Flandern-Rundfahrt 2016

(BEL/1.UWT) - Siegerliste Flandern-Rundfahrt

Der Weltmeister hat sein Monument!

Peter Sagan (Tinkoff) gewann als Solist in eindrucksvoller Manier die 100. Auflage der Flandern-Rundfahrt. Der 26-jährige Slowake holte damit endlich den lange erwarteten ersten Sieg bei einem der 5 Monumente des Radsports - und das im Regenbogentrikot des Weltmeisters, was zuletzt Tom Boonen 10 Jahre zuvor gelang. Dem Verfolgerduo aus Fabian Cancellara (Trek) und Sep Vanmarcke (LottoNL) blieben da nur noch die Podestplätze neben Sagan.

In einer aufregenden Flandern-Rundfahrt 2016 war das Fahrerfeld in den letzten 60 Kilometern in derart viele Gruppen zersprengt, dass man kaum noch den Überblick behalten konnte. Peter Sagan jedenfalls vereinte Stärke und den richtigen Riecher in einer unschlagbaren Weise: Erst stopfte er selbst Lücken, dann attackierte er gemeinsam mit Michal Kwiatkowski (Sky) in einem Flachstück 33 Kilometer vor dem Ziel - Erinnerungen an den E3-Preis 9 Tage zuvor wurden zunächst wach. Vanmarcke kämpfte sich schnell an das Duo heran, während Cancellara diesen vorentscheidenden Vorstoß verschlief.

Cancellara zum Abschied nur Sagan unterlegen

An den letzten beiden Anstiegen hängte Sagan seine beiden Mitstreiter ab, erst Kwiatkowski am Oude Kwaremont, dann Vanmarcke am Paterberg 13 Kilometer vor dem Ziel. Fabian Cancellara startete seine Aufholjagd zu spät. Bei seiner letzten Flandern-Rundfahrt verpasste er damit knapp die Chance, als erster Fahrer in der über 100-jährigen Geschichte des Klassikers zum 4. Mal zu gewinnen. Die letzten Kilometer zum Zielort Oudenaarde bestritt Cancellara gemeinsam mit Vanmarcke. Sie hatten dem entfesselten Sagan aber nichts mehr entgegenzusetzen.

Im Sprint der nächsten Verfolgergruppe staubte Vorjahressieger Alexander Kristoff (Katusha) den 4. Platz ab - 48 Sekunden hinter Sagan und 23 hinter Cancellara. Mann des Tages neben Sagan war Imanol Erviti (Movistar), der aus der frühen Spitzengruppe stammte und am Ende einen 7. Platz erzielte. Zu den vielen weiteren Animatoren der Flandern-Rundfahrt 2016 gehörten unter anderem André Greipel (Lotto), Nils Politt (Katusha), Dmitri Claeys (Wanty), Stijn Vandenbergh (Etixx) und Dylan van Baarle (Cannondale), wobei van Baarle und Claeys ihre aktive Fahrweise in ein Top-Ten-Ergebnis einlösen konnten.

Zum 100. Mal «De Ronde van Vlaanderen»

Zur 100. Austragung blieb man dem Parcours der letzten paar Jahre weitgehend treu: Die Flandern-Rundfahrt 2016 beinhaltete 18 der gefürchteten «Hellingen», einen weniger als im Vorjahr. Auf den insgesamt 255,9 Kilometern zwischen Brügge und Oudenaarde (knapp 10 weniger als im Vorjahr) bildeten Oude Kwaremont und Paterberg wieder das Duo der letzten beiden Anstiege 13,2 und 16,7 Kilometer vor dem Ziel. Der recht lange und zähe Oude Kwaremont stand zuvor schon 2 weitere Male im Streckenplan, und der kurze, aber steile Paterberg ein weiteres Mal. Dazwischen schlängelte sich die Strecke auf den letzten gut 150 Kilometern kreuz und quer durch die flämischen Ardennen mit ihren giftigen Kopfsteinpflasterhügeln.

Nach schnellem Beginn formierte sich die frühe Spitzengruppe des Tages erst nach der ersten Rennstunde. Neben Erviti gehörten ihr Lukas Pöstlberger (Bora), Gijs van Hoecke (Topsport Vlaanderen), Hugo Houle (AG2R), Wesley Kreder (Roompot) und Federico Zurlo (Lampre) an. Im Hauptfeld waren noch vor der 100-Kilometer-Marke die Hoffnungen zweier Mitfavoriten bei ihrem Heimrennen jäh beendet: Ties Benoot (Lotto) und Greg van Avermaet (BMC), im Vorjahr auf den Plätzen 3 und 5, wurden nach Stürzen ins Krankenhaus eingeliefert. Bei van Avermaets Sturz gingen gleich 5 Fahrer aus seinem Team zu Boden. Zuvor war beim Benoot-Sturz bereits Marcus Burghardt (BMC) ausgeschieden.

