Chris Froome - der Kronprinz

Der britische Radprofi Chris Froome wurde 1985 in Kenia geboren und wuchs teilweise in Südafrika auf. Seit seinem überraschenden 2. Platz bei der Vuelta a España 2011 muss man Froome bei großen Rundfahrten auf der Rechnung haben. Als kompletter Fahrer ist er vor allem stark am Berg, kann aber auch in Zeitfahren mit den Besten mithalten.

Auf der großen internationalen Bühne war Chris Froome erstmals 2006 zu sehen. Bei der U23-WM in Salzburg erreichte er im kenianischen Trikot beim Einzelzeitfahren den 36. Platz und war dabei trotz eines Sturzes noch im Bereich einiger talentierter europäischer Fahrer. Im Straßenrennen belegte er dann den 45. Platz. Für 2007 erhielt er die Möglichkeit, im kleinen südafrikanischen Team Konica Minolta zu fahren. Er fuhr im Vorderfeld kleinerer Rundfahrten mit und kam bei der U23-WM in Stuttgart auf ähnlich Platzierungen wie im Vorjahr in Salzburg.

Die ersten 2 Profijahre bei Barlworld

Beim Team Barloworld erhielt Froome für die Saison 2008 seinen ersten Profi-Vertrag. Das Team fuhr zwar mit europäischer Lizenz, hatte aber wegen des Hauptsponsors und einiger Fahrer einen südafrikanischen Bezug. Wie 2007 erhielt das Team Barlowolrd auch 2008 eine Wildcard für die Tour de France. Froome wurde gleich in seinem ersten Profijahr für das größte Radrennen der Welt nominiert und fuhr bis zum Ende durch auf einen 81. Platz. Einige wenige vordere Platzierungen erreichte er zunächst weiterhin nur bei kleineren Rundfahrten. 2009, immer noch für Barloworld, deutete er mit einem 35. Platz beim Giro d'Italia einen zarten Aufwärtstrend bezüglich 3-wöchiger Rundfahrten an.

Für die Saison 2010 wollte das neu gegründete britische Team Sky einen hochkarätigen Kader natürlich auch mit britischen Fahrern bestücken. So bediente sich die Teamleitung unter anderem beim sich auflösenden Team Barloworld. Chris Froome besaß neben dem kenianischen auch den britischen Pass und passte daher optimal ins Profil. Im Laufe der Saison tauschte Froome seine kenianische gegen eine britische Rennlizenz ein. Vordere Ergebnisse waren allerdings 2010 Mangelware. Beim Giro d'Italia musste er 2 Tage vor Schluss aussteigen. Im Gesamtklassement stand er zu diesem Zeitpunkt auf dem 104. Platz.

2010 wurde bei Chris Froome die Wurmkrankheit Bilharziose festgestellt. Die Krankheit verschwand nach Behandlung mit Medikamenten, und nach der Heilung legte Froome einen Quantensprung zum Top-Klassementfahrer bei großen Rundfahrten hin. Ein Vergleich mit Lance Armstrong, der eine ähnliche Metamorphose nach seiner Krebserkrankung durchmachte, liegt zumindest nahe.

Durchbruch bei der Vuelta 2011

Im Frühjahr 2011 zeigte die Leistungskurve wieder etwas nach oben mit einem 14. Platz bei der Vuelta a Castilla y Leon und einem 15. Platz bei der Tour de Romandie, bevor er sich im Spätsommer bei der großen Vuelta, der Vuelta a España, überraschend in die absolute Weltspitze hochkatapultierte. Sein Teamkollege Bradley Wiggins ging mit großen Ambitionen in dieses Rennen, nachdem er die Tour de France als Siegaspirant noch in der ersten Woche mit einem Schlüsselbeinbruch verlassen musste. Schnell deutete sich an, dass Froome in den Bergen der stärkste Helfer von Wiggins sein würde. Und zu spät bemerkte die Teamleitung, dass Froome sogar stärker als sein eigener Kapitän war. Froome gewann die 17. Etappe nach Peña Cabarga und schrammte im Endklassement nur 13 Sekunden am Gesamtsieg vorbei. Den holte stattdessen Juan José Cobo. Der ursprüngliche Sky-Kapitän rettete noch den 3. Platz. Froome ließ entscheidende Sekunden liegen, als er noch als Helfer für Wiggins eingespannt wurde anstatt auf eigene Kappe fahren zu dürfen. Eine Monat nach der Vuelta hängte Froome beim neuen WorldTour-Event in Peking noch einen 3. Platz dran.

