Frank Schleck (LUX)

Frank Schleck ist zusammen mit seinem 6 Jahre jüngeren Bruder Andy der erfolgreichste Luxemburger Radprofi seit Charly Gaul in den 1950er Jahren. 2006 und 2009 gewann Frank jeweils eine Alpenetappe bei der Tour de France. Das wichtigste Radrennen der Welt beschloss er 2011 auf dem Podium als 3. der Gesamtwertung. Weitere wichtige Siege gelangen ihm beim Amstel Gold Race 2006 und der Tour de Suisse 2010. Selbstredend wurde Frank Schleck mehrmals Straßenmeister Luxemburgs.

Die Liste der Siege von Frank Schleck blieb gemessen an den vorderen Resultaten, die er einfuhr, relativ klein. Dies liegt in 3 Schwachstellen begründet: Erstens ist er als schwacher Sprinter bei Tagessiegen auf Alleinfahrten angewiesen, die zweitens wegen seiner Defizite im Zeitfahren auch keine Selbstläufer sind. Durch die Verluste im Zeitfahren sind zudem Siege in Etappenrennen nur schwer zu realisieren. Die fehlende Spritzigkeit im Sprint steht zudem harten Attacken im Wege. Drittens genießen die Steuerkünste Frank Schlecks keinen guten Ruf. Auf einer Abfahrt der Tour de Suisse 2008 stürzte er in eine Schlucht und stieg wie durch ein Wunder unbeschadet den Abhang hoch. Während anderer Rennen, so auch der Tour de France, verlor Frank Schleck auf gefährlichen Abfahrten wiederholt den Anschluss.

Mit 23 Jahren wurde Frank Schleck Profi im dänischen Team CSC, geleitet von Bjarne Riis. Schleck fuhr für dieses Team 8 Saisons bis 2010, als der namensgebende Sponsor bereits die Saxo Bank war. Danach wechselte er mit einer Reihe langjähriger Riis-Untergebenen zum neuen Leopard-Team, an dem ein Luxemburger Immobilien-Makler wesentlich beteiligt war.

Frank Schleck musste sich 2-mal während seiner Karriere vor der Luxemburger Anti-Doping-Agentur verantworten. Aus der Fuentes-Affäre konnte er sich noch herauswinden. Hingegen genügte eine Kleinstmenge des Entwässerungsmittels Xipamid, das andere Dopingmittel verschleiern kann, für eine halbierte Sperre von Juli 2012 bis 2013.

Erste Lehrjahre im Team CSC
Frank Schleck unternahm mehrere Anläufe, um an einen Profivertrag zu kommen, u.a. 2001 und 2002 als Stagiaire bei Festina und bei CSC. Beim Team CSC bekam Frank Schleck dann die Chance, sich ab 2003 dauerhaft in der ersten Liga des Radsports zu beweisen. Bei seiner ersten großen Rundfahrt, der Vuelta 2003, fiel er auf der 8. Etappe aus dem Zeitlimit, hatte dafür aber anschließend einen ansprechenden Herbst mit vorderen Platzierungen bei Lucca-Rundfahrt und Mailand-Turin und einem 17. Platz bei der Lombardei-Rundfahrt.

Im Frühjahr 2004 war Schleck bereits 9. der Fernfahrt Paris-Nizza. Im weiteren Verlauf fuhr er die Vuelta unspektakulär durch auf den 46. Platz und beendete das WM-Straßenrennen von Verona in der Gruppe der besten 15 auf dem 10. Platz, zeitgleich mit Weltmeister Oscar Freire. Seine Schwäche im Sprint, die ihm noch häufiger zum Nachteil wurde, kostete ihn hier jede Hoffnung auf eine WM-Medaille.

