Flandern-Rundfahrt 2014

(BEL/WorldTour) - Siegerliste der Flandern-Rundfahrt

Cancellara triumphiert im Vierersprint
Fabian Cancellara (Trek) gewann die Flandern-Rundfahrt 2014 im Sprint vor Greg van Avermaet (BMC). Den Sieg machten in Oudenaarde 4 Mann unter sich aus. Sep Vanmarcke (Belkin) belegte den 3. Platz vor Sitjn Vandenbergh (Omega). Van Avermaet attackierte bereits 31 Kilometer vor dem Ziel auf einem Flachstück, und nur Vandenbergh hängte sich dran. Cancellara und Vanmarcke setzten sich am Oude Kwaremont vom Verfolgerfeld ab, als noch gut 17 Kilometer zu fahren waren, und schlossen am Paterberg erst zu Vandenbergh und dahinter zu van Avermaet auf.

In der Verfolgung des Spitzenquartetts lösten sich hinter dem Patersberg, der letzten von 17 Hellingen, Alexander Kristoff (Katusha) und Niki Terpstra (Omega) für den 5. und 6. Platz. Der 3-fache Ronde-Sieger Tom Boonen (Omega) führte die nächste der vielen versprengten Fahrer an. Cancellara zog nach seinen Siegen 2010 und 2013 bei der Flandern-Rundfahrt 2014 mit den Rekordsiegern Boonen, Museeuw, Leman, Magni und Buysse gleich. Der 33-jährige Schweizer glänzte nun wie schon bei seinem letzten siegreichen Monument in Roubaix 2013 durch seine Endschnelligkeit. Damals bezwang er Vanmarcke, diesmal dazu van Avermaet plus den Omega-Aufpasser Vandenbergh. Ansonsten feierte Cancellara seine großen Triumphe als Solist, wohingegen bei Sprintentschiedungen viele 2. und 3. Plätze herauskamen.

Bei trockenem Wetter gab es auf dem fast 260 Kilometer langen Weg von Brügge in die flämischen Ardennen viele Stürze. Fabian Cancellara ließ sich nicht davon stören, dass sein Edelhelfer gleich mehrmals zu Boden ging. Immerhin hatte der Belgische Meister Stijn Devolder (Trek) auch schon 2-mal die Flandern-Rundfahrt gewonnen. Aus der langen Liste der Sturzausfälle sticht der Vorjahresdritte Jürgen Roelandts (Lotto) hervor. Vanmarcke wurde in einen frühen Sturz verwickelt, bei dem eine unvorsichtige Zuschauerin lebensgefährlich verletzt wurde.

Omega buckelt umsonst
Aus der 11-köpfigen Spitzengruppe des Tages konnten sich Impey (Orica), Phinney (BMC) und Broeckx (Lotto) bis zur heißen Phase des Rennens vorne halten. 44 Kilometer vor dem Ziel stand der Koppenberg auf dem Programm, der steilste der schmerzhaften Pflasteranstiege Flanderns. Fast den ganzen Tag über diktierte Omega Pharma im Hauptfeld das Tempo, so auch am Koppenberg, wo Boonen mit 2 Teamkollegen das Spitzentrio überholte, zuerst gefolgt von Cancellara, Peter Sagan (Cannondale), Vanmarcke, John Degenkolb (Giant) sowie danach noch einem weiteren runden Dutzend, das den Kontakt zur neuen Spitze hielt.

Zwischen Steenbeekdries und Taaienberg setzten sich Dries Devenyns (Giant) und Edvald Boasson Hagen (Sky) in Szene. Hier schon markierte Stijn Vandenbergh für seine vermeintlich 3 stärkeren Teamkollegen Boonen, Terpstra und Stybar jeden Angriff. Am Taaienberg fiel Vandenbergh zurück, während hinten van Avermaet seine erste Attacke zündete. Heraus kam eine Gruppe mit dem Omega-Quartett, Sagan, Cancellara, Degenkolb, Vanmarcke, Leukemans (Wanty), Überraschungsmann Minard (AG2R) sowie van Avermaet.

Van Avermaet mit dem Herz in beiden Beinen
34 Kilometer vor dem Ziel schlossen die 11 Verfolger zu Devenyns und Hagen auf. 2 Kilometer später attackierte erneut Devenyns, und Vandenbergh führte die Verfolger wieder heran. Dann erfolgte die Attacke von van Avermaet, dem Vandenbergh bis zum Paterberg am Hinterrad klebte. Durch seine kämpferische Vorausfahrt war van Avermaet der Fahrer, dem der neutrale Zuschauer an diesem packenden Renntag den Sieg gegönnt hätte.