Greipel für die Galerie, Politt als starker Partner

98 Kilometer vor dem Ziel kam die bei den Nord-Klassikern inzwischen obligatorische Attacke des Sprinters André Greipel. Diesmal fand er in seinem deutschen Landsmann Nils Politt einen Begleiter. 5 Kilometer später setzten van Ginneken (Roompot) und van Hecke (Topsport Vlaanderen) nach, 15 Kilometer später Dmitri Grusdew (Astana) und Dimitri Claeys. An der Spitze waren inzwischen nur noch Erviti und van Hoecke, zu denen Greipel und Politt mit Houle im Schlepptau 78 Kilometer vor dem Ziel auffuhren. Wenig später gelang auch Grusdew und Claeys der Anschluss. Der Vorsprung dieses Septetts vergrößerte sich auf maximal knapp 3 Minuten und betrug noch 2 Minuten, als mit der vorletzten Passage der Oude Kwaremont das Finale eingeläutet wurde.

Dort attackierten Vandenbergh und van Baarle 55 Kilometer vor dem Ziel. Hinter dem vorletzten Paterberg attackierten einige weitere Helfer, die aber anders als Vandenbergh und van Baarle am oder hinterm Koppenberg wieder eingeholt wurden. In der Spitzengruppe attackierte Greipel vor dem Koppenberg, um danach noch der Spitzengruppe anzugehören. Houle tat das zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr. Gut eine Minute hinter der Spitzengruppe entstanden nach dem Koppenberg mehrere Verfolgergruppen. Vandenbergh und van Baarle schlossen 40 Kilometer vor dem Ziel mit dem zwischenzeitlich wieder abgehängten Grusdew zu den Spitzenreitern Claeys, Erviti, Greipel und Politt auf. Van Hoecke hatte den Anschluss endgültig verloren.

Die zahlreichen Vorstöße aus dem, was man noch Hauptfeld nennen konnte, wurden teilweise sogar von Sagan selbst neutralisiert. Ian Stannard (Sky) und Jürgen Roelandts (Lotto) fuhren den Gruppen der Favoriten zeitweise als Solisten voraus, sowie Vanmarcke, Trentin (Etixx), Keukeleire (Orica), de Vreese (Astana), Gatto (Tinkoff) und Devolder (Trek) gemeinsam. Zu dieser Gruppe und Roelandts schlossen in einer weiteren Gruppe Sagan und Cancellara auf. Eine Gruppe mit Terpstra, Boonen (Etixx) und Terpstra brauchte etwas länger. 34 Kilometer vor dem Ziel lichtete sich das Chaos, als die Gruppe um Sagan und Cancellara auch Stannard schnappte.

Vorentscheidung: Sagan mit Kwiatkowski, plus Vanmarcke

Es war noch eine Minute bis zur Spitzengruppe und 33 Kilometer bis zum Ziel, als Sagan und Kwiatkowski die Vorentscheidung suchten. Während sich Vanmarcke zur Verfolgung entschloss, baute Cancellara auf Helfer aus dem eigegen und aus anderen Teams, was sich als Fehlentscheidung herausstelte und sowieso kaum einleuchtete, weil 3 der größten Favoriten in Aktion getreten waren. Über Kruisberg/Hotond hinweg führten Devolder (Trek) und de Vreese (Astana) für ihre Kapitäne nach, während sich der Abstand zu Sagan, Kwiatkowski und Vanmarcke vergrößerte. 24 Kilometer vor dem Ziel holte das Trio die Spitzengruppe ein. Aus dieser war inzwischen Politt zurückgefallen und half im Verfolgerfeld für Kristoff.

Vor dem Oude Kwaremont betrug die Differenz rund eine halbe Minute. In der Spitzengruppe fuhr Sagan von vorn. Greipel, Vandenbergh, Erviti, Kwiatkowski, van Baarle und Claeys bröckelten in dieser Reihenfolge ab. Nur Vanmarcke war noch bei Sagan. Aus dem Verfolgerfeld heraus stürmte Cancellara heran und nicht weit hinter ihm Niki Terpstra. Kurz unterstützt von Vandenbergh fuhr Terpstra mit Erviti und Claeys im Windschatten hinter dem Oude Kwaremont zu Cancellara vor, nur etwa 10 bis 15 Sekunden hinter dem Spitzenduo.