Durchbruch in die Weltspitze 2005
2005 etablierte sich Frank Schleck unter den besten Fahrern der Welt, zunächst mit Platz 7 bei Paris-Nizza, dem Giro d'Italia noch auf dem 42. Platz, dann aber der Tour de Suisse auf dem 4. Platz und Podesträngen bei den hochklassigen Tagesrennen Züri-Metzgete und Lombardei-Rundfahrt. 2006 steigerte sich Schleck bei Paris-Nizza auf Platz 5 und mischte erstmals bei den Ardennen-Klassikern ganz vorne mit. In einem taktischen Amstel Gold Race gelang ihm nach einem 10-Kilometer-Solo der erste große Sieg. Top-Ten-Ergebnisse beim Wallonischem Pfeil und Lüttich-Bastogne-Lüttich folgten, ebenfalls bei der Tour de Suisse.

Im Juli 2006 bestritt Frank Schleck seine erste Tour de France als Helfer von Carlos Sastre. Bei der prestigeträchtigen Etappe nach Alpe d'Huez durfte der Luxemburger auf eigene Rechnung fahren. Aus einer frühen Fluchtgruppe war Schleck zusammen mit Damiano Cunego der Stärkste. Er schlug den Italiener um 11 Sekunden. Im Endklassement reichte es zunächst für den 11. Platz, aus dem nach der Disqualifikation des Siegers Floyd Landis ein 10. wurde. Schleck fuhr die Saison bis zum Ende durch und schloss sie mit einem 7. Platz bei der Lombardei-Rundfahrt ab.

Eigentlich seine beste Saison hatte Frank Schleck 2007. Es hagelte massenhaft Top-Ten-Platzierungen, so auch bei Paris-Nizza, Critérium International, der Baskenland-Rundfahrt, allen 3 Ardennen-Klassikern, der Bayern-Rundfahrt, Tour de Suisse, Polen-Rundfahrt und der Straßen-WM in Stuttgart. Zwischendurch fuhr er noch in die Top-20 der Tour de France. Ein wichtiger Podestplatz sprang allerdings nur in Lüttich hinter di Luca und Valverde heraus. Der erste Saisonsieg gelang Schleck erst im Oktober bei der Emilia-Rundfahrt in Bologna. Im WM-Straßenrennen von Stuttgart war er 2 Wochen vorher Bettini, Kolobnew und Schumacher im Sprint unterlegen.

Tour in Gelb - doch der Teamkollege gewinnt
Im Jahr 2008, nach Podesten u.a. bei Amstel Gold Race und Lüttich-Bastogne-Lüttich, fuhr Frank Schleck die Tour de France zeitweise mit Siegambitionen. In den Alpen übernahm er auf der 15. Etappe das Gelbe Trikot des Gesamtführenden. Dieses musste er sich 2 Tage später ausgerechnet von seinem Teamkollegen Carlos Sastre nach dessen Generalangriff in Alpe d'Huez ausziehen lassen. Dann kam noch das lange Einzelzeitfahren, und Frank Schleck fiel auf den 6. Platz der Gesamtwertung zurück (später korrigiert auf den 5.), während Sastre den Gesamtsieg sicherte.

Im Herbst tauchte ein Beleg für eine Überweisung über 7.000 Euro von Frank Schleck an den Dopingarzt Fuentes auf. Schleck kam mit der fadenscheinigen Erklärung davon, er habe das Geld nur für Trainingspläne überwiesen, dann aber nichts mehr von Fuentes gehört. Die Luxemburger Anti-Doping-Agentur stellte ein Verfahren aus Mangel an Beweisen ein.

Im Frühjahr 2009 gelangte Frank Schleck nach mehreren Anläufen endlich auf das Podest bei Paris-Nizza. Beim Amstel Gold Race blieb er nach einem schweren Sturz zusammen mit Matthew Lloyd mehrere Minuten auf der Straße liegen. Eine Woche später stand er bei Lüttich-Bastogne-Lüttich schon wieder am Start und konnte den Tag im Hauptfeld, das um den 3. Platz sprintete, genießen. Genießen deshalb, weil sein Bruder Andy mit beruhigendem Vorsprung dem Solosieg entgegenfuhr. Auch bei der Tour de France wendete sich nun das Blatt zugunsten des schon vorher stärker eingeschätzten jüngeren Bruders. Frank Schleck fuhr nun nicht mehr für den abgewanderten Carlos Sastre, sondern für Andy Schleck, der am Ende den 2. Platz hinter dem entfesselten Alberto Contador belegte. Frank kam immerhin insgesamt noch auf den 5. Platz und gewann im Dreiersprint die 17. Etappe in Le Grand Bornand vor Contador und Andy, die allerdings beide Frank den Sieg mehr oder weniger überließen. Die Spanien-Rundfahrt gab Frank Schleck mit Knieproblemen auf.

