch: ca. 17:15 Uhr

De Gendt dreht (fast) noch den Giro!
Thomas de Gendt (Vacansoleil) holte auf der vorletzten Etappe des Giro d'Italia 2012 den Etappensieg am 2757 Meter hohen Stiflser Joch - mehr noch: Der 25-jährige Belgier stellte das Gesamtklassement (fast) auf den Kopf. De Gendt nahm den über 21 Kilometer langen Schlussanstieg mit knapp 4 Minuten Vorsprung vor der Gruppe des Rosa Trikots in Angriff. Bei de Gendt waren da noch 6 Begleiter, darunter Cunego (Lampre) und Nieve (Euskaltel), die am Ende mit knapp einer bzw. zwei Minuten Rückstand den 2. und 3. Platz auf der 20. Etappe belegten.

In der Gruppe der bis dahin besten Klassementfahrer fuhr unterm Strich Joaquin Rodriguez (Katusha) am schnellsten und baute seinen Vorsprung in der Gesamtwertung gegenüber Hesjedal (Garmin) und Scarponi (Lampre) leicht aus. Rodriguez kam auf dem 4. Platz 3:22 Minuten hinter de Gendt an. Scarponi verlor 12, Hesjedal 14 Sekunden auf Rodriguez, der erst auf dem letzten Kilometer attackierte. Ivan Basso (Liquigas) war schon kurz davor zurückgefallen.

Ergebnis
1. Thomas de Gendt (BEL) - Vacansoleil-DCM 6h54:41
2. Damiano Cunego (ITA) - Lampre-ISD +0:56
3. Mikel Nieve (ESP) - Euskaltel-Euskadi +1:50
4. Joaquin Rodriguez (ESP) - Katusha +3:22
5. Michele Scarponi (ITA) - Lampre-ISD +3:34
6. Ryder Hesjedal (CAN) - Garmin-Barracuda +3:36
7. John Gadret (FRA) - AG2R La Mondiale +4:29
8. Rigoberto Uran (COL) - Sky +4:53
9. Sergio Henao (COL) - Sky +4:55
10. Ivan Basso (ITA) - Liquigas-Cannondale gl.Zeit
11. Domenico Pozzovivo (ITA) - Colnago-CSF Inox +5:39
12. Hubert Dupont (FRA) - AG2R La Mondiale +5:53
13. Ben Hermans (BEL) - RadioShack-Nissan +7:58
14. Gianluca Brambilla (ITA) - Colnago-CSF Inox +8:32
15. Roman Kreuziger (CZE) - Astana +9:10
16. Dario Cataldo (ITA) - Omega-Quick Step +9:17
17. Johann Tschopp (SUI) - BMC +9:38
18. Christian Vandevelde (USA) - Garmin-Barracuda +11:00
19. Andrey Amador (CRC) - Movistar gl.Zeit
20. Marzio Bruseghin (ITA) - Movistar +11:35
...
28. Thomas Rohregger (AUT) - RadioShack-Nissan +16:39
40. Oliver Zaugg (SUI) - RadioShack-Nissan +22:50
44. Daniel Moreno (ESP) - Katusha +30:35
68. Grischa Niermann (GER) - Rabobank +39:30
- 157 Fahrer klassiert.
DNF Timon Seubert (GER) - NetApp
DNF Jack Bobridge (AUS) - Orica-Greenedge
DSQ Ivan Velasco (ESP) - Euskaltel-Euskadi
DSQ Andrea Guardini (ITA) - Farnese Vini
DSQ Dominique Rollin (CAN) - FDJ-Big Mat
DSQ Robert Hunter (RSA) - Garmin-Barracuda

Trotz allem: Rodriguez oder Hesjedal?
In der Gesamtwertung vergrößerte sich Rodriguez' Vorsprung gegenüber Ryder Hesjedal einen Tag vor dem abschließenden Einzelzeitfahren auf 31 Sekunden. Scarponi auf dem 3. Platz fehlen 1:51 Minuten. De Gendt arbeitete sich auf den 4. Platz vor mit 2:18 Minuten Rückstand aufs Rosa Trikot.

