Amstel Gold Race 2017

(NED/1.UWT) - Siegerliste Amstel Gold Race

Gilbert vor Kwiatkowski in langem Zweiersprint

Philippe Gilbert (Quick Step) schlug Michal Kwiatkowski (Sky) beim Amstel Gold Race 2017 in einem packendem Zweiersprint. Kwiatkowski riss mit einem sehr frühen Antritt knapp hinter der 300-Meter-Marke aus hinterer Position zunächst eine größere Lücke. Doch Gilbert kam noch gerade rechtzeitig in Schwung und überflügelte seinen Gegner mit höherer Endgeschwindigkeit um 2 Radlängen. Das Podium komplettierte aus einer 5-köpfigen Verfolgergruppe heraus Michael Albasini (Orica).

Gilbert und Kwiatkowski hatten sich 6 Kilometer vor dem Ziel von Albasini, Nathan Haas (Dimension Data), José Joaquin Rojas (Movistar), Sergio Henao (Sky) und Ion Izagirre (Bahrain) an der Kuppe des Bemelerbergs abgesetzt, dem letzten von insgesamt 35 bezeichneten Anstiegen. Die Vorentscheidung fiel 39 Kilometer vor dem Ziel am Kruisberg. Dort bildete sich eine Gruppe mit 8 Fahrern, in der 6 der späteren Top-7 vertreten waren. 11 Kilometer später sprang dann auch Kwiatkowski hinter dem Keutenberg zur Spitze, aus der inzwischen Benoot (Lotto) und Lindeman (LottoNL) zurückgefallen waren.

Veränderte Strecke provoziert frühe Vorentscheidung

Umstritten waren vor dem Amstel Gold Race 2017 einschneidende Streckenänderungen im Finale. Die Ziellinie lag unverändert auf dem Plateau hinter dem Cauberg in Vilt, allerdings nun nach einer Zusatzrunde ohne Cauberg. Der letzte Anstieg war der eher harmlose Bemelerberg 6 Kilometer vor dem Ziel. Dies sollte entscheidende Aktionen schon vor den letzten 3 Kilometern provozieren, was in jüngerer Vergangenheit kaum noch der Fall war, weil sich die Favoriten alle nur auf den alles entscheidenden Cauberg konzentrierten.

Kritische Stimmen befürchteten aber, dass der Plan des Veranstalters nicht aufgehen sollte und das Amstel Gold Race 2017 zu einem Sprinterrennen mutieren würde. Doch der Plan ging voll auf! Die entscheidenden Aktionen begannen 40 Kilometer vor dem Ziel - so früh wie seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr beim wichtigsten Rennen in den Niederlanden. Hinzu kam eine nochmals ausgedehnte Renndistanz auf nunmehr wahrhaft klassiche 261 Kilometer.

Die Namen der frühen Ausreißergruppe des Tages - Boom (LottoNL), Vandenbergh (AG2R), Würtz Schmidt (Katusha), Ariesen (Roompot), Stalnow (Astana), Paluta (CCC), Canty (Cannondale), van Zyl (Dimension Data), van Rooy (Sport Vlaanderen), van Speybrouck (Wanty), Albanese (Bardiani) und Grellier (Direct Energie) - spielten keine Rolle mehr, als die entscheidenden Phase begann. Fabien Grellier wurde als letzter dieser Ausreißer gestellt, nachdem er sich 15 Kilometer lang mit knappem Abstand zum Hauptfeld als Solist an der Spitze gehalten hatte.

Finale 40 Kilometer vorm Ziel eingeläutet

Dann aber eröffnete Tiesj Benoot mit seiner Attacke am Kruisberg das Finale. Gilbert reagierte, dazu Bert-Jan Lindeman und Henau sowie mit etwas Verzögerung Haas und Albasini. Izagirre und Rojas verfolgten das Sextett an der Spitze und erreichten dieses einen Kilometer später noch vor dem Eyserbosweg. An diesem mutmaßlich schwierigsten Anstieg des Rennens passierte nichts, außer dass die Spitzengruppe den Vorsprung zum geschrumpften Verfolgerfeld auf rund 15 Sekunden stabilisierte.