In der Verfolgergruppe fuhr Sagan den Kruisberg 28 Kilometer vor dem Ziel von vorn, was Degenkolb für kurze Zeit den Anschluss kostete. Hinter dem Kruisberg attackierte Vanmarcke. Degenkolb und Minard passten auf, so dass dieser Versuch verpuffte. Ein paar Sekunden länger hielt der Vorstoß von Terpstra mit Leukmans und Vanmarcke. Den Zusammenschluss nutzte Björn Leukemans 25 Kilometer vor dem Ziel zur Soloverfolgung des Spitzenduos. Minard gelang es nicht, solo den Anschluss zu Leukemans herzustellen. Während Leukemans den Rückstand auf das Spitzenduo unter einer halben Minute hielt - es führte immer nur van Avermaet - wuchs der Abstand der Favoritengruppe so langsam auf die gefährliche Minutenmarke an.

Wendung vorm und Vorentscheidung am Oude Kwaremont
Von hinten bahnte sich hingegen eine neue Situation an: Die Gruppe verdreifachte sich noch vor dem Oude Kwaremont, als erst Luca Paolini (Katusha) und dann ein kleines Feld wieder zurück ins Geschäft kam. So gab in dem langen Pflasteranstieg auf einmal zunächst Alexander Kristoff den Ton an, wodurch unter anderem Boonen in Probleme geriet. Die entscheidende Verschärfung von Cancellara konnte nur noch Vanmarcke mitgehen. Oben war der Vorsprung des Spitzenduos auf 15 Sekunden geschmolzen. Etwa 12 Sekunden hinter Cancellara wurde die nächste Gruppe angeführt von Sagan, neben Cancellara und mit Abstrichen Boonen der größte Favorit im Vorfeld der Flandern-Rundfahrt 2014.

Schon vor dem Paterberg wollte van Avermaet die Klette Vandenbergh an breit steigender Nationalstraße abschütteln. Was hier noch misslang, klappte dann am Paterberg. Allerdings tilgten Cancellara und Vanmarcke die 11 Sekunden Rückstand, die sie am Gipfel hatten, relativ schnell. Im Windschatten wurde auch Vandenbergh wieder an die Spitze gespült. In der Verfolgergruppe begannen die Auflösungserscheinungen mit einer Attacke von Geraint Thomas (Sky), dem Boonen folgte. Boonens Team sah seine Felle dahinschwimmen mit dem starken aber behäbigen Vandenbergh gegen 3 endschnellere Leute an der Spitze. Letztlich übte noch Kristoff allein auf weiter Flur ein wenig Druck auf das Spitzenquartett aus. Als Terpstra 9 Kilometer vor dem Ziel zum San Remo-Sieger aufschloss, war die Entscheidung angesichts fast einer halben Minute Abstand schon gefallen.

3,4 Kilometer vor dem Ziel attackierte Vandenbergh, und nur van Avermaet reagierte sofort. Vanmarcke verließ sich zunächst auf Cancellara, spannte sich dann aber doch mit dem 33-jährigen Schweizer erfolgreich zusammen. Während des Geplänkels zwischen der 32-Kilometer-Marke und dem rotem Dreieck zuckten van Avermaet und Cancellara jeweils kurz, überlegten es sich aber doch noch anders. 800 Meter vor dem Ziel verschoss Vandenbergh verzweifelt sein letztes Pulver. Van Avermaet reagierte. Das Quartett belauerte sich bis zur 200-Meter-Marke, an der Cancellara mustergültig den Sprint für einen deutlichen Sieg eröffnete.

Boonen ließ im Vorlauf zur Flandern-Rundfahrt wegen einer Fehlgeburt seiner Lebensgefährtin einige Rennen aus. Wohl auch deswegen konnte er die quantitativ gute Leistung seines Teams nicht vollenden. So reichte es für den 4. Platz durch Vandenbergh, den 6. durch Terpstra und den 7. durch Boonen. Hinter Boonen komplettierten Thomas, Leukemans und Langeveld die Top-Ten. Erst hinter Jérôme (Europcar), Burghardt (BMC) als bestem Deutschen, Sørensen (Tinkoff) und Devenyns kam eine erste mehrköpfige Gruppe an. Deren unbedeutenden Sprint um den 15. Platz gewann Degenkolb vor Sagan.