Die Saison 2012 begann für Chris Froome durchwachsen. Rechtzeitig vor der Tour de France wurde er im wichtigsten Vorbereitungsrennen, dem Critérium du Dauphiné, fit und beseitigte damit Zweifel an seiner 2. Nominierung für die Tour de France nach 2008. Die Streckenführung bei der Tour de France war 2012 auf Bradley Wiggins zugeschnitten, der auf ein sehr starkes Team Sky bauen konnte mit Chris Froome als stärkstem Helfer. Bei der ersten Bergankunft an der Planche des Belles Filles (Etappensieg für Froome) zeichnete sich allerdings ab, dass Froome am Berg wie bei der vergangenen Vuelta sogar stärker sein könnte als sein Kapitän. Auch auf weiteren Etappen deutete er diese Überlegenheit immer wieder kurz an, blieb aber letztlich wie vorgesehen im weiteren Tourverlauf immer bei seinem Kapitän und belegte den 2. Platz vor Vincenzo Nibali und mit 3:21 Minuten Rückstand hinter Wiggins. Die Zeit ging Froome in den beiden langen Einzelzeitfahren und wegen eines späten Defekts auf der 1. Etappe verloren.

Werk vollendet bei der Tour 2013

Für die Tour de France 2013 wurde Froome vom Team Sky die Kapitänsrolle versprochen. Während Wiggins stattdessen beim Giro d'Italia Schiffbruch erlitt, legte Froome im Vorlauf zur Tour de France 2013 eine so beeindruckende Siegesserie hin wie Wiggins im Jahr zuvor. Er feierte Gesamtsiege und je einen Tagessieg bei Oman-Rundfahrt, Critérium International, Tour de Romandie und Critérium du Dauphiné. Das einzige Rennen, das Froome nicht mit dem Gesamtsieg abschloss, war Tirreno-Adriatico. Dort gelangen ihm ebenfalls ein Tagessieg und die Übernahme der Gesamtführung. Diese musste er jedoch nach einer verregneten Etappe mit extrem vielen Hügeln noch an Nibali abgeben. Die Tour de France ließ Nibali zugunsten des Giros aus, ebenso Wiggins. So war der Weg frei für Chris Froome. Von den Klassementfahrern war er sowohl in den Bergen als auch im Einzelzeitfahren der dominierende Mann. Gleich auf der 8. Etappe mit Bergankunft in Ax-3-Domaines schaffte Froome mit einem unfassbar überragenden Sieg klare Verhältnisse. In den Bergen war ihm noch am ehesten der junge Kolumianer Quintana gewachsen, nicht jedoch im Einzelzeitfahren. Froome gewann noch 2 weitere Etappen und hatte am Ende satte 4:20 Minuten Vorsprung vor Quintana.

Die Saison 2014 begann zunächst ähnlich verheißungsvoll wie 2013 mit der Oman-Rundfahrt. Dann jedoch geriet Froomes Serie mit Rennabsagen und einem 6. Platz bei der Katalonien-Rundfahrt etwas ins Stocken. Dafür präsentierte er sich bei der Tour de Romandie wieder in alter Stärke, als er wie im Vorjahr vor Simon Spilak gewann. In der unmittelbaren Tour-de-France-Vorbereitung gewann Froome zunächst die ersten beiden Etappen beim Critérium du Dauphiné, um dann nach einem Einbruch noch auf den 11. Platz des Endklassements zurückzufallen. Die Tour de France selbst endete für den Vorjahressieger schon auf der 4. Etappe. Dort stürzte er im Regen noch vor den gefürchteten Kopfsteinpflasteretappen und stieg ins Teamfahrzeug. So kam es bei der Vuelta 2014 zum Duell der beiden Enttäuschten. Denn auch Alberto Contador war bei der Tour de France verletzt ausgeschieden. Der dritte Vuelta-Favorit, Nairo Quintana, hatte 2014 auf die Tour de France verzichtet und den Giro gewonnen, schied aber bei der Vuelta 2014 nach einem Sturz im Einzelzeitfahren aus. Froome belegte im Endklassement schließlich den 2. Platz hinter Contador mit nur 70 Sekunden Rückstand, ohne allerdings Contadors Gesamtsieg irgendwann in Gefahr zu bringen.

