Alberto Contador - der Pistolero

Der Spanier Alberto Contador, Jahrgang 1982, ist ein sehr starker Bergfahrer, der aber auch im Zeitfahren zu gefallen weiß. Er ist ein Zögling des langjährigen Radteam-Managers Manolo Saiz, der im Frühsommer 2006 beim Dealen mit Blutdoping erwischt wurde. Contador begann seine Profi-Laufbahn 2003 im Saiz-Rennstall O.N.C.E.-Eroksi. 2004 schien seine Karriere schon beendet zu sein, als er sich nach einem fürchterlichen Sturz bei der Asturien-Rundfahrt am Kopf schwer verletzte. Wegen eines Aneurysmas im Gehirn musste sich Contador einer gefährlichen Operation unterziehen. Schon in den ersten Monaten der Saison 2005 meldete sich der Spanier mit einer kleinen Siegesserie zurück. Der Rennstall hieß mittlerweile Liberty Seguros.

Im Jahr 2006 flog ein Teil dieser Mannschaft im Rahmen der Operacion Puerto als Blutdoper auf, mit Teamchef Saiz als einem der Dreh- und Angelpunkte. Contadors Rolle in dieser Doping-Mafia ist bis heute diffus. In der Auflistung der Blutbeutel befand sich auch das Kürzel A.C., das Contador zugeordnet wurde. Offiziell belangt wurde er dafür jedoch nie. Bestes Ergebnis war für Contador 2006 ein 2. Platz im Endklassement der Tour de Romandie. In der zweiten Saisonhälfte trat er kaum noch in Erscheinung.

Siegesserie bei großen Rundfahrten beginnt 2007
Für 2007 wechselte Contador ins Ex-Armstrong-Team Discovery Channel. Dort feierte er sogleich bei der Fernfahrt Paris-Nizza seinen bis dahin größten Triumph. Im Jahr 2007 dominierte er im Hochgebirge die Tour de France gemeinsam mit Michael Rasmussen. Contador profitierte davon, dass Rasmussen wegen versäumter Dopingkontrollen in der letzten Woche aus dem Rennen genommen wurde. Es folgte der Gesamtsieg des seinerzeit 24-jährigen Spaniers beim wichtigsten Radrennen der Welt.

Bei der Tour de France 2008 durfte Contador seinen Titel nicht verteidigen, weil sein neues/altes Team Astana von den Tour-Veranstaltern wegen vergangener Doping-Geschichten keine Einladung erhielt. Ähnlich sollte es zunächst auch beim Giro d'Italia sein. Doch eine Woche vor dem Giro-Start erhielt Astana überraschend eine nachträgliche Einladung. Contador flog angeblich vom Urlaub zum Giro d'Italia ein und gewann seine zweite dreiwöchige Landesrundfahrt. Nach dem unfreiwilligen Tourverzicht nahm Contador die Spanien-Rundfahrt ins Visier. Mit Erfolg: Innerhalb kurzer Zeit komplettierte der Spanier bei der Vuelta seine Trophäen-Sammlung bei allen drei großen Rundfahrten.

Die Tour de France 2009 stand im Zeichen des medialen Getöses um das Comeback des siebenmaligen Toursiegers Lance Armstrong. Der schloss sich Astana an, fuhr also im selben Team wie Alberto Contador. Die Spekulationen um die Kapitänsfrage beantwortete Contador mit seinen gewohnt überlegenen Leistungen im Gebirge und - was viele immer wieder gerne vergessen - seinen exzellenten Zeitfahrqualitäten. Contador gewann die Tour 2009 ungefährdet vor Andy Schleck und Lance Armstrong. Sämtliche der 4 letzten großen Rundfahrten, bei denen Contador am Start war, verließ der Spanier als Gesamtsieger.

Toursieg 2011 inklusive positiver Dopingprobe
Die Erfolgsgeschichte setzte sich zunächst fort bei der Tour de France 2010, allerdings mit einem knapperen Vorsprung als im Jahr zuvor. Der Abstand zu Andy Schleck betrug diesmal nur noch 39 Sekunden. Ende September erschien dann ein Interview mit Contador, in dem er sagte, Dopingfälle im Radsport gehörten der Vergangenheit an. Einen Tag später - welch ein Zufall - wurde bekannt, dass die Dopingprobe vom 2. Tour-Ruhetag positiv auf Clenbuterol war. Contador schob das Testergebnis sofort auf verunreinigte Nahrung.

Zu diesem Zeitpunkt war Contador bereits einig mit Bjarne Riis, der für sein Team Saxo Bank einen Nachfolger für Andy Schleck gesucht hatte. Denn Andy Schleck und viele weitere Fahrer verließen Saxo Bank in Richtung des neuen luxemburgischen Teams Leopard. Ein Urteil über Contador fällte der spanische Verband im Februar 2011, nachdem sich sogar der spanische Ministerpräsident für einen Freispruch eingesetzt hatte. Trotz der positiven Dopingprobe und ohne stichhaltige Erklärung dafür wurde Contador schließlich freigesprochen. Wie bei der Operacion Puerto entstand der Eindruck, als stünde eine Schutzmacht hinter Contador, die Sperren gegen den Spanien um jeden Preis zu verhindern weiß.