Suisse-Sieg und Schlüsselbeinbruch
2010 kam Frank Schleck beim Amstel Gold Race und in Lüttich erneut in die Top-Ten. Im Juni gelang ihm sein größter Sieg bei einem Etappenrennen. Erst – und ausgerechnet! – im abschließenden Zeitfahren der Tour de Suisse eroberte er die Gesamtführung. Der bisherige Leader Robert Gesink verlor gegen die Uhr noch mehr Zeit. Gegenüber weiteren Konkurrenten konnte Schleck Sekundenvorsprünge behaupten. Die Tour de France war für Frank Schleck hingegen schnell beendet. Nachdem er und sein Bruder schon auf der verregneten Ardennen-Etappe in den Abfahrten strauchelten, stürzte Frank bereits am 3. Tag aufs Kopfsteinpflaster und brach sich das Schlüsselbein. Bei der Vuelta kam Frank Schleck zurück und auf den 5. Platz im Endklassement. Die WM in Australien beschloss er am Ende der Gruppe, die um den Titel sprintete.

Leopard und die gemeinsamen Podien mit Andy
2011 begann das Kapitel Leopard. Neben Frank und Andy Schleck wechselten u.a. auch Fabian Cancellara, Jens Voigt und der Sportliche Leiter Kim Andersen an vorderster Front vom Riis-Team Saxo Bank zu dem neuen Projekt namens Leopard true racing. Seine ersten Siege im neuen Trikot verbuchte er beim Critérium International. In Lüttich musste sich Frank gemeinsam mit seinem Bruder Frank vom übermächtigen Philippe Gilbert auf die Plätze 2 und 3 verweisen lassen. Nach einem 7. Platz bei der Tour de Suisse gelang ihm das gleiche Kunststück auch bei der Tour de France: mit dem Bruder gemeinsam auf dem Podest zu stehen. Dummerweise stand auch hier jemand anderes auf der höchsten Treppe: Cadel Evans. Möglichweise wäre bei dieser Tour de France für einen der Brüder noch mehr drin gewesen, wären sie von Anfang an konsequenter gefahren. Allerdings taktierten beide lange bis zu einem späten und beherzten Alpenangriff durch Andy. In den Pyrenäen noch wirkte überraschend Frank stärker, spielte diesen scheinbaren Vorteil aber nicht aus. Nach der Tour de France fuhr Frank Schleck noch vorne bei der Clasica San Sebastian und der USA Pro Cycling Challenge mit. Auf dem flachen WM-Kurs von Dänemark stand er eigentlich schon vor dem Rennen auf verlorenem Posten.

2012 - und der Ärger beginnt...
In eine unheilvolle Saison 2012 startete Frank Schleck im fusionierten Team RadioShack-Nissan aus den bisherigen Teams RadioShack und Leopard-Trek. In einer Nacht- und Nebelaktion stielte  u.a. der Leopard-Geldgeber und umtriebige Immobilien-Makler Flavio Becca diese Fusion ein. Das Zepter bei RadioShack-Nissan übernahm Johan Bruyneel, der langjährige Teamleiter von Lance Armstrong und zuvor verantwortlich bei RadioShack. Es fiel allen Beteiligten schwer, sich mit der neuen Situation zu arrangieren. Der Ärger erreichte seinen vorläufigen Höhepunkt, als Frank kurzfristig und gegen seinen Willen von Bruyneel zum Giro d'Italia zitiert wurde. Dort stieg Frank auf der 15. Etappe aus. Er gab Rückenprobleme als Grund an, die Bruyneel zuvor verharmlost hatte.