Unter den Verfolgern kegelten sich die beiden ehemaligen Amstel-Sieger Enrico Gasparotto (Bahrain) und Roman Kreuziger (Orica) per Sturz gegenseitig aus dem Rennen. Tim Wellens (Lotto) versuchte im Alleingang die Spitzengruppe zu erreichen, aus der sein Teamkollege Benoot zurückgefallen war. Am Keutenberg blies 29 Kilometer vor dem Ziel Greg van Avermaet (BMC) zur Attacke. Valverde deckte sein Hinterrad, doch es war Kwiatkowski, der - vorbei an Lindeman - die Spitzengruppe einen Kilometer später allein erreichte.

Van Avermaet, Valverde, Wellens und Fabio Felline (Trek) verpassten den Zug zum Sieg nur knapp. Stattdessen schloss ein nächstes Trio mit Bob Jungels (Quick Step), Warren Barguil (Sunweb) und Rui Costa (UAE) zum Verfolgerquartett auf - nun eine halbe Minute hinter der Spitze und eine halbe Minute vor dem, was noch vom Hauptfeld übrig war.

Van Avermaet in Verfolgung auf verlorenem Posten

An der Spitze lag Rojas hinten drauf mit Verweis auf seinen Kapitän Valverde, während unter den Verfolgern Jungels und Barguil die Rolle des Aufpassers einnahmen. Denn Jungles' Kapitän Gilbert fuhr vorne, und Barguils Kapitän Matthews saß im Hauptfeld als der am höchsten gewettete Sprinter in der Startliste des Amstel Gold Race 2017. Die Konstellation sprach also klar für die Spitzengruppe, zumal Valverde nur halbherzig in die Verfolgung investierte und auch Felline und Costa eher auf van Avermaet schauten. Am Bemelerberg schließlich wurden die Verfolger eingeholt. Michael Gogl (Trek) löste sich für den 8. Platz, und Sonny Colbrelli (Bahrain) sprintete auf den 9. Platz vor Matthews.

Die 7 Spitzenreiter hielten am Cauberg und am folgenden Geulhemmerberg noch still. Am Fuße des Bemelerbergs ergriff Kwiatkowski sofort die Initiative. Gilbert parierte, aber auch die anderen 5 Fahrer stellten den Kontakt wieder her. Als dann jedoch Gilbert über die Kuppe hinweg noch einmal forcierte, verlor Haas den Kontakt zu Kwiatkowskis Rad. Albasini, Rojas und Izagirre schauten sich einen Moment zu lange an. Und Henao fuhr seinem Teamkollegen Kwiatkowski natürlich nicht hinterher. Ein letzter Versuch von Haas, die Lücke als Solist zu schließen, wurde vom destruktiven Rojas unterbunden, und dabei blieb es dann unter den Verfolgern.

Im Gegenwind zum 4. Amstel-Triumph

Im Duell auf der Zielgeraden sahen sich 2 Sieger der bisherigen 3 Monumente der Saison 2017 gegenüber: Kwiatkowski als Sieger von Mailand-Sanremo und Philippe Gilbert als Sieger der Flandern-Rundfahrt. Van Avermaet, der eine Woche zuvor bei Paris-Roubaix erfolgreich war, mischte diesmal nicht um die Podestplätze mit. Kwiatkowski traute sich trotz Gegenwindes einen frühen Antritt zu. In Sanremo bewies er bessere Nerven gegen den favorisierten Sagan, der das Amstel Gold Race wie gewohnt ausließ.

So hatte Gilbert noch genügend Zeit, mit einem großen Kraftakt Geschwindigkeit aufzunehmen und seinen insgesamt 4. Sieg beim niederländischen Bierrennen einzufahren. Ihm fehlt damit nur noch ein Sieg zum Rekordhalter Jan Raas, wegen dessen Erfolgsserie die Veranstaltung von einige Medien seinerzeit in «Amstel Gold Raas» umgetauf wurde. Für Kwiatkowski blieb es bei seinem Sieg von 2015. Sowohl Raas als auch Gilbert holten in der Region Limburg auch ihre WM-Titel 1979 und 2012.