Contador war sofort wieder startberechtigt und gewann gleich bei seinem ersten Rennen, der Murcia-Rundfahrt, 2 Etappen und die Gesamtwertung. Weitere Gesamtsiege bei der Katalonien-Rundfahrt und beim Giro d'Italia folgten. Den Giro d'Italia dominierte Contador nach Belieben. Er gewann außerdem die Punktewertung und 2 Etappen. Er hätte auch noch die Bergwertung und weitere Etappen für sich entschieden, wenn er nicht mehrere Etappensiege an Konkurrenten verschenkt hätte. Schon vor dem Giro d'Italia stand fest, dass Contadors Ergebnisse nur unter Vorbehalt stünden. Eine Entscheidung des internationalen Sportgerichtshof über die positive Probe von der Tour 2010 stand noch aus. Man gewann den Eindruck, als wolle Contador vor einer etwaigen Sperre noch möglichst viele Siege mitnehmen, selbst wenn ihm diese nachträglich wieder aberkannt werden sollten.

Schuldspruch anderthalb Jahre später
Bei der Tour de France 2011 blieb Alberto Contador hinter den Erwartungen zurück. In den Bergen konnte er seine Gegner nicht in Schach halten und musste sich mit dem 5. Platz im Endklassement begnügen. Derweil zogen sich die Verhandlungen vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) hin, ebenso wurde die Urteilsverkündung mehrfach verschoben. Als schon fast niemand mehr mit einem Schuldspruch rechnete, lautete am 6. Februar 2012 das CAS-Urteil: schuldig, alle Ergebnisse und Preisgelder seit und inklusive der Tour de France 2010 aberkannt, 2 Jahre Sperre, rückwirkend ab dem Tag des positiven Tests der A-Probe. Was bedeutete: Die Ergebnislisten der vergangen anderthalb Jahre wurden neu geschrieben, und Contador durfte bereits ab Anfang August 2012 wieder Rennen fahren. Und dies sogleich erfolgreich: Bei seinem Comeback belegte er den 4. Platz der ENECO Tour. Und bei der Spanien-Rundfahrt 2012 eroberte er auf der 17. Etappe das Rote Trikot des Gesamtführenden, nachdem er zuvor in Joaquin Rodriguez seinen Meister gefunden zu haben schien. Mit einer langen Flucht drehte Contador das Rennen zu seinen Gunsten und fuhr nach eigener Rechnung den 7., nach offizieller den 5. Gesamtsieg bei einer großen Rundfahrt ein.

Nachdem Contador Ende 2012 noch bei Mailand-Turin das erste Eintagesrennen seiner Karriere gewann, blieb er 2013 hinter den hohen Erwartungen leicht zurück, was ihm die viel beachtete öffentliche Schelte des Teamfinanziers Oleg Tinkoff einbrachte. Contador kam auf 2. bis 5. Plätze in der diversen Endklassements, so auf den 4. Platz der Tour de France, doch was fehlte war ein Sieg und die tänzerische Leichtigkeit aus alten Tagen. Den Weg alter Tage schlug Contador dafür 2014 wieder ein. Nach Gesamtsiegen bei Tirreno-Adriatico und Baskenland-Rundfahrt und einem nur aus taktischen Gründen verlorenen Critérium du Dauphiné reiste er angeblich in der Form seines Lebens zur Tour de France. Dort schied er jedoch angeblich mit einem Wadenbeinbruch aus, nachdem er auf einer Abfahrt in den Vogesen gestürzt war. Überraschend wurde Contador zur Spanien-Rundfahrt 2014 wieder fit und gewann diese relativ souverän vor Chris Froome, der ebenfalls bei der Tour verletzt aufgegeben hatte.

Die wichtigsten Profi-Siege und Contadors Teams:

2003 - O.N.C.E.-Eroski
8. Etappe Polen-Rundfahrt (EZF)

2004 - Liberty Seguros

2005 - Liberty Seguros-Würth
Tour Down Under, Gesamtsieg
3. Etappe Katalanische Woche
Katalanische Woche, Gesamtsieg
5.2 Etappe Baskenland-Rundfahrt (EZF)
4. Etappe Tour de Romandie

2006 - Liberty Seguros-Würth bzw. Würth bzw. Astana
3. Etappe Tour de Romandie
8. Etappe Tour de Suisse

2007 - Discovery Channel
4. Etappe Valencia-Rundfahrt
4. Etappe Paris-Nizza
7. Etappe Paris-Nizza
Paris-Nizza, Gesamtsieg
4. Etappe Vuelta a Castilla y Leon
Vuelta a Castilla y Leon, Gesamtsieg
14. Etappe Tour de France (Plateau de Beille)
Tour de France, Gesamtsieg