2015 wählte Froome zum Saisonstart die in diesem Jahr schwierige und im TV zu sehenden Andalusien-Rundfahrt, die er vor Contador gewann. Nach gesundheitlichen Problemen verzichtete Froome sagte Froome Tirreno-Adriatico ab und rollte stattdessen bei der Katalonien-Rundfahrt nur mit. Auch bei der Tour de Romandie zeugte ein 3. Platz davon, dass die Überlegenheit der beiden Vorjahre vorbei zu sein schien. Doch pünktlich zum Critérium du Dauphiné kehrte Froome wieder auf die Siegerstraße zurück. Durch Siege auf den letzten beiden Etappen knöpfte er allerdings erst am Schlusstag Tejay van Garderen das Gelbe Trikot knapp ab. Die Tour de France 2015 sollte im Zeichen stehen des großen Vierkampfes zwischen Froome, Quintana, Nibali und Contador. Die windanfällige erste Woche beinhaltete wieder eine Kopfsteinpflaster-Etappe. Anders als erwartet ging Froome als der große Gewinner aus den Tagen im Wind und Regen hervor, sattelte außerdem noch einige Sekunden im Teamzeitfahren drauf. So ging Froome in die Pyrenäen mit bereits jeweils rund 2 Minuten Vorsprung vor seinen 3 Kontrahenten und schenkte denen mit einem überlegenen Etappensieg bei der ersten Bergankunft gleich weitere Minute(n) ein. Trotz seines nun großen Vorsprungs wurde Froome von den Gegnern immer wieder attackiert. Aber selbst auf den gefährlichen und ungeliebten Abfahrten blockte Froome die Attacken mit Leichtigkeit ab. Erst auf den letzten 2 Alpenetappen nach La Toussuire und Alpe-d'Huez geriet der Gesamtsieg doch noch in leichte Gefahr, weil sich dort Quintana deutlich stärker präsentierte als Froome. Letztlich verteidigte Froome das Gelbe Trikot, das er ab der 7. Etappe durchgängig trug, mit 1:12 Minuten Vorsprung vor Quintana. Bereits im Wind von Holland hatte Quintana 1:28 Minuten auf Froome verloren...

Die wichtigsten Siege und Froomes Teams

2007 - Konica Minolta
5. Etappe Giro delle Regioni (Montepulciano)
6. Etappe Japan-Rundfahrt (Izu)

2008 - Barloworld

2009 - Barloworld
Giro del Capo II

2010 - Sky

2011 - Sky
17. Etappe Vuelta a España (Peña Cabarga)

2012 - Sky
7. Etappe Tour de France (La Planche des Belles Filles)

2013 - Sky
5. Etappe Oman-Rundfahrt (Boshar)
Oman-Rundfahrt, Gesamtsieg
4. Etappe Tirreno-Adriatico (Prati di Tivo)
3. Etappe Critérium International (Col d'Ospedale)
Critérium International, Gesamtsieg
Prolog Tour de Romandie (Bruson)
Tour de Romandie, Gesamtsieg
5. Etappe Critérium du Dauphiné (Valmorel)
Critérium du Dauphiné, Gesamtsieg
8. Etappe Tour de France (Ax-3-Domaines)
15. Etappe Tour de France (Mont Ventoux)
17. Etappe Tour de France (Chorges/EZF)

2014 - Sky
5. Etappe Oman-Rundfahrt (Green Mountain)
Oman-Rundfahrt, Gesamtsieg
5. Etappe Tour de Romandie (Neuenburg/EZF)
Tour de Romandie, Gesamtsieg
1. Etappe Critérium du Dauphiné (Lyon/EZF)
2. Etappe Critérium du Dauphiné (Col du Béal)

2015 - Sky
4. Etappe Andalusien-Rundfahrt (Alto de Allanadas)
Andalusien-Rundfahrt, Gesamtsieg
7. Etappe Critérium du Dauphiné (Saint-Gervais)
8. Etappe Critérium du Dauphiné (Modane)
Critérium du Dauphiné, Gesamtsieg
10. Etappe Tour de France (La Pierre-Saint-Martin)
Tour de France, Gesamtsieg

2016 - Sky
4. Etappe Herald Sun Tour (Arthurs Seat)
Herald Sun Tour, Gesamtsieg
4. Etappe Tour de Romandie (Villars-sur-Ollon)
5. Etappe Critérium du Dauphiné (Vaujany)
Critérium du Dauphiné, Gesamtsieg
8. Etappe Tour de France (Luchon)
18. Etappe Tour de France (Megève/EZF)
Tour de France, Gesamtsieg
11. Etappe Vuelta a España (Peña Cabarga)

Froome bei der Tour de France
2008 81. für Barloworld
2012 2. für Sky
Träger Bergtrikot
7. Etappe (Tomblaine - Planche des Belles Filles)
2013 1. für Sky
Gewinner Gelbes Trikot
Inhaber Bergtrikot
8. Etappe (Castres - Ax-3-Domaines)
15. Etappe (Givors - Mont Ventoux)
17. Etappe (Embrun - Chorges) ITT
2014 -. für Sky
2015 1. für Sky
Gewinner Gelbes Trikot
Gewinner Bergtrikot
10. Etappe (Tarbes - La Pierre-Saint-Martin)
2016 1. für Sky
Gewinner Gelbes Trikot
8. Etappe (Pau - Luchon)
18. Etappe (Sallanches - Megève) ITT

Froome-Seiten im www

Großbritannien

Christopher Froome
* 20.05.1985 Nairobi/KEN

Stand: 03.09.2016

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