Rodriguez gilt in diesem Quartett als schwächster Zeitfahrer, fährt aber im Zeitfahren möglicherweise beflügelt vom Rosa Trikot. De Gendt hat einen 3. Platz beim letzten Zeitfahren der Tour de France 2011 vorzuweisen. Die nach wie vor besten Karten um den Gesamtsieg hat wohl trotzdem Hesjedal. De Gendt winkt eine Podiumsplatzierung, Vorjahressieger Scarponi muss um diese fürchten und Basso ist aus der Verlosung aller Voraussicht nach raus.

Gesamtwertung
1. Joaquin Rodriguez (ESP) - Katusha 91h04:16
2. Ryder Hesjedal (CAN) - Garmin-Barracuda +0:31
3. Michele Scarponi (ITA) - Lampre-ISD +1:51
4. Thomas de Gendt (BEL) - Vacansoleil-DCM +2:18
5. Ivan Basso (ITA) - Liquigas-Cannondale +3:18
6. Damiano Cunego (ITA) - Lampre-ISD +3:43
7. Rigoberto Uran (COL) - Sky +4:52
8. Domenico Pozzovivo (ITA) - Colnago-CSF Inox +5:47
9. Mikel Nieve (ESP) - Euskaltel-Euskadi +5:56
10. John Gadret (FRA) - AG2R La Mondiale +6:43
11. Sergio Henao (COL) - Sky +7:20
12. Dario Cataldo (ITA) - Omega-Quick Step +12:14
13. Johann Tschopp (SUI) - BMC +12:34
14. Gianluca Brambilla (ITA) - Colnago-CSF Inox +13:28
15. Roman Kreuziger (CZE) - Astana +18:09

Cavendish fehlte ein Punkt
In der Punktewertung erreichte Rodriguez genau den 4. Platz, den er benötigte, um Mark Cavendish aus dem Roten Trikot des Führenden der Punktewertung zu fahren. Sprinter Cavendish quälte sich im Gruppetto mit 46 Minuten Rückstand aufs Stilfser Joch. Durch Stürze bei 2 Massenankünften kamen Cavendish im Laufe des Giro d'Italia 2012 wertvolle Punkte abhanden. Bitter für den Briten, der den Giro entgegen aller Unkenrufe tapfer inklusive der Alpenetappen durchfuhr.

Auf der gewaltigen letzten Bergetappe des Giros 2012 setzte sich wie am Vortag eine 17-köpfige Gruppe früh ab. In den ersten Anstiegen des Tages machte Matteo Rabottini (Farnese) durch seine Präsenz in dieser Gruppe den Sack in der Bergwertung zu. Ernst wurde es am vorletzten Anstieg, dem ultrasteilen und schmalen Weg hoch zum Passo del Mortirolo, an dem Rabottini keine Geige mehr spielte.

Vorspiel am Mortirolo
Aus der Spitzengruppe heraus bezwang Oliver Zaugg (RadioShack) den Mortirolo als erster Fahrer mit einer Lücke zu seinen früheren Begleitern Amador (Movistar), Vandevelde (Garmin), Caruso (Liquigas) und Serpa (Androni), von denen später noch Vandevelde eine Rolle spielen sollte. Das Hauptfeld dezimierte Joaquin Rodriguez durch 2 kleine Attacken drastisch, seine Hauptkonkurrenten wurde er dadurch letztlich allerdings nicht los.

Stattdessen attackierte de Gendt kurz unterhalb der Bergwertung und überquerte diese mit 2:30 Minuten hinter Zaugg und knapp vor der Gruppe ums Rosa Trikot. In der Abfahrt wartete Carrara aus der ehemaligen Spitzengruppe auf de Gendt, zudem attackierte Cunego. Im nachfolgenden Flachstück fuhr dazu das Euskaltel-Duo mit Jon Izaguirre und Nieve mit Kangert (Astana) nach vorne. Ein ähnlicher Versuch von Pauwels und Cataldo (Omega Pharma), Dupont und Gadret (AG2R) sowie Frank und Tschopp (BMC) misslang.