Im steilen Paterberg platzten Vanmarcke kurz vor dem Gipfel die Beine. Cancellara holte Vanmarcke oben ein, machte aber nichts auf Sagan gut. Dieser baute seinen Vorsprung auf den letzten 12 flachen Kilometern sogar noch leicht aus auf am Ende 25 Sekunden - und feierte seinen Sieg hinter der Ziellinie mit einem Wheelie, wie er es nach großen Triumphen häufig zelebriert. Cancellara trat an für den 2. Platz vor Vanmarcke und winkte zum Abschied.

Dahinter kam eine 10-köpfige Gruppe ebenfalls nicht mehr näher. Zu Terpstra, van Baarle, Erviti, Claeys und Vandenbergh gesellten sich die eher unauffälligen Kristoff, Rowe, Thomas (beide Sky), Stybar (Etixx) und Boom (Astana) für die Plätze 4 bis 13. Kwiatkowski und Greipel wurden auf die Plätze 27 und 28 durchgereicht.

So 3. April 2016, Brügge - Oudenaarde
Ergebnis der 100. Auflage Ronde van Vlaanderen / Tour de Flandres (255,9km)
1. Peter Sagan (SVK) - Tinkoff 6:10:37
2. Fabian Cancellara (SUI) - Trek-Segafredo +0:25
3. Sep Vanmarcke (BEL) - LottoNL-Jumbo +0:28
4. Alexander Kristoff (NOR) - Katusha +0:49
5. Luke Rowe (GBR) - Sky
6. Dylan van Baarle (NED) - Cannondale
7. Imanol Erviti (ESP) - Movistar
8. Zdenek Stybar (CZE) - Etixx-Quick Step alle
9. Dimitri Claeys (BEL) - Wanty-Groupe Gobert
10. Niki Terpstra (NED) - Etixx-Quick Step gleiche
11. Lars Boom (NED) - Astana
12. Geraint Thomas (GBR) - Sky Zeit
13. Stijn Vandenbergh (BEL) - Etixx-Quick-Step +0:56
14. Alexej Luzenko (KAZ) - Astana +1:00
15. Tom Boonen (BEL) - Etixx-Quick Step gl.Zeit
16. Daniel Oss (ITA) - BMC +1:02
17. Jurgen Roelandts (BEL) - Lotto-Soudal +1:16
18. Laurens De Vreese (BEL) - Astana
19. Jempy Drucker (LUX) - BMC
20. Scott Thwaites (GBR) - Bora-Argon 18
21. Jens Keukeleire (BEL) - Orica-Greenedge alle
22. Oliver Naesen (BEL) - IAM
23. Edvald Boasson Hagen (NOR) - Dimension Data gleiche
24. Marco Marcato (ITA) - Wanty-Groupe Gobert
25. Jakob Fuglsang (DEN) - Astana Zeit
...
27. Michal Kwiatkowski (POL) - Sky +1:57
28. André Greipel (GER) - Lotto-Soudal +2:01
30. Gijs van Hoecke (BEL) - Topsport Vlaanderen +2:03
32. Ian Stannard (GBR) - Sky +2:09
75. Filippo Pozzato (ITA) - Southeast-Venezuela +7:19
89. Nils Politt (GER) - Katusha +7:19
- 199 Teilnehmer, davon 118 klassiert.

Wildcards für die Flandern-Rundfahrt 2016 erhielten Bora, CCC, Direct Energie, Roompot, Southeast, Topsport Vlaanderen und Wanty.

Anstiege («Hellingen»)

km-

Zeit

1.

Oude Kwaremont

152

12:58

2.

Kortekeer

142

13:14

3.

Eikenberg

134

13:24

4.

Wolvenberg

126

13:29

5.

Molenberg

119

13:46

6.

Leberg

98

14:16

7.

Berendries

94

14:21

8.

Valkenberg

89

14:29

9.

Kaperij

78

14:44

10.

Kanarieberg

71

14:55

11.

Oude Kwaremont

55

15:18

12.

Paterberg

52

15:22

13.

Koppenberg

45

15:32

14.

Steenbeekdries

40

15:40

15.

Taaienberg

37

15:43

16.

Kruisberg/Hotond

27

15:58

17.

Oude Kwaremont

17

16:12

18.

Paterberg

14

16:17

Zielankunft in Oudenaarde:
Kilometer 255,9 ca. 16:36

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