So 6. April 2014, Brügge - Oudenaarde
Ergebnis der 98. Auflage Ronde van Vlaanderen (259,2km)
1. Fabian Cancellara (SUI) - Trek 6h15:18
2. Greg van Avermaet (BEL) - BMC alle
3. Sep Vanmarcke (BEL) - Belkin gleiche
4. Stijn Vandenbergh (BEL) - Omega-Quick Step Zeit
5. Alexander Kristoff (NOR) - Katusha +0:08
6. Niki Terpstra (NED) - Omega-Quick Step +0:18
7. Tom Boonen (BEL) - Omega-Quick Step +0:35
8. Geraint Thomas (GBR) - Sky +0:37
9. Björn Leukemans (BEL) - Wanty-Groupe Gobert +0:41
10. Sebastian Langeveld (NED) - Garmin-Sharp +0:43
11. Vincent Jérôme (FRA) - Europcar +1:12
12. Marcus Burghardt (GER) - BMC gl.Zeit
13. Nicki Sørensen (DEN) - Tinkoff-Saxo +1:15
14. Dries Devenyns (BEL) - Giant-Shimano +1:19
15. John Degenkolb (GER) - Giant-Shimano +1:25
16. Peter Sagan (SVK) - Cannondale
17. Filippo Pozzato (ITA) - Lampre-Merida
18. Zdenek Stybar (CZE) - Omega-Quick Step alle
19. Sylvain Chavanel (FRA) - IAM
20. Sébastien Minard (FRA) - AG2R La Mondiale
21. Yoann Offredo (FRA) - FDJ.fr gleiche
22. Edvald Boasson Hagen (NOR) - Sky
23. Tony Gallopin (FRA) - Lotto-Belisol Zeit
24. Laurens de Vreese (BEL) - Wanty-Groupe Gobert +1:35
25. Oscar Gatto (ITA) - Cannondale +1:41
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Leichte Strecken-Modifizierung

Die Abfolge der Hellingen wurde für die Flandern-Rundfahrt 2014 leicht modifiziert. Dies betrifft insbesondere die Abfolge vor dem Finale mit Hotond, Oude Kwarmont und Paterberg. Dieses Trio ist mit Ausnahme von Oude Kwaremont nun nicht mehr 3-fach vertreten, und auch nicht mehr als eine Art Schlussrundkurs, was die altehrwürdige Flandern-Rundfahrt in den letzten beiden Jahren dem Charakter eines Kirmesrennens anglich.

Stattdessen wanderte das Duo aus Koppenberg und Steenbeekdries etwas nach hinten - gefolgt vom weit nach hinten verschobenen Taaienberg. Von dem sind es 10,3 Kilometer bis zum Schlussabschnitt mit Kruisberg/Hotond, Oude Kwaremont und Paterberg. 2012 und 2013 waren es stattdessen 7 Kilometer vom 2. Paterberg bis Hoogberg/Hotond.

Aus dem 2013er-Programm fehlen 2014 Tiegemberg, Rekelberg, Berendries und Hoogberg/Hotond. Der Paterberg ist "nur" noch 2 statt 3-mal dabei, wird aber dennoch auch 2014 eine Hauptrolle spielen. Neu  bzw. nach Abstinenz wieder dabei sind Kortekeer, Wolvenberg, Leberg, Kaperij und Kanarienberg - alle jedoch vor der mutmaßlich entscheidenden Phase. Diese wird wohl entweder bei der 2. Passage über den Oude Kwaremont 55 Kilometer vor dem Ziel eingeläutet (es folgen in kurzem Rhythmus Paterberg, Koppenberg, Steenbeekdries, Taaienerg) oder erst 17 Kilometer vor dem Ziel beim Finale über Oude Kwaremont und Paterberg.

Die Rennorganisatoren stellten heraus, dass 2014 auf den letzten 150 Kilometern maximal 12 Kilometer zwischen Anstiegen und/oder Kopfsteinpflasterabschnitten liegen. Zielort der Flandern-Rundfahrt ist seit 2012 Oudenaarde. Die Zielverlegung weg von Meerbeke hatte damals heftige Reaktionen ausgelöst. Seitdem fehlt auch die einst markanteste Schlüsselstelle, Mauer von Geraardsbergen, im Profil der Flandern-Rundfahrt.

Wildcards gingen an: Androni (Italien), Cofidis (Frankreich), IAM (Schweiz), MTN (Südafrika), Netapp (Deutschland), Topsport Vlaanderen und Wanty (beide Belgien).

Anstiege («Hellingen») km-  Zeit
1. Oude Kwaremont 151 13:05
2. Kortekeer 140 13:20
3. Eikenberg 133 13:31
4. Wolvenberg 130 13:35
5. Molenberg 117 13:53
6. Leberg 97 14:23
7. Valkenberg 89 14:34
8. Kaperij 78 14:49
9. Kanarieberg 71 15:00
10. Oude Kwaremont 55 15:22
11. Paterberg 51 15:27
12. Koppenberg 45 15:37
13. Steenbeekdries 39 15:44
14. Taaienberg 37 15:48
15. Kruisberg/Hotond 27 16:02
16. Oude Kwaremont 17 16:16
17. Paterberg 13 16:21
Zielankunft in Oudenaarde
Kilometer 259 ca. 16:40 Uhr

www-tipps zur vorbereitung aufs rennen

Offizielle Homepage: http://www.rvv.be/
    - Landkarten und Profil
    - Zeittabelle (PDF)
Profil Oude Kwaremont auf salite.ch
Wetter im Zielort Oudenaarde
(provisorische) Startliste auf procyclingstats.com
Fotos des Vorjahres auf cyclingnews.com

Ergebnis des Vorjahres (Sieger Fabian Cancellara)
Ergebnis vor 2 Jahren (Sieger Tom Boonen)

Cancellara vor 3 Flamen
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