So 16. April 2017, Maastricht - Vilt
Ergebnis der 52. Auflage Amstel Gold Race (261,0km)
1. Philippe Gilbert (BEL) - Quick Step Floors 6:31:40
2. Michal Kwiatkowski (POL) - Sky gl.Zeit
3. Michael Albasini (SUI) - Orica-Scott +0:10
4. Nathan Haas (AUS) - Dimension Data alle
5. José Joaquin Rojas (ESP) - Movistar gleiche
6. Sergio Henao (COL) - Sky Zeit
7. Ion Izagirre (ITA) - Bahrain-Merida +0:14
8. Michael Gogl (AUT) - Trek-Segafredo +1:10
9. Sonny Colbrelli (ITA) - Bahrain-Merida +1:11
10. Michael Matthews (AUS) - Sunweb
11. Juan José Lobato (ESP) - LottoNL-Jumbo
12. Greg van Avermaet (BEL) - BMC
13. Oliver Naesen (BEL) - AG2R La Mondiale
14. Arthur Vichot (FRA) - FDJ
15. Tiesj Benoot (BEL) - Lotto-Soudal
16. Kristian Sbaragli (ITA) - Dimension Data
17. Jay McCarthy (AUS) - Bora-Hansgrohe
18. Daryl Impey (RSA) - Orica-Scott
19. Alejandro Valverde (ESP) - Movistar
20. Paul Martens (GER) - LottoNL-Jumbo
21. Sebastian Langeveld (NED) - Cannondale-Drapac
22. Chris Juul-Jensen (DEN) - Orica-Scott
23. Nick van der Lijke (NED) - Roompot alle
24. Tomasz Marczynski (POL) - Lotto-Soudal
25. Alex Howes (USA) - Cannondale-Drapac
...
30. Georg Preidler (AUT) - Sunweb
32. Fabio Felline (ITA) - Trek-Segafredo gleiche
35. Michael Valgren (DEN) - Astana
38. Rui Costa (POR) - UAE-Emirates
39. Bob Jungels (LUX) - Quick Step Floors
42. Tim Wellens (BEL) - Lotto-Soudal
45. Warren Barguil (FRA) - Sunweb Zeit
46. Tom-Jelte Slagter (NED) - Cannondale-Drapac +1:32
- 192 Teilnehmer, davon 127 klassiert.

Die Ardennen-Woche wird fortgesetzt mit dem Wallonischen Pfeil und findet ihren Höhepunkt - eine Woche nach dem Amstel Gold Race - bei Lüttich-Bastogne-Lüttich, dann neben Gilbert und Kwiatkowski auch wieder mit Valverde auf der Favoritenliste. Fürs Amstel Gold Race 2017 wurden vom Veranstalter 6 Wildcards ausgesprochen, und zwar an Bardiani, CCC, Direct Energie, Roompot, Sport Vlaanderen und Wanty.

Anstiege

km-

Zeit

1.

Slingerberg

252

10:40

2.

Adsteeg

250

10:48

3.

Lange Raarberg

242

11:00

4.

Bergseweg

227

11:24

5.

Sibbergrubbe

214

11:41

6.

Cauberg

210

11:48

7.

Geulhemmerberg

205

11:55

8.

Heiweg

186

12:24

9.

Kallenberg

182

12:30

10.

Wolfsberg

175

12:41

11.

Loorberg

171

12:46

12.

Schweibergerweg

160

13:03

13.

Camerig

154

13:13

14.

Drielandenpunt

142

13:30

15.

Gemmenich

138

13:37

16.

Vijlenerbos

134

13:42

17.

Eperheide

125

13:55

18.

Gulpenerberg

116

14:09

19.

Plettenberg

113

14:14

20.

Eyserweg

111

14:17

21.

St. Remigiusstraat

106

14:24

22.

Vrakelberg

101

14:32

23.

Sibbergrubbe

93

14:44

24.

Cauberg

88

14:51

25.

Geulhemmerberg

84

14:58

26.

Bemelerberg

71

15:17

27.

Loorberg

55

15:41

28.

Gulpenerberg

45

15:55

29.

Kruisberg

40

16:03

30.

Eyserbosweg

38

16:06

31.

Fromberg

34

16:12

32.

Keutenberg

29

16:19

33.

Cauberg

19

16:34

34.

Geulhemmerberg

15

16:41

35.

Bemelerberg

6

16:54

Zielankunft in Vilt: ca. 17:02
Zeiten für 40 km/h im Schnitt
km-: aufgerundete Distanz zum Ziel

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