EPO

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Team Telekom

Am 30. April 2007 erschien die Zeitschrift Spiegel mit dem Aufmacher: «Dickes Blut - Die Bekenntnisse eines Insiders aus dem Team Telekom». Der Insider war Ex-Telekom-Masseur Jef d'Hont. In einem Interview und einem auszugsweisen Vorabdruck seines Buches packte der Belgier ausführlich über Dopingpraktiken im Straßen-Radsport und beim Team Telekom in den 1990er Jahren aus.
«Masseur wirft Telekom systematisches Doping vor» auf spiegel.de

Ex-Profi Dietz schildert jahrelanges Doping bei Telekom (Montag)
Die ersten Reaktionen der von d'Hont beschuldigten Profis und Teamleiter waren die Üblichen: «Kein Kommentar», «Habe davon nichts mitbekommen», «Da will ein Frustrierter Geld mit seinem Buch verdienen». Am 21. Mai war damit aber Schluss. In der TV-Sendung bekmann gestand Bert Dietz als erster deutscher Rennfahrer jahrelanges EPO-Doping. Der 38-jährige Ex-Profi fuhr von 1994 bis 1998 fürs Team Telekom und danach noch zwei Jahre fürs Team Nürnberger. Dietz erklärte, dass die Teamärzte von der Freiburger Uni-Klinik ihm ab 1995 bis zum Ende seiner Karriere EPO und Wachstumshormone angeboten und auch verabreicht haben. Bei beckmann untermauerte Dietz die Aussagen des Ex-Telekom-Masseurs d'Hont. Anders als d'Hondt nannte Dietz außer den Ärzten Heinrich und Schmid allerdings keine Einzelnamen, zumindest nicht direkt. Vielmehr ging es Dietz darum, die Verlogenheit im Radsport im Allgemeinen («schwarze Schafe»), und das Dilemma der einzelnen Sportler im Speziellen herauszustellen: Die Angst um den eigenen Arbeitsplatz im Radsport verursacht erst das Doping und dann das Schweigen. Dietz trat auf als Befürworter eines sauberen Neuanfangs, für den allerdings eine flächendeckende Aufklärung der Vergangenheit unabdingbar ist, und zwar ohne mit dem Zeigefinger auf einige wenige Sündenböcke zu zeigen. Man durfte gespannt sein auf die Reaktionen aus dem Radsport-Zirkus. Auszüge des hervorragenden Interviews mit Bert Dietz kann im Wortlaut zum Beipspiel auf Radsport-News.com nachlesen.

Christian Henn zieht nach (Dienstag)
Schon am Tag danach wurde es ernst: Auch Christian Henn, aktuell sportlicher Leiter bei Gerolsteiner, gestand, während seiner aktiven Zeit bei Telekom von 1995 bis 1999 mit EPO gedopt zu haben. Auf fr-aktuell äußerte Henn, dass was Bert Dietz gesagt habe, zum größten Teil der Wahrheit entspreche. Genauere Angaben zum Doping-System und den betroffenen Personen machte Henn nicht: «Es soll jetzt einfach jede Person sagen was Sache ist. Und ganz ehrlich: Ich hoffe, dass es so kommt.» Dem Kölner Stadt-Anzeiger sagte Henn zum Thema EPO-Missbrauch: «Die Zeit war so, sonst hätte man nicht vernünftig mitfahren können. Es ging nur hopp oder top.»

Bölts, Holm und die Teamärzte bestätigen (Mittwoch)
Zwei Tage nach dem Dietz-Interview outeten sich die Ex-Telekom-Fahrer Udo Bölts und Brian Holm ebenso wie die Teamärzte Heinrich und Schmid. Die Lawine kam also ins Rollen. Für den nächsten Tag kündigte das T-Mobile Team, Nachfolger von Telekom, eine Pressekonferenz mit dem langjährigen Telekom-Profi Rolf Aldag an. Aldag war in der Zwischenzeit Sportlicher Leiter bei T-Mobile, das nach dem Doping-Skandal in Spanien auf einen strikten Anti-Doping-Kurs setzte. Rolf Aldag war eines der Zugpferde...

Aldag und Zabel packten auch aus (Donnerstag)
Dreieinhalb Tage nach Dietz' Beichte gestand Rolf Aldag jahrelanges EPO-Doping. Sportlicher Leiter bei T-Mobile bleibt er trotzdem. Erik Zabel, inzwischen beim Team Milram unter Vertrag, sprach als erster noch aktiver Fahrer über seine EPO-Vergangenheit. Zabel habe für die Tour de France 1996 EPO getestet, dann aber bereits während der ersten Woche wegen Nebenwirkungen diese EPO-Kur abgebrochen und danach die Finger davon gelassen. Beide, Aldag und Zabel, legten einen emotionalen Auftritt hin, Zabel gestand unter Tränen. Wie all ihre Vorredner entschuldigten sich die beiden für ihre jahrelange Lügerei. Für den nächsten Tag wurde eine Pressekonferenz in Dänemark mit Bjarne Riis angekündigt.
Erik Zabel - Die Karriere des Deutschen mit den meisten Siegen

Dann der Toursieger von 1996, Bjarne Riis (Freitag)
Bjarne Riis 1996 Toursieger für Telekom, und aktuell Teamboss bei CSC, gestand, zwischen 1993 und 1998 gedopt zu haben, mit EPO und allem was dazugehört: «Es war Teil meines Alltags». Das war es aber auch schon. In aalglatter Manier gab Riis zu Protokoll, er sei weiterhin stolz auf seine Siege. Er bemerkte ohne viel Reue, dass man das die Vergangenheit nicht mehr ändern könne. Er sehe keinen Sinn in Geständnissen weiterer (Ex-)Sportler. Stattdessen verkaufte er den Radsport der Gegenwart und Zukunft als sauber.
Bjarne Riis - Die Ergebnisse, auf die der Däne weiterhin stolz ist

Riis meint also anders als die geständigen Deutschen, dass eine weitere Aufklärung der Doping-Vergangheit mit zahlreichen Geständnissen nichts bringe.

Weitere Links zum Thema EPO bei Telekom:
«Masseur wirft Telekom systematisches Doping vor» auf spiegel.de
Die wichtigstene PK-Zitate von Bjarne Riis laut Rheinische Post
Live-Ticker zur Aldag/Zabel-Pressekonferenz auf sportschau.de
Bericht zur Aldag/Zabel-Pressekonferenz auf Radsport-News.com

Festina

Link: alle Meldungen zur Festina-Affäre chronologisch auf Radsport-News.com

weitere interessante Links:
«Die Ära Gewiss-Ballan» auf cycling4fans
«Romingers Qualen» in Die Zeit
Was ist Epo? auf Radsport-News.com

Diese Seite zur Aufarbeitung der EPO-Vergangenheit im Radsport steckt erst in ihren Kinderschuhen und wird noch erweitert.

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