Obwohl Frank Schleck eine Großteil des schwierigen Giros in den Beinen hatte, fuhr er vor der Tour de France noch die Luxemburg-Rundfahrt und die Tour de Suisse, beide ansprechend und aufs Podest! Bei der Tour de France hingegen lief es von Anfang an nicht rund. Sein Bruder Andy fiel verletzt aus, die alternden Klassementfahrer aus dem vormaligen RadioShack-Team kamen für einen Podestplatz eigentlich auch nicht mehr in Frage, und bei Frank ging noch weniger nach einer bis dahin intensiven Saison. Umso überraschender kam die Nachricht, dass Frank Schlecks Dopingprobe von der 14. Etappe positiv auf die harntreibende Substanz Xipamind war. Bereits zur 15. Etappe – es lag ein Ruhetag dazwischen – trat er nicht mehr an. Über ein halbes Jahr wartete er auf die Sanktion. Er selbst konnte nicht schlüssig erklären, wie Xipamid in seinen Körper gelangt sei. Er hielt es für möglich, dass ihm jemand diese Substanz verabreicht habe. Für Johan Bruyneel fiel der Vorhang im Profi-Radsport übrigens wenig später aufgrund der ausführlichen und erfolgreichen Ermittlungen, die die US-Anti-Doping-Agentur gegen Lance Armstrong geführt hatte...

Am 30. Januar 2013 wurde Frank Schleck für ein Jahr gesperrt. Die Sperre gilt rückwirkend ab dem 16. Juli 2012, an dem der Luxemburger während der Tour de France positiv auf das Entwässerungsmittel Xipamid getestet wurde. Damit fällt für Frank Schleck die Tour de France 2013 flach - bleiben für ihn die Vuelta und eine auf ihn zugeschnittene WM in Florenz (sofern das Urteil nach etwaigen Anfechtungen Bestand hat). Das Luxemburger Gericht sah von einer 2-jährigen Sperre wegen der winzigen Menge des Diurektikums ab, die in Schlecks Urin gefunden wurde.

Die wichtigsten Profi-Siege und Schlecks Teams:

2003 - Team CSC

2004 - Team CSC

2005 - Team CSC
Luxemburgs Straßen-Meister

2006 - Team CSC
Amstel Gold Race
15. Etappe Tour de France (L'Alpe d'Huez)

2007 - Team CSC
4. Etappe Tour de Suisse (Triesenberg-Malbun/LIE)
Giro dell'Emilia

2008 - Team CSC-Saxo Bank
Luxemburgs Straßen-Meister

2009 - Saxo Bank
8. Etappe Kalifornien-Rundfahrt (Escondido)
3. Etappe Luxemburg-Rundfahrt (Diekirch)
Luxemburg-Rundfahrt, Gesamtsieg
17. Etappe Tour de France (Le Grand Bornand)

2010 - Saxo Bank
2. Etappe Luxemburg-Rundfahrt (Differdange)
3. Etappe Tour de Suisse (Schwarzenburg)
Tour de Suisse, Gesamtsieg
Luxemburgs Straßen-Meister

2011 - Leopard-Trek
1. Etappe Critérium International (Col de l'Ospedale)
Critérium International, Gesamtsieg
Luxemburgs Straßen-Meister

2012 - RadioShack-Nissan

2014 - Trek
Luxemburgs-Straßen-Meister

2015 - Trek
16. Etappe Vuelta a España (Ermita de Alba)

Schleck bei der Tour de France:
2006 10. für Team CSC
15. Etappe (Gap - L'Alpe d'Huez)
2007 17. für Team CSC
2008 5. für CSC-Saxo Bank
Träger Gelbes Trikot
2009 5. für Saxo Bank
17. Etappe (Bourg-St-Maurice - Le Grand Bornand)
2010 --. für Saxo Bank
2011 3. für Leopard-Trek
2012 --. für RadioShack-Nissan
2014 12. für Trek

Schleck-Seiten im www:

Luxemburg

Frank Schleck
* 15.04.1980 in Luxemburg

Die wichtigsten Siege
Frank bei der Tour de France

Stand: 07.09.2015

Triumph beim Amstel Gold Race
Triumph in L'Alpe d'Huez
Radsport-Seite.de, Homepage / Fahrer-Portraits und -Palmarès / Frank Schleck