2008 - Astana
1. Etappe Vuelta a Castilla y Leon (EZF)
4. Etappe Vuelta a Castilla y Leon
Vuelta a Castilla y Leon, Gesamtsieg
1. Etappe Baskenland-Rundfahrt
6. Etappe Baskenland-Rundfahrt (EZF)
Baskenland-Rundfahrt, Gesamtsieg
Giro d'Italia, Gesamtsieg
13. Etappe Spanien-Rundfahrt (Alto de l'Angliru)
14. Etappe Spanien-Rundfahrt (E. E. Fuentes de Invierno)
Spanien-Rundfahrt, Gesamtsieg

2009 - Astana
4. Etappe Algarve-Rundfahrt (EZF)
Algarve-Rundfahrt, Gesamtsieg
1. Etappe Paris-Nizza (EZF)
6. Etappe Paris-Nizza
3. Etappe Baskenland-Rundfahrt
6. Etappe Baskenland-Rundfahrt (EZF)
Baskenland-Rundfahrt, Gesamtsieg
Spanischer Zeitfahrmeister
15. Etappe Tour de France (Verbier)
18. Etappe Tour de France (Annecy/EZF)
Tour de France, Gesamtsieg

2010 - Astana
3. Etappe Algarve-Rundfahrt
Algarve-Rundfahrt, Gesamtsieg
4. Etappe Paris-Nizza
Paris-Nizza, Gesamtsieg
4. Etappe Vuelta a Castilla y Leon (EZF)
Vuelta a Castilla y Leon, Gesamtsieg
Prolog Critérium du Dauphiné
6. Etappe Critérium du Dauphiné
Tour de France, Gesamtsieg

2011 - Saxo Bank-Sungard
2. Etappe Murcia-Rundfahrt
3. Etappe Murcia-Rundfahrt (EZF)
Murcia-Rundfahrt, Gesamtsieg
3. Etappe Katalonien-Rundfahrt
Katalonien-Rundfahrt, Gesamtsieg
4. Etappe Vuelta a Castilla y Leon (EZF)
9. Etappe Giro d'Italia (Ätna)
16. Etappe Giro d'Italia (Nevegal)
Giro d'Italia, Gesamtsieg

2012 - Saxo Bank / Saxo Bank-Tinkoff Bank
3. Etappe Tour de San Luis
5. Etappe Tour de San Luis
17. Etappe Spanien-Rundfahrt (Fuente Dé)
Spanien-Rundfahrt, Gesamtsieg
Mailand-Turin

2013 - Saxo-Tinkoff
6. Etappe Tour de San Luis

2014 - Tinkoff-Saxo
4. Etappe Algarve-Rundfahrt
4. Etappe Tirreno-Adriatico
5. Etappe Tirreno-Adriatico
Tirreno-Adriatico, Gesamtsieg
1. Etappe Baskenland-Rundfahrt
Baskenland-Rundfahrt, Gesamtsieg
16. Etappe Spanien-Rundfahrt (La Farrapona)
20. Etappe Spanien-Rundfahrt (Puerto de Ancares)
Spanien-Rundfahrt, Gesamtsieg

2015 - Tinkoff-Saxo
3. Etappe Andalusien-Rundfahrt
Giro d'Italia, Gesamtsieg
3. Etappe Route du Sud
Route du Sud, Gesamtsieg

2016 - Tinkoff
5. Etappe Algarve-Rundfahrt
6. Etappe Baskenland-Rundfahrt (EZF)
Baskenland-Rundfahrt, Gesamtsieg
Prolog Critérium du Dauphiné
Burgos-Rundfahrt, Gesamtsieg

2017 - Trek-Segafredo
20. Etappe Spanien-Rundfahrt (Alto de l'Angliru)

Contador bei der Tour de France
2005 31. für Liberty Seguros
2007 1. für Discovery Channel
Gewinner Gelbes Trikot
14. Etappe (Mazamet - Plateau de Beille)
2009 1. für Astana
Gewinner Gelbes Trikot
Träger Bergtrikot
15. Etappe (Pontarlier - Verbier)
18. Etappe (Annecy - Annecy/EZF)
2010 1. für Astana
Gewinner Gelbes Trikot
2011 5. für Saxo Bank-Sungard
2013 4. für Saxo-Tinkoff
2014 -. für Tinkoff-Saxo
2015 5. für Tinkoff-Saxo
2016 DNF für Tinkoff
2017 9. für Trek-Segafredo

Contador-Seiten im www
- Offizielle Homepage Alberto Contadors
- Resultate auf CQranking.com
- «Contador ist Fuentes-Kunde» auf sueddeutsche.de

Spanien

Alberto Contador Velasco
* 06.12.1982

Stand: 09.09.2017

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