De Gendt baute zeitweise sogar aus
Nach einem Moment der Uneinigkeit in der Gruppe des Rosa Trikots spannten sich Hesjedals Helfer Stetina und Vandevelde vor (und mal nicht Liquigas...). Vandevelde konnte diese Position bis lange in den Anstieg des Stilfser Jochs hinein halten. An der Spitze ging nach einem Zusammenschluss ein Septett bestehend aus Zaugg, Amador, de Gendt, Cunego, Izaguirre, Nieve und Kangert knapp 4 Minuten vor der Rodriguez-Gruppe in den Schlussanstieg.

De Gendt sprengte die Spitzengruppe 17 Kilometer vor dem Ziel. Zunächst konnte nur noch Nieve folgen. Als Cunego gut 13 Kilometer vor dem Ziel gerade wieder herankam, setzt sich de Gendt endgültig ab. Auf die von Vandevelde angeführte Gruppe baute de Gendt den Vorsprung zwischenzeitlich sogar auf deutlich über 5 Minuten aus, so dass de Gendt zeitweise fast im virtuellen Rosa Trikot fuhr.

Hesjedal übernahm Verantwortung
In der Gruppe des Rosa Trikots attackierte John Gadret ab der 9-Kilometer-Marke dreimal, bis dies Wirkung zeigte. Nach kurzzeitigen Stehversuchen der Verfolger übernahm Hesjedal das Ruder und reduzierte die Gruppe auf die üblichen 6 (Rodriguez, Scarponi, Basso, Uran, Pozzovivo, er selbst) plus Henao (wie Uran Sky) und führte diese wieder an Gadret heran.

Weniger als 3 Kilometer vor dem Ziel attackierte Scarponi. Nur Hesjedal und Rodriguez konnten noch Sichtkontakt halten. Rodriguez änderte die Reihenfolge dieses Trios durch seine Schlussattacke. Basso indes hatte nichts mehr entgegenzusetzen, Pozzovivo (Colnago) erst recht nicht. Der scheinbar stärkere Henao wartete auf seinen Teamkollegen Uran und zog diesen und Basso bis ins Ziel hinter die besser platzierten Rodriguez, Scarponi, Hesjedal und Gadret.

Der Sensation nahe
De Gendt kam dem potentiellen Giro-Gesamtsieg in der Schneelandschaft des Stilfser Jochs sensationell nahe. Sein Vorsprung schmolz zwar letztlich doch noch auf 3:22 Minuten gegenüber Rodriguez. Allerdings verlor de Gendt auf den gesamten Anstieg gerechnet kaum etwas auf Rodriguez und baute gegenüber einem Basso sogar aus.


Einschätzung vor der Etappe: Der große Hammer beim Giro 2012 kommt zum Schluss: Einen Tag vor dem Abschlusszeitfahren steht die Bergankunft am Stilfser Joch auf dem Programm, wenn auch an der nicht ganz so spektakulären Südseite. An diesem 2757m hohen Pass könnte man schon mit einer kleinen Schwäche noch einmal weit im Klassement zurückfallen. Und als wäre das Stilfser Joch nicht genug, steht zuvor noch der ultrasteile Mortirolopass im Profil. Die Etappenlänge, 219 Kilometer, und weitere Anstiege in der ersten Tageshälfte, dürften ihr übriges zu einem heftig schweren Finale tun.
Landkarte & Profile auf gazzetta.it
Profil des Anstiegs zum Stilfser Joch von Bormio

Giro 2012

Giro d'Italia 2012
20. Etappe (219km)
von Caldes/Val di Sole
zum Stilfser Joch

Etappensieger:
Thomas de Gendt (BEL)

Rosa Trikot:
Joaquin Rodriguez (ESP)

Rotes Trikot:
Joaquin Rodriguez (ESP)

Bergtrikot:
Matteo Rabottini (ITA)

Bester Jungprofi:
Rigoberto Uran (COL)

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